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Marburg Im Landkreis fahren immer mehr Autos
Marburg Im Landkreis fahren immer mehr Autos
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09:00 28.12.2019
Bahnhofstraßen-Stau zu Hauptverkehrszeiten: Es gibt immer mehr Autos im Landkreis. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

„Autowahn“ – viele Kfz-Kritiker in Marburg berufen sich auf Winfried Wolf. Der Autor veröffentlichte Anfang der 1990er-Jahre ein Buch, in dem er den Autoverkehr in der Stadt kritisierte und dessen ­radikale Reduzierung forderte – unter anderen über Parkplatzabbau und Stadtautobahn-Abriss.

Seitdem, schon vor Klimanotstands-Debatten in Universitätsstadt und Landkreis sind Nahverkehrs-Ausdehnung und Radwege-Bau in den Fokus von Kommunalpolitik und Behörden gerückt – jüngst der „Nachtstern“, der Abendfahrten vom Stadtzentrum ins Umland erleichtern soll (OP berichtete). Ziel aller Bemühungen: Mehr Menschen in Stadt und Umland von anderen Fortbewegungsmitteln als dem Auto zu überzeugen.

Hintergrund

Ende 2018 kam die „Allna­talweg“-Idee – und mit ihr eine erneute Behringtunnel-Diskussion – zur Lösung von Verkehrsproblemen in der Universitätsstadt auf. Speziell die Westumfahrung zwischen Haddamshausen und Dagobertshausen stieß auf Kritik, die Bürgerinitiative „Allnatalweg: Stopp“ sammelte tausende Protest-Unterschriften. Der Magistrat ruderte angesichts des Drucks einige Wochen später zurück, die Stadtspitze fing das Thema mit der Ankündigung eines Verkehrsgutachtens ein.

Die Stelle eines Mobilitätsmanagers in der Verwaltung ist seit Mitte Oktober besetzt. Und wie die Stadtverwaltung auf OP-Anfrage mitteilt, ist die Ausschreibung des Verkehrsgutachtens für das erste Quartal 2020 geplant. Fertig sein soll es demnach Ende des ­Jahres 2021. Ein Antrag der Stadt auf Aufnahme einer Westum­fahrungs-Planung in den neuen Regionalplan wurde damals und bis heute nicht gestellt, heißt es auf OP-Anfrage. Heißt: Das Vorhaben liegt wie angekündigt auf Eis.

Doch die Realität in Mittelhessen – einer dörflich und nicht urban geprägten Region – sieht anders aus. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der im Landkreis Marburg-Biedenkopf zugelassenen Autos um 14 Prozent, die aller motorisierten Fahrzeuge um 15 Prozent gestiegen. Dabei ist die Einwohnerzahl im Kreis mit 245.000 Menschen seit vielen Jahren recht konstant.

Heißt: Zwischen Neustadt und Bad Endbach, zwischen Münchhausen und Fronhausen fahren immer mehr Autos, Lkw und Motorräder auf den Straßen – darunter nur 1.500 Elektro- und Hybridautos. Für die Universitätsstadt alleine liegen keine Zulassungs-Zahlen vor – dass aber zumindest der Pendelverkehr in Marburg zunimmt, liegt nahe.

30.000 Erwerbstätige pendeln laut der aktuellsten Analyse des Statistischen Landesamts täglich ein, 11.000 pendeln raus. Und Experten gehen nach Fertigstellung der A 49 bei Stadtallendorf von einer weiteren Verkehrszunahme – mindestens auf der Stadtautobahn – aus.

von Björn Wisker