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Marburg „Slawa Ukraini“ – der Schlachtruf der Freiheit
Marburg „Slawa Ukraini“ – der Schlachtruf der Freiheit
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09:06 02.05.2022
Rund 50 russischsprachige Studierende demonstrieren am Samstag (30. April) in Marburg und ziehen vom Hauptbahnhof zu einer Kundgebung vor dem Erwin-Piscator-Haus.
 Rund 50 russischsprachige Studierende demonstrieren am Samstag (30. April) in Marburg und ziehen vom Hauptbahnhof zu einer Kundgebung vor dem Erwin-Piscator-Haus. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

War es wie das Pfeifen im Walde oder war es eine echte Siegesgewissheit, wie sie ja auch der ukrainische Präsident Wolodymir Selenskij verbreitet? Bei einer Kundgebung am Samstag (30. April) von knapp 50 russischsprachigen Menschen aus Russland, der Ukraine, Kasachstan und Belarus jedenfalls zeigten sich viele Rednerinnen und Redner zuversichtlich, dass der Widerstand in der Ukraine nicht zu brechen ist.

„Die Ukraine gewinnt, weil die Wahrheit auf ihrer Seite ist“, sagte etwa Rednerin Christina. Karina aus Kasachstan forderte die Teilnehmenden auf, solidarisch miteinander zu sein. „Helfen Sie mit Essen, helfen Sie mit Unterkunft“, sagte sie, „wir sind gegen die Behörden in Russland und für die Solidarität zwischen den Menschen.“ Viele der Teilnehmenden hatten sich eine weiß-hellblau-weiße Flagge umgezogen – seit dem Überfall Putin-Russlands auf die Ukraine am 22. Februar ein Symbol der Proteste gegen die russische Invasion in der Ukraine. „Sie ist ein Statement“, sagte Dimir, der hinzufügte: „Wir müssen klare Haltung zeigen und die Menschen zum Handeln gegen den Krieg auffordern.“

Inzwischen leben in Marburg gut 1.000 Ukrainer

Die Rede des Erziehungswissenschaftsstudenten wurde immer wieder – wie andere Reden auch – unterbrochen von Chören „Slawa Ukraini“, übersetzt etwa „Ruhm der Ukraine“. Seit Kriegsbeginn ist dies sozusagen der Schlachtruf des Widerstands gegen Russland geworden.

Inzwischen leben in Marburg gut 1.000 Ukrainer, im Landkreis haben nach Angaben des Kreisbeigeordneten Marian Zachow rund 2.500 Ukrainerinnen und Ukrainer Zuflucht gefunden. Viele von ihnen engagieren sich – als Dolmetscher, bei Behördengängen, beim Kontakt zur alten Heimat, bei der Vorbereitung von Hilfslieferungen.

Gastprofessorin erzählt von den Untaten der russischen Armee

„Jede Hilfe zählt“, sagt Ludmila Heck, die seit 20 Jahren in Marburg lebt und sich im Moment als „Vollzeithelferin“ betätigt. Sie sammelt vor allem Geldspenden, mit denen wichtige Medikamente und andere medizinisch notwendige Materialien gekauft werden, die in der Ukraine dringend benötigt werden. Sie werden in Zusammenarbeit mit dem Caritasverband Oberberg im Kreis Gummersbach nach Kiew gefahren. Von dort werden die Spenden in Krankenhäusern und Hilfestationen verteilt.

Es war die erste öffentliche Aktion des neu gegründeten Verbands „Bruks“ – und vielen der Rednerinnen und Redner merkte man an, wie schwer sie unter der Situation leiden. Eine junge Frau aus der Ukraine, vielleicht Mitte 20, berichtete unter Tränen von ihrem Mann, der in der Heimat für die Ukraine kämpft. Und Wissenschaftlerin Iryna Ivanets, Gastprofessorin an der Marburger Uni, erzählt von den Untaten der russischen Armee, von der Bombardierung von Autos, die mit der Aufschrift „Kinder“ kenntlich gemacht worden sind, von vielleicht Tausenden Kindern, die nach Russlands entführt worden sind. Ihr bricht die Stimme ebenso mehrfach weg wie der Übersetzerin Ludmila Heck. Am Schluss ruft sie russische Mütter auf, gegen das Regime Putin zu kämpfen: „Was werden eure Kinder später über euch sagen? Dass ihr nichts getan habt oder dass ihr die Freiheit verteidigt habt?“

von Till Conrad

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