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Marburg Thema Westumfahrung auf der Tagesordnung
Marburg Thema Westumfahrung auf der Tagesordnung
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00:17 22.01.2019
Der Pharmafirmen-Standort Görzhäuser Hof. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Vollbesetzt war der Sitzungssaal: Rund 50 Bürger aus den westlichen Stadtteilen waren extra gekommen, weil das Thema Westumfahrung auf der Tagesordnung stand. Verhandelt wurde ein ehemaliger Dringlichkeitsantrag der Grünen und der Marburger Linken aus dem November, der auch im Dezember noch nicht behandelt worden war. Darin wurde der Magistrat zu einem Planungsstopp für Umgehungsstraßen in den westlichen Außenstadtteilen aufgefordert. Der Magistrat solle alle Aufwendungen von personellen und finanziellen Ressourcen für die Planung eines Allnatalwegs oder eine Westtangente entlang der Alten Weinstraße unterlassen oder stoppen, hieß es.

„Das Grundvertrauen in die Politik ist gestört“, sagte eine Sprecherin der Bürgerinitiative (BI) gegen die Westumfahrung, die Rederecht im Ausschuss erhalten hatte. Sie beklagte sich darüber, dass die Bürger gar nicht in die Planungsüberlegungen mit einbezogen worden seien. Aus Sicht der BI handele es sich aber bei der geplanten Westumfahrung um eine reine Lkw-Trasse. Wenn die Planung umgesetzt werde, dann würden aufgrund dieses „politischen Schnellschusses“ Teile eines Naherholungsgebiets rund um Elnhausen geopfert.

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Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) ergriff das Wort für eine Entgegnung. Dabei machte er deutlich, dass der Magistrat keine Lkw-Trasse plane. Der Magistrat habe bisher lediglich im Vorfeld der Aufstellung des nächsten Regionalplans auf die Frage aus dem Regierungspräsidium Gießen (RP), welche Problemstellungen die Stadt Marburg habe, auf die Verkehrsanbindung im Marburger Westen hingewiesen.

Seitz plädiert für Denkstopp

Es gehe vor allem um eine bessere verkehrliche Anbindung des Standorts Görzhausen der Behring-Nachfolgefirmen. Bisher gebe es vonseiten des Magistrats noch nicht einmal die Vorplanung einer Planung.„Wir befinden uns sehr früh in so ­einem Verfahren“, sagte Spies. Allerdings sei dies jetzt ein Zeitpunkt, an dem die Belastung der Straßen im Marburger Westen stark zugenommen habe.

„Uns ging es darum, die Debatte frühzeitig zu eröffnen“, begründete Dr. Fabio Longo den SPD-Vorstoß zum Thema Westumfahrung. Dass dabei ­einige Bürger vor den Kopf gestoßen worden seien, tue ihm leid. Hans-Werner Seitz (Grüne) sagte, dass die Angelegenheit ein Lehrstück darüber darstelle, wie etwas nicht funktioniere. Seitz plädierte erst einmal für einen Denkstopp.

Zu dem Konzept einer Westumfahrung, das ursprünglich von der Marburger SPD vorgestellt worden war (die OP berichtete), sagte Henning Köster (Linke) unter dem Beifall der Zuschauer, dass neue Straßen immer neuen Verkehr anziehen würden. Er plädierte stattdessen unter anderem dafür, auch die Behring-Nachfolgefirmen mit ins Boot zu holen, was beispielsweise das Angebot eines Jobtickets für die Beschäftigten betreffe.

Die Vertreter der Rathaus-Regierung warteten mit einem „Änderungs-Antrag“ auf, den Jan von Ploetz (CDU) begründete. „Denkverbote sind nicht zielführend“ sagte er. Zusätzlich zum im Dezember gefassten Parlamentsbeschluss zur Verkehrsanbindung der Pharmastandorte Marbach und Görzhäuser Hof solle der Magistrat eine Bedarfs- und Machbarkeitsstudie für die Verkehrsentwicklung im Marburger Westen in Auftrag geben, so der Antrag.

Bis zu 100.000 Euro für ein Gutachten

Neben dem künftig absehbaren Verkehrsaufkommen sollten auch mögliche Alternativrouten für die verschiedenen Verkehrsträger geprüft werden. Ziele seien die umweltverträgliche Abwicklung des Lieferverkehrs sowie die Vermeidung des Autoverkehrs unter Berücksichtigung von Bussen und Bahnen sowie dem Radverkehr.

OB Spies regte noch als Zusatz zu dem Antrag an, dass der Magistrat ermächtigt werden solle, bis zu 100.000 Euro für ein Gutachten in den städtischen Haushalt zu stellen. Mit einer schnellen Reaktion solle auch auf die Besorgnisse der Bürger im Western reagiert werden.

Mit dieser zusätzlichen Passage versehen erhielt der Änderungsantrag die erforderliche Mehrheit mit Stimmen von SPD; CDU und BfM bei Gegenstimmen von Grünen, FDP und der Marburger Linken. Für den Ursprungsantrag von Linken und Grünen stimmten nur die Antragsteller bei Enthaltung der FDP und Gegenstimmen von SPD, CDU und BfM.

von Manfred Hitzeroth