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Marburg Wohnheim-Lösung für UKGM-Azubis
Marburg Wohnheim-Lösung für UKGM-Azubis
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11:58 09.03.2021
Dr. Gunther K. Weiß (Zweiter von links), Vorsitzender der UKGM-Geschäftsführung, während seiner Ansprache vor dem Wohnheim in der Wilhelm-Röpke-Straße.
Dr. Gunther K. Weiß (Zweiter von links), Vorsitzender der UKGM-Geschäftsführung, während seiner Ansprache vor dem Wohnheim in der Wilhelm-Röpke-Straße. Quelle: Andreas Schmidt
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Marburg

Es ist zunächst nur eine „Erinnerung“, die die Mitglieder der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) am UKGM Marburg in Form eines Offenen Briefs kürzlich an Vertreter der UKGM-Geschäftsführung und an Mitglieder der zum Pressetermin erschienenen Parteien in der Causa „fehlende Wohnheimplätze in der Pflege“ übergaben.

Und gleichzeitig ist es auch ein Weckruf an die Verantwortlichen, dass die gut 700 Azubis des UKGM Raum zum Wohnen benötigen, der in Marburg teuer ist. Daher seien Wohnheime „dringend notwendig“, heißt es in dem Brief.

Kein Ersatz für fehlende Plätze

Bis 2013 gab es zwei Wohnheime für die Klinikums-Azubis – eines in der Wilhelm-Röpke-Straße mit 100 Plätzen, das immer noch neben den Gebäuden der „PhilFak“ steht – und eines in der Deutschhausstraße, das den Plänen für den „Campus Firmanei“ der Philipps-Universität zum Opfer fiel und abgerissen wurde.

Das Wohnheim habe 90 Plätze geboten, die bisher nicht ersetzt wurden – obwohl Uni respektive Land sowie UKGM zugesichert hätten, dass es einen Neubau geben solle. Eine entsprechende Betriebsvereinbarung gebe es mit dem UKGM. Demnach solle durch einen externen Dritten ein neues Wohnheim gebaut werden, das Klinikum würde als Hauptmieter 90 Wohnheimplätze mieten – für eine Dauer von zehn Jahren.

Göke: „Es fehlen 90 Plätze“

Sophia Göke von der JAV erläutert: „Die Betriebsvereinbarung läuft 2023 aus, das ist ja quasi direkt um die Ecke. Es wird also drängend, dass es konkrete Pläne gibt für den Ersatz“, so Göke. „Denn da wurde zu unserem Leidwesen nicht mehr viel drüber gesprochen.“ Und: Die Angst der Azubis geht noch weiter.

Denn das Grundstück in der Wilhelm-Röpke-Straße sei laut Universitätspräsidentin Professor Katharina Krause in Umbauplanungen der Philosophischen Fakultät mit eingebunden. „Es fehlen also die 90 Plätze aus der Deutschhausstraße – und auch die 100 hier stehen auf der Kippe. Das ist eine schlechte Bilanz“, so Göke. Immerhin: Das Klinikum zahlt den Azubis, die keinen Wohnheim-Platz haben, einen Mietkostenzuschuss.

Ausbildungsstandort Marburg soll attraktiv bleiben

„Wir fordern deshalb kurzfristig die Weiterzahlung der Mietkostenzuschläge. Mittelfristig muss ein dauerhafter Ersatz für die 90 Plätze aus der Deutschhausstraße geschaffen werden“, heißt es in dem Brief. Der Wohnraum für die Azubis müsse gesichert bleiben.

„Das UKGM ist der größte Ausbildungsbetrieb Mittelhessens“, so Göke, „da sollte man doch denken, dass eine gewisse Verantwortung da ist“. Es sei „enorm wichtig, dass die Betriebsvereinbarung seitens der Uniklinik eingehalten wird und der Wohnraum der Auszubildenden gesichert bleibt“ – auch vor dem Hintergrund, den Ausbildungsstandort Marburg so attraktiv wie möglich zu gestalten.

Ersatzgrundstück konnte keine kostendeckenden Mieten erzielen

Gunther K. Weiß, Vorsitzender der UKGM-Geschäftsführung, betonte, dass man „seit vielen Jahren“ darum kämpfe, „attraktive Ausbildungsplätze und Unterstützungsleistungen zu bieten“, mit der Wohnheimsituation sei man „im Ergebnis noch nicht da angekommen, wo wir hinwollen“, so Weiß.

Man habe seinerzeit das Ersatzgrundstück „Hasenherne II" bekommen, doch sei der Wohnheimbau daran gescheitert, „dass die Bau- und Gründungskosten so hoch waren, dass wir keine kostendeckenden Mieten erreichen konnten, die unsere Auszubildenden damals hätten bezahlen können“, verdeutlichte Weiß.

Lösung sollen Türme der Marburger Altenhilfe sein

Doch nun gebe es eine Lösung für zumindest gut 90 zusätzliche Wohnheimplätze – nämlich in den noch stehenden beiden Türme des Altenwohnheims St. Jakob der Marburger Altenhilfe, die ja einen Neubau am Richtsberg bekommt. Und die kaufmännische Geschäftsführerin des UKGM, Dr. Sylvia Heinis, betonte, dass die Verhandlungen schon „weit fortgeschritten“ seien.

Für Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) steht fest, „dass niemand wollen kann, dass ein einziger Ausbildungsplatz am UKGM unbesetzt bleibt, wenn wir den Pflegenotstand in den Griff bekommen wollen“. Dafür sei es wichtig, dass Azubis ausreichend Wohnraum fänden, „denn das sind keine reichen Menschen“.

Ab Juli ist Platz in den Türmen

Doch wie sieht die Lösung für die Wohnheimplätze nun konkret aus? „Im Juli ist der Neubau für das Altenheim einzugsbereit – in dem Moment werden die beiden Türme frei.“ Unten gebe es einen Kinderhort, „aber der Rest steht zur Verfügung“.

Entsprechend liefen Verhandlungen zwischen GeWoBau und UKGM – das Klinikum müsse einen entsprechenden Beitrag leisten, außerdem müssten die Türme saniert werden, „das Dach muss gemacht werden“, so Spies. „Wir gehen davon aus, dass die Zimmer ein einem erträglich kurzen Zeitraum zur Verfügung stehen werden.“ Damit werde sich das Problem der fehlenden Plätze somit zumindest „für die nächsten 15, 20 Jahre“

Von Andreas Schmidt

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