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Marburg Ausstellung zeigt „Jüdisches Leben in Marburg“
Marburg Ausstellung zeigt „Jüdisches Leben in Marburg“
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16:32 29.05.2022
Persönliche Gegenstände, persönliche Geschichten und digitale Inhalte: Die Ausstellung zum jüdischen Leben in Marburg beleuchtet verschiedene Aspekte.
Persönliche Gegenstände, persönliche Geschichten und digitale Inhalte: Die Ausstellung zum jüdischen Leben in Marburg beleuchtet verschiedene Aspekte. Quelle: Patricia Grähling, Stadt Marburg
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Marburg

„Jüdisches Leben in unserer Stadt ist bunt und vielschichtig“, sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies anlässlich der Ausstellungseröffnung „Jüdisches Leben in Marburg: Erinnern schafft Identität“. Es werde nun in der Gegenwart sichtbar gemacht, „weil wir keine Sekunde darüber hinwegsehen wollen, wie verwundbar jüdisches Leben auch heute noch ist. Deswegen machen wir deutlich, wie gegenwärtig, selbstverständlich und wie sehr ein Teil von uns das jüdische Leben in Marburg ist“, schilderte Spies die Beweggründe.

Die Hessische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn, sprach von der Verantwortung, „die Voraussetzungen zu schaffen, dass jüdisches Leben sich hier voll entfalten kann“. Dazu seien zwei Dinge erforderlich: das Bekämpfen des Antisemitismus und das Fördern jüdischen Lebens. Was es bedeutet, im Alltag jüdisch zu sein, erfuhren die Kuratorinnen der Ausstellung Dr. Susanne Rodemeier und Alisha Meininghaus durch Interviews mit neun Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde, die der Eröffnung beiwohnten. Das Ergebnis dieser vertrauensvollen Gespräche mache nun in der Ausstellung die Geschichte hinter einem Schachbrett oder einer Wanduhr erfahrbar, ergänzte Meininghaus.

Ein belebendes Element der Ausstellung ist ein Präsent der Marburger Inosoft AG an die Stadt Marburg zu ihrem 800-jährigen Jubiläum. Die Softwareentwickler bauten die in den 1990er Jahren entdeckte mittelalterliche Synagoge virtuell wieder auf. Auf der Grundlage von alten Zeichnungen, Fotos der Ausgrabungsstätte und Hinweisen von Historikern bildeten die Inosoft-Spezialisten das Gebäude maßstabsgetreu so nach, dass es mit einer Virtual-Reality-Datenbrille begehbar und nahezu real erlebbar ist. Beim Erkunden aller Räume der Synagoge lässt man Marktgeräusche hinter sich, wenn bei flackerndem Kerzenschein das Gotteshaus betreten wird. Durch das alte Gemäuer schreitend gelangt man zu dem Toraschrank und auf nie zuvor gesehene Weise wird die mittelalterliche Synagoge mit fast allen Sinnen erlebbar.

Ausstellung ist im Rathaus zu sehen

„Wir freuen uns, dass unser Projekt zu „Marburg800“ bei den Verantwortlichen so großen Anklang fand und hoffen auf zahlreiche Besucher“, erklärt Thomas Winzer, Vorstand der Inosoft AG. „Als Marburger Unternehmen ist es uns ein Anliegen, unseren Beitrag zum vielfältigen Veranstaltungsangebot im Jubiläumsjahr zu leisten.“

Die Ausstellung „Jüdisches Leben in Marburg: Erinnern schafft Identität“ ist während der Öffnungszeiten des Rathauses, montags bis mittwochs von 7 bis 16 Uhr, donnerstags von 7 bis 18 Uhr und freitags von 7 bis 12.30 Uhr bis zum 24. August zu sehen. Führungen finden dienstags um 12 Uhr statt. Der Eintritt ist frei. Die Ausstellung gibt anhand von Objekten, Fotos, Interviews und Audiomaterialien Einblick in Lebensgeschichten und die Vielfalt des Judentums in Marburg. Entstanden ist die Ausstellung unter inhaltlicher Federführung der Religionskundlichen Sammlung der Universität.

Die virtuelle 360-Grad-Erlebnisreise ist parallel zur Ausstellung „Jüdisches Leben in Marburg“ bis zum 25. August am Markt 23 in der Oberstadt zu sehen. Sie wird zudem ganzjährig im Inosoft-Firmensitz im Rudert 15 gezeigt sowie an verschiedenen Orten der Innenstadt. Außerdem präsentiert Inosoft die virtuelle Zeitreise am Pfingstsonntag bei der Veranstaltung „Tischlein-deck-dich“.

Von Gianfranco Fain

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