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Marburg Tourismus in Stadt und Kreis mit neuer Marke
Marburg Tourismus in Stadt und Kreis mit neuer Marke
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09:30 17.06.2021
Das Landgrafenschloss ist nur eines der touristischen Pfunde, mit denen Marburg wuchern kann.
Das Landgrafenschloss ist nur eines der touristischen Pfunde, mit denen Marburg wuchern kann. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Eine unverwechselbare Stadt und ein abwechslungsreiches Umland: Mit diesem Pfund will die „Marburg Stadt und Land GmbH“ wieder wuchern. Nachdem nur im Sommer letzten Jahres in kleinerem Maßstab touristische Übernachtungen möglich waren, läuft der Marburg-Tourismus nach der Corona-Zwangspause mit dramatischen Rückgängen bei den Übernachtungszahlen allmählich wieder an. Ein Indiz für die allmähliche „Öffnung“ der Stadt: Es sind wieder Stadtführungen möglich.

Dabei beschränken sich die Marburger Gästeführer in den öffentlichen Führungen zunächst auf zehn Teilnehmer pro Gruppe und auf die großen Routen zum Schloss und zur Elisabethkirche und durch die Oberstadt, erklärt der Marburger Tourismus-Manager Klaus Hövel von der „Marburg Stadt und Land GmbH“. Unabhängig können aber auch wieder individuelle Gruppenführungen gebucht werden.

Am vergangenen Wochenende war auch die Bimmelbahn, die sonst immer im Sommerhalbjahr vom Steinweg bis hoch zum Schloss fährt, wieder gut mit Marburg-Besuchern besetzt.

Apropos Schloss: Noch kann die Marburger Touristenattraktion nur von außen besichtigt werden. Aber Hövel und seine Mitarbeiterin Doris Autzen hoffen, dass vielleicht schon ab Anfang Juli wieder Führungen im Landgrafenschloss möglich sind.

Auf jeden Fall wieder geöffnet ist seit kurzem auch die Marburg „Tourist-Information“, die bekanntlich in der Marburger Stadthalle (Erwin-Piscator-Haus) untergebracht ist und im verschärften Lockdown länger zu war.

„Die Leute wollen wieder beraten werden und Ausflugstipps bekommen“, sagt Klaus Hövel. In früheren Jahren meldeten sich pro Jahr zwischen 600 und 700 Busgruppen über die „Tourist-Information“ an. Und auch wenn diese Zahl dieses Jahr bei Weitem nicht erreicht wird, so wollen, Stand jetzt, nach Hövels Auskunft bis in den Oktober einige Schulen und Reiseanbieter Busgruppen nach Marburg bringen. Und einzelne Reisebusse wurden sogar wieder in Marburg gesichtet. Relativ brach lag allerdings im ersten Halbjahr der Tagungs-Tourismus, weil an der Universität keine Kongresse in Präsenz veranstaltet wurden.

Doch was interessiert die Menschen eigentlich an einem touristischen Besuch in Marburg und Umgebung? Darüber hat sich Hövels Team in der Corona-Pause viele Gedanken gemacht und in der Zwischenzeit auch ein verfeinertes Marketing-Konzept entwickelt. Dieses ist auch verbunden mit einer neuen Homepage für MSLT, die Ende dieses Monats freigeschaltet und öffentlich präsentiert wird.

Die OP durfte schon einmal hineinschauen, und Doris Autzen erläuterte das dahinterstehende Konzept der Tourismus-Marke, das auf neuesten Erkenntnissen der Städtetourismus-Branche beruhe. Ausschlaggebend für die Entscheidung zum Besuch einer Stadt und Region sei heutzutage eine Emotion, die damit verbunden werde. Authentische, wertebasierte Kommunikation weckt Emotionen, und Emotionen beeinflussen die Auswahl des Reiseziels. Die Marke vermittelt Werte und steht für Identität – und das spürt man“, erläutert Autzen. Dahinter steht ein Prozess, der im Sommer 2019 begonnen wurde.

Der Trend in der Städtewerbung geht auch für Marburg hin zu mehr und größeren Bildern und weniger Worten. So wollen die Marburger Tourismusmanager unter anderem mit dem Wort „Inspiriert“ für einen Aufenthalt in der Stadt werben.

Geworben wird im Einklang mit Erkenntnissen des hessischen Tourismusverbands übrigens in Marburg vordringlich um touristische Besucher aus dem sozial-ökologischen Milieu. Dazu zählen laut den zu Werbezwecken erhobenen Studien des Sinus-Instituts Menschen aus der Mittelschicht, die engagiert gesellschaftskritisch sind und sich auch als Globalisierungs-Skeptiker sehen. Zudem sind sie auch noch kulturaffin und interessieren sich für Wandern und Radfahren.

Ihnen, so das Marburger Kalkül, sollen in Marburg und der umliegenden Region ideale Voraussetzungen für einen angenehmen Erlebnis-Aufenthalt gegeben werden – von Stadtführungen bis zu Radtouren.

Das Entdecken von grünen Oasen und spannende Spurensuchen sollen den erhofften Gästen Lust auf mehr Marburg und Co. machen. Auch ein neues Logo wird es geben, bei dem der Schriftzug Marburg vom schlangenförmigen Symbol eines Flusses durchbrochen wird.

Damit sich auch in der Post-Corona-Phase wieder die Hotels und Beherbergungsbetriebe füllen, soll die „Social Media“-Werbung von MSLT immer passgenauer funktionieren. Wird Marburg dann zum zweiten Heidelberg und zu einer touristischen Boom-Stadt, weil demnächst sehr viele Besucher kommen? „Der Oberbürgermeister wäre sicher begeistert“, meint Doris Autzen. Aber wahrscheinlich wird bis dahin noch sehr viel Wasser die Lahn herunterfließen, selbst wenn das Marburger Schloss eigentlich viel schöner ist als das Heidelberger Schloss.

Von Manfred Hitzeroth