Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Es gibt noch Nachholbedarf
Marburg Es gibt noch Nachholbedarf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:00 03.04.2021
Passanten bewerten Marburg mit „gut“ – so das Ergebnis einer Befragung zum Thema „vitale Innenstädte“ des Instituts für Handelsforschung.
Passanten bewerten Marburg mit „gut“ – so das Ergebnis einer Befragung zum Thema „vitale Innenstädte“ des Instituts für Handelsforschung. Quelle: Thorsten Richter
Anzeige
Marburg

Marburgs Besucher sind im Großen und Ganzen mit der Innenstadt zufrieden, geben ihr die Schulnote „gut“. Doch attestieren sie der Universitätsstadt auch Nachholbedarf – bei den Themen Parkraum und Digitalisierung. Das sind die Ergebnisse der Studie „Vitale Innenstädte“ des Instituts für Handelsforschung (IFH) Köln.

Die Erkenntnisse stellte IFH-Geschäftsführer Boris Hedde kürzlich online vor. Denn an zwei Tagen – an einem Donnerstag und Samstag – wurden im vergangenen Herbst rund 300 Passanten in Marburg befragt. Insgesamt hat das IFH knapp 58 000 Menschen in 107 Innenstädten Deutschlands interviewt.

„Dabei wird die handelsrelevante Innenstadt in den Fokus genommen“, erläutert Hedde. Und die hätten es durch die Pandemie und beispielsweise der damit verbundenen Abwanderung der Kunden zu Online-Händlern nicht leicht.

Die richtigen Schlüsse ziehen

So konstatierte Hedde denn auch: „Solch krasse Einschnitte haben wir bisher nicht erlebt.“ Daher gelte nun umso mehr, aus den Ergebnissen der Befragung die richtigen Schlüsse zu ziehen, „und so die Zukunft zu gestalten".

Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) sieht Marburg in diesem Punkt bereits ordentlich aufgestellt: „In der Frage, wie wir den Einzelhandel in Marburg fördern können, sind wir schon ziemlich weit. Wir haben das Oberstadtkonzept, das Programm ,Lebendige Zentren‘ und die sehr gute Vorarbeit der letzten Jahre.“

Allerdings werde man angesichts der Corona-Pandemie „auch über Unterstützung für den Wiederaufschwung reden“, ist er sich sicher. So gab gut die Hälfte der Befragten an, dass sie derzeit weniger Geld für Waren, Gastronomie und Dienstleistungen ausgäben als vor der Pandemie.

Doch sind die Marburger „ihrer“ Stadt treu. Denn gut 48 Prozent der Befragten sagten, dass sie bewusst mehr in der Innenstadt einkaufen, um die lokalen Anbieter zu stärken – im Bundesschnitt lag dieser Wert fast vier Prozent niedriger. Doch sind es nicht einmal neun Prozent, die verstärkt online bei lokalen Händlern einkaufen – auch weil diese kein entsprechendes Angebot haben.

Hedde verdeutlicht: „Ohne attraktiven Handel gibt es keine attraktiven Innenstädte. Alleine wird es der Handel aber nicht richten können.“ Zur Zeit der Befragung, September und Oktober 2020, waren die Geschäfte und Gastronomiebetriebe nach dem ersten Lockdown wieder geöffnet. Das „Marburger Stadt-Geld“ war ausgegeben, das Online-Gutscheinsystem „Marburgliebe“ angelaufen und die Kampagne „Kauf Lokal“ ging an den Start, um den lokalen Einzelhandel zu stärken. Die Strategie traf das Bedürfnis der Passanten. Denn fast 60 Prozent der Befragten gaben „Shopping“ als ihr Hauptmotiv für einen Besuch in der Innenstadt an. Darauf folgen die Gastronomie (26 Prozent) und Freizeit- und Kulturangebote (19 Prozent).

Hedde: „Flair muss die Stadt haben – und sie muss einen hohen Erlebniswert bieten.“ Vor allem Jüngere in die Innenstadt zu ziehen stelle sich als immer schwieriger heraus.

Doch sehen die Passanten Marburg als noch wesentlich mehr: Denn 96 Prozent der Befragten sehen die Innenstadt als einen Ort zum Wohlfühlen und Leute treffen. Mit dem Sortiment der Händler sind die Passanten weitestgehend zufrieden, lediglich die Segmente Unterhaltungselektronik und Sport, Spiel und Hobby fallen hinter die Erwartungen zurück.

Dauerthema Parken

Defizite bescheinigen die Besucher der Innenstadt vor allem beim Dauerthema Parken: Die Parkmöglichkeiten wurden mit „sehr negativ“ bewertet. Und: Lediglich 43 Prozent gaben an, Marburg sei online gut vertreten und digital gut aufgestellt – im Bundesschnitt waren dies 49 Prozent. Dort habe Marburg „ein Handlungsfeld, das für die Zukunftsfähigkeit angepackt werden muss“, sagte Hedde. Auch in Verbindung mit dem Parken – so könne beispielsweise durch ein digitales Leitsystem oder ein quasi „digitales Parkticket“ aus der Not eine Tugend gemacht werden. Und: Junge Zielgruppen müssten anders bedient werden, zudem sei es hilfreich, wenn Marburg Ergänzungen zum Handel finde.

Für OB Spies steht fest: „Die Gestaltung, Aufrechterhaltung und Verknüpfung einer lebendigen Stadt, einer lebendigen Gastronomie und eines lebendigen Handels ist ein Dauerauftrag. Die Ergebnisse der Studie bestärken uns darin, dass es richtig ist, eine Stadt als ein Gesamtkonzept zu betrachten. Die neuen Impulse nehmen wir für unsere Planung und Weiterentwicklung einer ganzheitlich attraktiven Stadt mit.“

Von Andreas Schmidt