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Marburg „Ich will total viel rocken“
Marburg „Ich will total viel rocken“
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13:00 18.04.2022
Die neue Marburger Tourismusmanagerin Cornelia Dörr.
Die neue Marburger Tourismusmanagerin Cornelia Dörr. Quelle: Manfred Hitzeroth
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Marburg

Nach einer Ausbildung als Hotelfachfrau und zusätzlichen Weiterbildungen in Betriebswirtschaft blickt Cornelia Dörr bereits auf eine bunte Mischung an Jobs zurück. So war sie im Hotelgewerbe tätig und arbeitete in der Marketingbranche im Auftrag von amerikanischen Firmen.

Als ausgebildete Weinexpertin (Sommelière) führte die Mutter von drei Kindern aber auch einige Jahre eine eigene Weinhandlung. Ihr Faible für Wein hat sie beibehalten als Mitglied des Vereins der Weinfreunde, die in Bad Nauheim einen Weinberg besitzen und eigenen Wein herstellen. Zuletzt aber war sie sieben Jahre lang als Tourismusmanagerin erfolgreich und baute die touristische Organisation im Wetteraukreis auf.

Künftig leitet sie im Auftrag der Stadt Marburg und des Landkreises Marburg-Biedenkopf die heimische Tourismusorganisation „MSLT“. Seit Anfang April hat Dörr als Nachfolgerin von Klaus Hövel, der Ende vergangenen Jahres in den Ruhestand ging, ihren Arbeitsplatz im obersten Stockwerk des Erwin-Piscator-Hauses bezogen.

Fokus auf „Marburg 800“

Die „Neue“ freut sich sehr darüber, dass sie jetzt für alle touristischen Aktivitäten in Marburg und der Region zuständig ist. Die aus ihrer Sicht einmalige Topographie der Oberstadt sowie die zahlreichen historischen Gebäude und Stätten der Universitätsstadt sind aus ihrer Sicht die Pfunde, mit denen Marburg wuchern kann. „Marburg ist ein Geschichtsbuch“, fasst die Tourismusmanagerin prägnant zusammen. Neben dem „unglaublich schönen Schloss“ und der Elisabethkirche ist sie besonders beeindruckt von der „Dreidimensionalität“ der Stadt. Je nachdem, an welchem Ort man sich befände, könne man die Stadt aus völlig unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Aber auch die Vielzahl von kleinen und individuellen Geschäften in der Oberstadt mache die Stadt Marburg besonders.

Touristisch gesehen kommt Cornelia Dörr zu einem idealen Zeitpunkt nach Marburg, denn 2022 ist mit dem Stadtjubiläum „Marburg 800“ bekanntlich das ganze Jahr ein Festjahr, und das mit einem prall gefüllten Kalender von Veranstaltungen. „Durch das beeindruckende Programm hat Marburg die Chance, dass viele Besucher hierherkommen und dann hoffentlich auch wiederkommen“, meint sie.

Allerdings möchte sie auf der „MSLT“-Website und auf den sozialen Kanälen „Marburg 800“ noch einmal stärker in den Fokus nehmen und gezielter dafür außerhalb von Marburg werben. Dörr ist der festen Ansicht, dass Marburg und das „Marburger Land“ touristisch gesehen zusammengehören. Und diese Kombination will sie weiter ausbauen.

So könne beispielsweise die bisherige durchschnittliche Verweildauer eines Marburg-Touristen von zweieinhalb Tagen durchaus auf drei Tage gesteigert werden. Denn zusätzlich zu den Anziehungspunkten in der Stadt biete das Umland spannende Möglichkeiten, vom Wandern oder Radwandern über das Kanufahren bis hin zu Besuchen an besonderen Orten in Städten oder Gemeinden im Kreis. Welche Attraktionen das sein können, das will Dörr in den kommenden Wochen bei Besuchen vor Ort in Gesprächen mit den Bürgermeistern und später auch bei touristischen Workshops vor Ort genauer herausfinden.

Keine Konkurrenz zu umliegenden Kommunen

Dabei müsse Marburg keine Konkurrenz zu den umliegenden Kommunen darstellen. „Die Stadt ist so stark, dass sie auch aufs Land ausstrahlt“, meint Dörr. Wie eine Entwicklung von touristischen Angeboten funktionieren kann, das hat Cornelia Dörr auf ihrer vorigen Station durchexerziert. Rund um das im Jahr 2011 fertiggestellte Keltenmuseum am Glauberg half sie federführend dabei mit, dass sich Tourismus-Angebote bildeten und ausgebaut wurden. Beispielsweise wurde in einem alten Kloster ein Hofladen errichtet und es entstand ein Café. Und um die „älteste Wildkirsche Deutschlands“ wurde ein Rundwanderweg gelegt. Den individuellen Fingerabdruck des Wetteraukreises zu organisieren, das sei ihre Aufgabe gewesen. Um aber aus zunächst klein anmutenden Dingen etwas zu entwickeln, dafür sei die Begeisterung und Tatkraft der Personen vor Ort essentiell.

Um diese zu wecken, will Cornelia Dörr in den kommenden Wochen raus aus ihrem Büro und möglichst viel Orte im Kreis kennenlernen. So steht beispielsweise am 18. Mai eine Infoveranstaltung für Beherbergungsbetriebe an. Als Tourismusmanagerin will sie vor allem eine Netzwerkerin sein und zudem Netzwerke bilden.

Ihr Alter von 61 Jahren sieht sie dabei nicht als Nachteil an, auch wenn sie höchstwahrscheinlich bereits in fünf Jahren altersbedingt in den Ruhestand gehen muss. „Ich will hier in fünf Jahren total viel rocken“, verspricht sie.

Von Manfred Hitzeroth