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Marburg Marburg und Gießen kämpfen gemeinsam
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16:38 28.02.2012
Auf das Universitätsklinikum auf den Lahnbergen kommen stürmische Zeiten zu – aber von vielen Seiten gibt es Solidarität.
Auf das Universitätsklinikum auf den Lahnbergen kommen stürmische Zeiten zu – aber von vielen Seiten gibt es Solidarität. Quelle: Archivfoto
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Marburg. In einem gemeinsamen offenen Brief an den Vorstandsvorsitzenden der Rhön-Klinikum Aktiengesellschaft Wolfgang Pföhler und an die Vorsitzende der Geschäftsführung des Universitätsklinikums Gießen und Marburg Dr. Irmgard Stippler appellieren Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel und seine Gießener Amtskollegin Dietlind Grabe-Bolz an die Verantwortung der Rhön-AG „und bitten Sie, vom geplanten Stellenabbau Abstand zu nehmen“.

„Eine solche Planung ist für die Menschen in unserer Region nicht zu verantworten“, heißt es in dem Schreiben. Sie hätten ein Anrecht auf eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung und Pflege. „Beides ist nur zu leisten bei einem entsprechenden Personalstand“, schreiben Vaupel und Grabe-Bolz.

Die Planung von Rhön schwäche die Universitätsstandorte Gießen und Marburg. „Als Betreiber eines Universitätsklinikums haben Sie auch eine Verantwortung für Forschung und Lehre übernommen“, heißt es in dem Offenen Brief weiter.

Ein Klinikum, in dem zugunsten der eigenen Bilanz und zulasten von Beschäftigten und Patienten gespart wird, sei kein attraktiver Arbeitgeber für qualifiziertes und engagiertes Personal – und, mehr noch: „Mit diesen Plänen verunsichern Sie Patienten, gefährden das Vertrauen und die Motivation Ihrer Beschäftigten und schädigen das medizinische und wissenschaftliche Renommee der beiden Kliniken.“

Landrat Robert Fischbach (CDU) hat nach eigenem Bekunden noch keine detaillierten Kenntnisse von den Kahlschlag-Plänen der Rhön-Klinikums AG. Es sei aber „bedauerlich“, dass das Klinikum wieder in den Schlagzeilen sei, sagte Fischbach. Das sei nicht im Interesse des Landkreises. Für die Gesundheitsregion Marburg sei das Klinikum ein wichtiger Baustein. „Am wichtigsten ist, dass die Patienten Vertrauen in das Klinikum haben“, sagte Fischbach. Die hohen Standards in der Patientenversorgung müssten unbedingt erhalten bleiben.

Als „offensichtliche und bewusste Provokation der Beschäftigten und als Desavouierung der UKGM-Leitung“ bezeichnete der SPD-Landtagsabgeordnete und sozial- und gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Dr. Thomas Spies, gestern die Kahlschlag-Pläne. Der angekündigte Abbau von 500 Stellen sei auch eine Katastrophe für die Stadt Marburg und die gesamte Region.

Die Linken-Stadtverordnete Tanja Bauder-Wöhr spricht von „Heuchelei“ der Rhön-Geschäftsführung, wenn die von einer „Unterfinanzierung“ der gesetzlichen Krankenkassen berichte. „Wo kommen dann aber die satten Gewinne der Rhön-Klinikums AG her?“, fragt Bauder-Wöhr, die auch Mitglied der DKP ist.

Die Richtsbergerin Helga Scherer (kleines Bild) ergreift unterdessen selbst die Initiative. Sie plant eine Unterschriften-Initiative zum Erhalt aller Arbeitsplätze am Universitätsklinikum. In Zusammenarbeit mit der Initiative „Notruf 113“ will Scherer die Unterschriftenliste auch online stellen. 
Voraussichtlich am Samstag, den 10. März, soll außerdem eine Demonstration zur Rettung der Arbeitrsplätze am Klinikum stattfinden. „Ich habe selbst als Patientin im Klinikum gelegen und dabei gemerkt, dass das Personal längst über seiner Belastungsgrenze arbeitet“, sagt Helga Scherer. „Und jetzt soll das alles noch viel schlimmer werden? Das kann es nicht sein!“ Es werde Zeit, dass sich irgend jemand einmal für das Personal einsetzt.

Bei den Beschäftigten kommt eine solche Haltung im Übrigen gut an: „Sagen Sie bitte allen, dass wir uns für ihre Unterstützung bedanken“, lassen die Betriebsratsvorsitzenden der Kliniks-Standorte Marburg und Gießen, Bettina Böttcher und Klaus Hanschur, ausrichten.
Wer den Protest gegen die Kahlschlag-Pläne aktiv unterstützen will, kann sich telefonisch melden unter 01 73 / 77 40 752.

von Till Conrad

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Der Beitrag wurde aktualisiert.

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