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Marburg Wasserbüffel an der Lahn
Marburg Wasserbüffel an der Lahn
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15:25 06.05.2022
Wasserbüffel grasen auf den Wiesen im Bereich der renaturierten Lahn.
Wasserbüffel grasen auf den Wiesen im Bereich der renaturierten Lahn. Quelle: Foto: Nadine Weigel
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Marburg

Klappe auf und Sprung in die Freiheit oder besser gesagt in den Arbeitsdienst. Denn die sieben Wasserbüffel, die am Donnerstag (5. Mai) vom Viehanhänger ins frische Gras sprangen, traten damit offiziell ihren Dienst als tierische Landschaftspfleger an.

Die Tiere führen ein Projekt fort, das in den vergangenen Jahren die „Gisselberger Spannweite“ zu einem wahren Naturidyll gemacht hat: die Renaturierung der Lahn. Nach Abschluss der Erdarbeiten im Jahr 2020 hat sich die Vegetation des rund anderthalb Kilometer langen Abschnitts gut erholt. Durch gezielte Beweidung sollen die Flächen nun offengehalten werden. Und das hat einen guten Grund: „Würden wir die Natur auf der Fläche einfach wachsen lassen, so würde sich innerhalb weniger Jahre Auwald entwickeln“, erklärt Bürgermeisterin Nadine Bernshausen, die sich den außergewöhnlichen „Alm“-­Auf­trieb vor Ort ansah. Es solle aber Lebensraum für Vögel und Amphibien entstehen und erhalten werden, die auf die offenen Flächen angewiesen sind. Verschiedene Vogelarten können die Flächen als Bruthabitat und in den Herbst- und Wintermonaten als Rastfläche nutzen, so Bernshausen.+

Wasserbüffel wühlen mit ihren Hörnern den Boden auf

Auch die Kreuzkröte ist auf eine offene Fläche angewiesen – und diese extrem seltene und gemäß dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützte Kröte soll an der Gisselberger Spannweite möglichst wieder angesiedelt werden, wie Ortrud Simon von der Unteren Naturschutzbehörde erklärt. Denn die Kreuzkröte ist gar nicht weit entfernt – es gebe Exemplare im Kieswerk Niederweimar, verrät die Expertin. Nur dass die B 3 dazwischenliegt, sei ein kleines Problem.

Die Tiere seien zwar wanderfreudig und es gebe auch Verbindungsachsen unter der B 3 hindurch, aber man könne auch schauen, ob man die Kreuzkröten dann mit einer gezielten Ansiedlungsaktion über die Straße trage, so Simon.

Wasserbüffel

Die domestizierten Wasserbüffel stammen von asiatischen Wasserbüffeln ab, die bereits vor 4 000 bis 5 000 Jahren in Asien als Haustiere gehalten wurden. Diese domestizierten Büffel verhalten sich gegenüber Menschen im Allgemeinen friedlich.

Sie werden als Zug- und Lasttiere genutzt und sind beliebte Lieferanten von Milch, Fleisch und Leder.

Und sie können sehr gut schwimmen – deshalb haben die sieben Gisselberger Wasserbüffel auch keinen freien Zugang in die Lahn – sie würden wahrscheinlich schwimmen bis nach Gießen.

Doch noch ist es nicht so weit, erst einmal müssen die Wasserbüffel ihre Arbeit tun und die „Gisselberger Spannweite“ weiter umgestalten. Und das können die bis zu 500 Kilogramm schweren Tiere sehr gut. „Wasserbüffel wühlen mit ihren Hörnern den Boden auf, schaffen so offene Erdstellen und Tümpel – und das sind dann die Lebensräume, die so wichtig sind für die Kreuzkröte“, erläutert Simon. Der natürliche Lebensraum der Kreuzkröte ist der Überschwemmungsbereich natürlicher oder naturnaher Flussauen.

Weil diese spezielle Eigenart des Wasserloch-Schaffens durch übliche Weidetiere nicht ausgefüllt werden kann, sei die Wahl in einem von der Stadt Marburg beauftragten Pflege- und Entwicklungskonzept prioritär auf Wasserbüffel gefallen. „Würden die Flächen durch andere Weidetiere genutzt, so müssten die kleinen Tümpel regelmäßig mit dem Bagger ausgehoben werden, da sie ansonsten verlanden würden“, erklärt Klimaschutzdezernentin Bernshausen. Aber gerade die Kreuzkröte benötige solche kleinen, sich schnell erwärmenden Wasserstellen.

Spazierweg führt direkt an der Herde vorbei

Die sieben Wasserbüffel stammen von der Firma M&M Weide GbR aus Wittelsberg. Die Geschäftsführer Mario Ebinger und Markus Rhiel sind seit mehreren Jahren mit Wasserbüffelzucht und Landschaftspflege beschäftigt, so bewirtschaften und pflegen sie bereits verschiedene Flächen für den Naturschutz im Landkreis. Ein großer Teil ihrer Herde mit mehr als 40 Tieren ist am Fuß der Amöneburg im sogenannten „Bekassinenloch“ zu finden.

Leichter zu bestaunen dürften nun aber die Gisselberger Büffel sein. Ein kleiner Weg oberhalb des abgezäunten Bereichs führt Spaziergängerinnen und Spaziergänger direkt an der kleinen Herde vorbei.

Von Nadine Weigel

14:35 Uhr
10:00 Uhr