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Marburg Unfallflüchtiger darf „Lappen“ behalten
Marburg Unfallflüchtiger darf „Lappen“ behalten
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12:56 06.06.2020
Ein Führerschein und ein Autoschlüssel liegen auf einem Fahrzeugschein. Einem Angeklagten drohte nach einem Unfall der Führerscheinentzug. Quelle: Marius Becker/dpa/Themenfoto
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Marburg

Ein von ihm selbst verschuldeter Verkehrsunfall, bei dem das Unfallopfer erheblich verletzt wurde, holte den Unfallverursacher nach zweieinhalb Jahren wieder ein, als er sich vor dem Amtsgericht wegen Unfallflucht zu verantworten hatte.

Im November 2017 war der heute 47 Jahre alte Marburger auf der Landesstraße 2387 in der Gemeinde Weimar unterwegs, als er auf die Gegenfahrbahn geriet.

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Das ihm entgegenkommende Fahrzeug konnte eine Kollision nicht mehr aufhalten, „beide Kraftfahrzeuge schleuderten die Böschung hinab“, heißt es im Strafbefehl. Der andere Wagen überschlug sich dabei und blieb auf dem Autodach liegen, der Fahrer blieb verletzt zurück.

Die Wucht des Aufpralls war hoch, umherfliegende Fahrzeugteile beschädigten noch einen weiteren vorbeikommenden Wagen. Dennoch verließ der Angeklagte den Unfallort und fuhr selber leicht verletzt davon.

„Bin auf den Führerschein angewiesen“

Seine Personalien wurden allerdings ermittelt, der Mann erhielt einen Strafbefehl, gegen den er Einspruch einlegte, beschränkte diesen allerdings nur auf das Strafmaß und gab die Unfallflucht damit zu. Der Hauptgrund für den Einspruch: Der Strafbefehl sah neben einer Geldstrafe die Einziehung seines Führerscheins für drei Monate vor.

Diesen brauche er mittlerweile aber beruflich, vor kurzem sei er noch arbeitslos gewesen, wurde nun als Ausfahrer bei einer Firma angestellt. „Ich bin auf den Führerschein angewiesen“, betonte der Angeklagte vor dem Amtsgericht. Zu seinen Gunsten ausgelegt wurde ihm der lange Zeitraum, der zwischen Straftat und Verhandlung lag.

Berufliche Zukunft in Gefahr

Der Mann hat zwar eine Vorstrafe wegen Volksverhetzung, diese gilt jedoch nicht als einschlägig. Sowohl die Verteidigung wie die Staatsanwaltschaft sprachen sich dafür aus, dass auf den Entzug der Fahrerlaubnis verzichtet werden kann.

Auch Richterin Angelika Bamberger stimmte dem zu und änderte das Strafmaß ab – der Führerscheinentzug sei zwar „angemessen“ gewesen, angesichts der Zeit, die verstrichen ist und um seine berufliche Zukunft nicht zu gefährden, verzichtete sie darauf.

Dafür setzte sie die Geldstrafe auf 90 Tagessätze zu je 40 Euro hinauf. Im Strafbefehl war noch von 70 Tagessätzen à 30 Euro die Rede. Das Urteil überschreitet damit die Grenze zur Vorstrafe – ab einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen gilt ein Verurteilter als vorbestraft.

Von Ina Tannert

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