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Marburg Aus „Unort“ soll Kunstort werden
Marburg Aus „Unort“ soll Kunstort werden
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09:46 12.04.2022
Die Dortmunder Jazz-Big-Band „The Dorf“ trat am Freitag und Samstag auf dem Rudolphsplatz auf.
Die Dortmunder Jazz-Big-Band „The Dorf“ trat am Freitag und Samstag auf dem Rudolphsplatz auf. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

„Das Wetter ist doch toll“, sagt Bettina Pelz am Freitagabend auf dem Rudolphsplatz. Die Aussage ist subjektiv und nur angesichts der regnerischen Vortage zu verstehen. Die 59-Jährige aus Wetter an der Ruhr ist eine international tätige Kuratorin für ungewöhnliche Kunstprojekte mit Kunst im offenen Raum. Die Stadt hat ihr Büro engagiert, gemeinsam mit dem Projektleiter Nils Böttner vom Fachdienst Kultur im Zuge der Jubiläumsfeiern Marburg800 Ideen und Konzepte für das Projekt „Kunst.Labor.Stadt.Platz“ zu entwickeln, mit dem der Rudolphs-platz bis in den Herbst hinein bespielt werden soll.

Aus dem Marburger „Unort“ Rudolphsplatz, so Pelz im Gespräch mit der OP, soll in den kommenden Monaten ein Kunstort werden.

Großer Aufschlag

Zum Auftakt gab es am Freitag- und Samstagabend einen großen Aufschlag: Die 25-köpfige Dortmunder Big-Band „The Dorf“ sorgte sowohl auf der unteren als auch der oberen Ebene des Platzes lautstark für ziemlich experimentelle Jazz-Musik, die Raum-Zeit-Piraten bespielten zu der Musik eine Installation aus unterschiedlich großen Kreisflächen live mit ihren digitalen „Tierchen“ und die Künstlerin Anastasija Delidova setzte den Brunnen mit Lichtspielen in Szene. Das Ganze nannte sich „Yas y Gosia“, zu Deutsch „Hänsel und Gretel“ – als „alchemistisches Projekt“ bezeichneten es die Künstlerinnen und Künstler. Bei fünf Grad Außentemperatur am Freitagabend waren sowohl die Künstlerinnen und Künstler als auch das Publikum eher winterlich eingemummelt.

Zusammenschluss

Das Projekt „Kunst.Labor.Stadt.Platz“ sei „eine groß angelegte Kooperation aller Kunstinstitutionen der Stadt“, erklärt Bettina Pelz. Mit dabei sind der Kunstverein, wo an einer Außenwand derzeit Gudrun Barenbrocks Videoprojekt „Re:Mixed“ zu sehen ist, das Kunstmuseum, das Institut für Bildende Kunst, die Kunstwerkstatt, das Institut für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart, der Berufsverband Bildende Künstlerinnen und Künstler (BBK) Mittelhessen, die Fotocommunity Marburg und die Hiobs Bar, die am Rudolphsplatz residiert. Sie haben sich für das Projekt in der AG Kunst zusammengeschlossen.

Die Marburger Fachdienstlerin Kultur, Ruth Fischer, sagt am Freitagabend: „Dies ist der Auftakt zu einer hoffentlich tollen Reihe.“ In die Rede von Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) platzte lautstark die Band „The Dorf“: „Die Störung ist gewollt“, rief Spies ins Mikrofon. „Der Platz soll irritieren.“ Ziel des Projekts sei es, die Stadt neu zu erkunden mit den Mitteln der Kunst. „Es wird noch viele irritierende, Ärger auslösende und provokante Aktionen geben“, kündigte er an. Um 22 Uhr war am Freitag und Samstag Schluss mit dem Spuk – den Anwohnern zuliebe.

Geplante Kunst-Projekte am Rudolphsplatz

  • „Labor: Licht und Schatten“ ist ein Kunstprojekt des Instituts für Bildende Kunst der Philipps-Universität betitelt. Zu sehen ist es vom 21. April bis 19. Mai, dienstags bis samstags von 16 bis 20 Uhr.
  • Vom 27. April bis zum 20. Juli macht mittwochs von 15 bis 17 Uhr die Kunstwerkstatt mit ihrem „Kunstkoffer“ am Rudolphsplatz Station. Das kreative Angebot für jedermann ist kostenlos und findet bei jedem Wetter statt.
  • Vom 13. bis 30. Mai stellt die Marburger Fotografin Susanne Saker aus. Eröffnet wird die Ausstellung „Marburg Brut“ am 13. Mai um 18 Uhr.
  • Der Künstler Matthias Schamp ist am 25. und 26. Mai jeweils von 14 bis 20 Uhr mit seinem Mitmachprojekt „Mythos Grill“ zu Gast. Er beschäftigt sich mit Forschungsfeldern der Kunst- und Sozialtheorie der Kartoffel und präsentiert alles vom „Grundfarbenfrittieren“ bis zur „Pommesgabel-Sortier-Aktion“. Für das Projekt sucht er noch Fritteusen.
  • Im Juni entwickelt die Künstlerin Mouna Jemal Siala für den Rudolphsplatz eine raumgreifende Installation aus Stoff.
  • Am 9. Juli findet unter dem Titel „Kunstrasen“ ein Festival der Marburger Kreativszene statt.
  • Vom 3. bis 16. Oktober öffnet die Künstlerin Sigrid Sandmann am Rudolphsplatz täglich von 14 bis 20 Uhr eine Filiale ihres Wortfindungsamts.
  • Vom 13. bis 30. Oktober präsentiert das Institut für Bildende Kunst der Philipps-Universität ein zweites Projekt mit dem Titel „Unter Orten“.
  • Zum Abschluss der Reihe im Oktober soll der Fotobus der Foto-Community am Rudolphsplatz halten.

Von Uwe Badouin

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