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Marburg Konsequent für Gleichstellung im Einsatz
Marburg Konsequent für Gleichstellung im Einsatz
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08:58 01.06.2021
Dr. Marlis Sewering-Wollanek.
Dr. Marlis Sewering-Wollanek. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Im Alter von 67 Jahren ist in der vergangenen Woche die langjährige Kommunalpolitikerin und Osteuropa-Historikerin Dr. Marlis Sewering-Wollanek gestorben. Im April dieses Jahres war sie von Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) mit dem Ehrentitel der Stadtältesten ernannt worden und auch mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen ausgezeichnet.

Schon im November vergangenen Jahres war sie aus dem ehrenamtlichen Magistrat verabschiedet worden, wo die SPD-Politikerin ihren letzten öffentlichen Auftritt hatte. 35 Jahre lang war Marlis Sewering-Wollanek (SPD) im kommunalpolitischen Geschäft aktiv, zunächst von 1985 bis 1997 als Stadtverordnete und ab dann als ehrenamtliche Stadträtin im Magistrat. In der Parlamentssitzung war sie aus gesundheitlichen Gründen verabschiedet worden und wirkte schon gezeichnet durch ihre schwere Krankheit.

Eine Bitte im Stammbuch

Als „leise, aber konsequent und nachdrücklich“ beschrieb Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) den Politikstil von Sewering-Wollanek, die seit 1998 auch Vorsitzende der Gleichstellungskommission war. Ihren Kollegen schrieb Sewering-Wollanek bei ihrer letzten Rede vor dem Parlament die Bitte ins Stammbuch, dass Parlamentsdiskussionen zwar durchaus stürmisch, aber nicht bitter und feindselig erfolgen sollten.

Vor allem mit ihrem Einsatz für die Gleichstellung von Frauen und Männern machte sich Sewering-Wollanek in Marburg einen Namen. Schon im Jahr 1985 setzte sie sich dafür ein, den Anteil der Frauen auf der Liste der SPD für die Kommunalwahl zu erhöhen. Für die Universitätsstadt Marburg hat sie daraufhin die Frauenförderpläne initiiert und erstellt. So setzte sie durch, dass die Stelle einer Frauenbeauftragten geschaffen und die Gleichstellungskommission sowie das Referat für die Gleichstellung von Frau und Mann eingerichtet wurden.

Sie veranlasste Gleichberechtigungspreis

Ihr Anliegen war es stets, Frauenpolitik in Marburg sichtbar und umsetzbar zu machen. Ein Beispiel für ihre innovative Arbeit ist ebenfalls der „Marburger Gleichberechtigungspreis“, den sie auf den Weg gebracht und umgesetzt hat.

Die gebürtige Marburgerin, deren Eltern aus der Tschechoslowakei stammen, war ihrer Heimatstadt treu geblieben und hat ihr ganzes Leben hier verbracht. „Ich bin gerne gereist, aber immer hier geblieben“, sagte sie im Gespräch mit der OP. Nach dem Studium der Slawistik und Geschichte an der Marburger Universität wurde sie dort wissenschaftliche Mitarbeiterin und war dort als Lehrbeauftragte vor allem für Seminare zur Geschichte der Sinti und Roma zuständig.

Von Manfred Hitzeroth

31.05.2021