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Marburg Flixtrain kommt noch nicht nach Marburg
Marburg Flixtrain kommt noch nicht nach Marburg
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13:58 16.05.2022
2018 startete das private Fernzugangebot von Flixtrain. Der Marburger Hauptbahnhof wird nach wie vor nicht angesteuert.
2018 startete das private Fernzugangebot von Flixtrain. Der Marburger Hauptbahnhof wird nach wie vor nicht angesteuert. Quelle: Julian Stratenschulte
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Marburg

Mehr Menschen für Bus und Bahn zu begeistern, das ist eine entscheidende Aufgabe für die Verkehrswende und für mehr Klimaschutz. Politisch gefördert wird das kurzfristig in den kommenden drei Monaten zum Beispiel mit dem bundesweit gültigen 9-Euro-Ticket für Nahverkehrszüge.

Auch der private Anbieter Flix, der die bekannten Busse in grün-orange durchs Land schickt, befördert seit einigen Jahren Passagiere auf der Schiene. Und expandiert. „Flixtrain startet das größte Netz der Firmengeschichte“, teilte das Unternehmen in der vergangenen Woche mit.

Es würden jetzt 70 Ziele bedient zwischen Hamburg, Basel und München in Nord-Süd-Richtung und zwischen Aachen und Dresden in der West-Ost-Achse. Zudem erhöhe das Unternehmen die Zahl der Fahrten auf manchen Strecken ab Anfang Juni deutlich.

Es geht um „wirtschaftlich sinnvolle Trassen“

Das klingt zunächst einmal gut. Doch für Bahnfahrer aus dem Landkreis bringt das vorerst nichts. Denn Flixtrain macht wie bisher einen großen Bogen um Mittelhessen, fährt Marburg und Gießen gar nicht an, sondern leitet seine Züge von Frankfurt über die Strecke Fulda – Kassel oder über Köln nach Norden. Auf OP-Nachfrage bleibt Flixtrain-Pressesprecherin Franziska Schleicher vage, warum das so ist: „Wir wollen Flixtrain so vielen Menschen wie möglich verfügbar machen, sind dabei jedoch auch auf wirtschaftlich sinnvolle Trassen angewiesen“, sagt sie. Wie es konkret mit Marburg aussehe, könne sie „Stand heute“ nicht sagen.

Deutlicher spricht Klaus Zecher die möglichen Gründe an. Der Pressereferent des hessischen Landesverbandes von Pro Bahn sagt: „Flixtrain geht allein nach dem Prinzip ,gewinnbringende Strecke’ vor.“ Das habe man auch in der Corona-Zeit gesehen, als das Unternehmen zeitweise kurzerhand seinen Zugbetrieb eingestellt habe. Er sieht zwei Gründe, warum die Strecke über Marburg und Gießen nicht angefahren wird: die Fahrzeit – über Fulda sei man eine halbe bis dreiviertel Stunde schneller am Ziel – und die Fahrgastzahlen, die wohl nicht die „höchste Gewinnerwartung“ versprächen. Wer dennoch mit dem Flixtrain fahren will, der unter anderem mit Dumpingpreis-Tickets ab 4,99 Euro wirbt, muss also erst nach Kassel oder Frankfurt fahren, um dort zusteigen zu können. Ungeachtet der fehlenden Verbindung über Marburg spricht für Zecher auch anderes dafür, eher bei der Deutschen Bahn nach Fernverkehrstickets zu günstigen Preisen zu suchen.

Die gebe es durchaus, wenn man flexibel sei, nicht zu festen Terminen fahren müsse und frühzeitig buchen könne. Und: Man sei dann auch sicher, dass die eigene Ersparnis beim Reisepreis nicht vor allem zulasten der Angestellten ginge, denn das sei die Schattenseite der niedrigen Ticketpreise bei Flix.

Von Michael Agricola