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Marburg So läuft Marburgs Anti-Graffiti-Programm
Marburg So läuft Marburgs Anti-Graffiti-Programm
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12:00 18.01.2021
Graffiti in der Wolffstraße in Marburg.
Graffiti in der Wolffstraße in Marburg. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Marburg

Kritzeleien, Farbkleckse oder an Wände gesprühte politische Aussagen: Graffiti sorgen in Marburg seit Jahren für Verdruss. Immer wieder weisen OP-Leserinnen und -Leser auf Schmierereien in der Stadt hin. Viele fragen: Kann die Stadt nichts dagegen tun? Die Antwort: Sie kann nicht nur, sie tut es sogar – sowohl an städtischen als auch an privaten Gebäuden. Seit Mitte 2018 können private Eigentümer von der Stadt Zuschüsse für die Beseitigung von Graffiti und anderen Schmierereien bekommen. Offenbar ist die Nachfrage aber bisher überschaubar: Wie die Stadtverwaltung auf OP-Anfrage mitteilte, hat sie seit dem Start des Programms 27-mal Zuschüsse für die private Graffiti-Beseitigung gegeben.

Die Stadt Marburg gibt privaten Eigentümern auf Antrag einen Zuschuss von 50 Prozent der Gesamtkosten für die Beseitigung von Farbschmierereien an Wohnhäusern, Garagen und Mauern durch eine Fachfirma – maximal 2 000 Euro pro Grundstück und Jahr. Seit November 2020 gilt dies auch für die Kosten einer Nachbehandlung der Fassade. Dabei wird die gereinigte Wand mit einer luftdurchlässigen Versiegelung versehen, wie Simone Batz von der Pressestelle der Stadt mitteilte. Die Versiegelung schützt die Wand und erleichtert das Entfernen von Graffiti, falls die Wand erneut verschandelt wird.

Stadt stellt bei eigenen Gebäuden Strafanzeige

Mit Kunst haben die meisten Graffiti nach Ansicht von Bürgermeister Stötzel nichts zu tun. „Die weit überwiegende Zahl der entfernten Schmierereien sind ohne künstlerischen Wert, beschädigen nur fremdes Eigentum und verschandeln das Stadtbild. Das ist nicht akzeptabel, weshalb wir bei städtischen Gebäuden auch durchweg Strafanzeige erstatten“, sagte er. Für eine künstlerische Gestaltung stelle die Stadt gelegentlich Flächen bereit. So hätten im Jägertunnel Jugendliche mit farbenfrohen Bildern die illegalen Schmierereien, Sprüche und Beleidigungen überdeckt, die vorher an den Wänden waren.

An den städtischen Gebäuden entfernt laut Stadtverwaltung der Dienstleistungsbetrieb der Stadt Marburg (DBM) regelmäßig Farbschmierereien. Laut Bürgermeister Wieland Stötzel geschieht dies inzwischen rasch nach Feststellung der Schmierereien: „Nachdem wir in den letzten Jahren den Schmierereien den Kampf angesagt und die städtischen Gebäude gereinigt haben, können neue Verunstaltungen jetzt kurzfristig entfernt werden“, erklärte Stötzel laut Mitteilung der Stadt. „Es gibt einen Mitarbeiter, der speziell dafür zuständig ist und regelmäßig die entsprechenden Flächen überprüft.“

Auch Fachdienste würden den DBM kontaktieren, um darüber zu informieren, dass Flächen gereinigt werden müssen.

So erhalten Hauseigentümer Zuschüsse

Private Eigentümer von Gebäuden können von der Stadt einen Zuschuss für die Beseitigung von Farbschmierereien erhalten. Voraussetzung dafür ist, dass sie eine Fachfirma mit den Arbeiten beauftragen. Auch den Dienstleistungsbetrieb der Stadt Marburg können sie beauftragen. Ausgeschlossen sind städtische Zuschüsse, wenn Eigentümer die Schmierereien in Eigenleistung entfernen. Der Zuschuss beträgt 50 Prozent der Gesamtkosten, maximal aber 2 000 Euro pro Grundstück und Jahr.

Antragsteller müssen folgende Unterlagen einreichen: Ein vollständig ausgefülltes Antragsformular, das Angebot einer Fachfirma, ein Foto der verunstalteten Fassade, eine Bescheinigung über eine Strafanzeige und gegebenenfalls den Bescheid einer Versicherung zur Kostenübernahme. Wer mit der Verwaltung eines Gebäudes beauftragt ist, muss zudem nachweisen, dass er vertretungsberechtigt ist.

Das Antragsformular, die Zuschuss-Richtlinien und weitere Informationen gibt es unter marburg.de/graffiti oder bei der Bauverwaltung unter 0 64 21 / 2 01 16 03.

Neben Privathäusern und Gebäuden der Stadt gibt es aber noch weitere öffentliche Gebäude – und für diese gibt die Stadt keine Zuschüsse. Ausgeschlossen von den Anti-Graffiti-Geldern sind laut Stadtverwaltung Anlagen, die im Eigentum des Bundes, des Landes Hessen oder von deren Tochterunternehmen, der Deutschen Bahn, von Unternehmen der öffentlichen Ver- und Entsorgung oder Telekommunikation sowie sonstiger öffentlich-rechtlicher Körperschaften, Anstalten oder Stiftungen sind.

Mit anderen Worten: Um Graffiti zum Beispiel auf einem Bahn-Gebäude muss sich die Deutsche Bahn selbst kümmern – die Stadt bezahlt dafür nichts.

Von Stefan Dietrich