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Marburg Marburg steckt 250.000 Euro in Michelchen
Marburg Marburg steckt 250.000 Euro in Michelchen
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12:57 26.09.2020
Am Marburger Michelchen sind die Sanierungsarbeiten in vollem Gange. Ein Baugerüst umgibt die Kapelle. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Das Michelchen, wie die Marburger die Michaelskapelle auf der Anhöhe gegenüber der Elisabethkirche liebevoll nennen, ist derzeit komplett eingerüstet und gesperrt für die Öffentlichkeit. Der Grund sind Sanierungsarbeiten.

Die gesamte Schiefereindeckung auf dem Dach der im Jahr 1270 geweihten Michaelskapelle ist brüchig und muss dringend erneuert werden, erläuterte auf OP-Anfrage die Marburger Architektin Waltraud Mechsner-Spangenberg, die vom Gesamtverband Evangelischer Kirchen mit der Umsetzung der Sanierungsarbeiten betraut wurde.

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Notwendige Reparaturen waren schon vor einigen Jahren an der nördlichen Traufseite des Dachs vorgenommen worden. Im Zuge dieser Arbeiten wurden die schadhaften Stellen provisorisch eingedeckt. „Problematisch ist neben der abgängigen Schiefereindeckung auch der Zustand des Turms und der Turmhaube“, sagt Mechsner-Spangenberg. Hier wurden bereits fehlende Schiefersteine ergänzend eingebaut, die aber teilweise schon wieder fehlen.

Aufgrund des schadhaften Dachs am Turm und dem wiederholten Wassereintritt war vorab zu erwarten, dass Schäden in der Konstruktion am Fußpunkt des Kapellenturms entstanden sind. Die eingehende Prüfung nach der Einrüstung ergab aber zumindest, dass die Schäden sich in Grenzen halten und die Grundkonstruktion der Kapelle stabil ist, sagte Mechsner-Spangenberg. Dass die Dacheindeckung erneuert werden muss, war von der evangelischen Kirchengemeinde, vom Gesamtverband und von der Landeskirche anerkannt worden.

Denkmalschutz fördert Sanierung

Nachdem im vergangenen Jahr die Planungen zur Neueindeckung mit vorbereitenden Untersuchungen sowie die Abstimmungen mit dem Landesamt für Denkmalpflege erfolgten, ist die Sanierung jetzt im vollen Gange.

Dabei arbeiten sich die Mitarbeiter der mit der Sanierung beauftragten Firmen von oben – also der Turmspitze – nach unten über den Dachreiter bis zum Dach vor. Die Anforderungen an die ausführenden Firmen sind allerdings nicht ganz einfach. Erschwerend wirken sich der erschwerte Zugang zur Kapelle und fehlende Lagerflächen für Baumaterialien am Michelchen darauf aus.

Die Sanierung begann Ende August mit der Aufstellung von Gerüsten. Spätestens Anfang Dezember sollen die Arbeiten beendet sein. Laut Plan kostet die Sanierung rund 250.000 Euro, sie wird von der staatlichen Denkmalpflege mit einem Zuschuss von 50.000 Euro gefördert. Zu den Arbeiten gehören der Gerüstbau mit Einrüstung des Turms und der Turmhaube sowie zimmermannstechnische Reparaturarbeiten, Dachdeckerarbeiten, die Eindeckung des Dachs mit deutschem Schiefer in Altdeutscher Deckung und der Einbau von Schall-Luken am Turm.

Anne Kuppe, die Vorsitzende des Kirchenvorstands der Elisabethkirchengemeinde, freut sich darüber, dass die Sanierung jetzt begonnen hat. Denn das Michelchen wurde zumindest in der Vor-Corona-Zeit von der Gemeinde für eine Reihe von Veranstaltungen benötigt. So fanden dort jede Woche Kindergottesdienste statt, aber es bot auch Raum für Taufen und Trauungen. Zudem wurde die Michaelskapelle auch als Konzertraum genutzt.

Von Manfred Hitzeroth