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Marburg Uni Marburg muss sparen – Asta ruft zum Protest auf
Marburg Uni Marburg muss sparen – Asta ruft zum Protest auf
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12:00 01.08.2022
Semesterstart in der Physik an der Uni Marburg.
Semesterstart in der Physik an der Uni Marburg. Quelle: Archivfoto: Thorsten Richter
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Marburg

Die Philipps-Universität hat zu wenig Geld und muss sparen. Das geht aus Eckpunkten der Budgetplanung für 2023 hervor, die Kanzler Dr. Thoralf Held im Uni-Senat vorgestellt hat. Demnach muss die Universität im kommenden Jahr mit einem Defizit von 11,6 Millionen Euro rechnen. Held schlägt deshalb vor, mit zusätzlichen Sparmaßnahmen im kommenden Jahr das Minus um rund 3 Millionen Euro zu drücken. Bei Studierenden in Senat und Asta (Allgemeiner Student*innen-Ausschuss) löst dieser Vorschlag Sorge aus: Sie befürchten, dass dadurch die Qualität des Studiums leiden wird.

Steigende Ausgaben

Im Haushaltsjahr 2023 wird die Philipps-Universität voraussichtlich 305,8 Millionen Euro an verteilbaren Mitteln zur Verfügung haben – 3 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Gesamtbedarf steigt den Schätzungen zufolge aber noch stärker, nämlich um 3,4 Prozent auf 317,4 Millionen Euro. Damit hätte die Universität trotz bereits in diesem Jahr geltender Einsparmaßnahmen ein Defizit von 11,6 Millionen Euro, das aus der Rücklage ausgeglichen werden muss. Das Präsidium geht zudem davon aus, dass sich die ohnehin angespannte finanzielle Situation durch die aktuellen Kostensteigerungen insbesondere für Energie und Bauleistungen weiter verschärfen wird.

Insbesondere für die Unterhaltung ihrer Gebäude bräuchte die Universität mehr Geld. „Der jährliche Mittelbedarf für die Erhaltung der Nutzungsfähigkeit dieser Gebäude (Bauunterhalt) ist erheblich und kann von der Philipps-Universität aus den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln nur zum Teil aufgebracht werden“, teilte das Präsidium auf OP-Anfrage mit. Damit seien zwangsläufig auch Einschränkungen in der Nutzbarkeit der Gebäude verbunden. Laut Mitteilung des Asta müssten jährlich ungefähr 15 Millionen Euro mehr in Gebäude investiert werden.

Zur Diskussion steht nach OP-Informationen neben Einsparungen in zentralen Einrichtungen und der Uni-Verwaltung auch eine weitere Kürzung der Sachmittelzuweisungen an die Fachbereiche um 7 statt bisher 5 Prozent. „Zu den Sachmitteln gehören auch Studentische Hilfskräfte“, betonte Luise Becker vom Asta-Vorstand laut einer Mitteilung. Und Streichungen von Stellen für Studentische Hilfskräfte hätten Folgen für Studium und Forschung, warnt der Asta. „Das heißt, dass Tutorien nicht mehr angeboten werden können – und das wirkt sich auf die Qualität der Lehre aus“, erklärte die Asta-Referentin für Hochschulpolitik, Sara Müller, im Gespräch mit der OP. Der Asta befürchtet zudem, dass kleinen Fächern die Streichung droht.

Das Uni-Präsidium erklärte dazu auf Anfrage der OP, bei der Vorstellung der Budget-Eckpunkte seien „Bedarfsreduzierungen eher prinzipiell, das heißt über die Vorgabe eines Einsparbetrags beziehungsweise eines prozentualen Anteils diskutiert“ worden. „Die Entscheidung zur Verwendung der Mittel liegt jedoch bei den entsprechenden Struktureinheiten, zum Beispiel den Fachbereichen.“ Über konkrete Maßnahmen, wie etwa die Beschäftigung Studentischer Hilfskräfte, sei deshalb im Senat gar nicht gesprochen worden. Endgültig festgelegt würden die Budgets für das kommende Haushaltsjahr ohnehin erst Ende 2022, nachdem alle Bedarfe im Detail erhoben und ausgewertet worden sind.

Asta: Lehrende und Studierende sollen gemeinsam demonstrieren

Der Asta sieht gleichwohl eine „systematische Unterfinanzierung der Universitäten“ und ruft zum Protest auf. Schuld an der finanziellen Situation der Universität seien die „Spardiktate, die vom Land Hessen vorgegeben werden“, kritisierte Müller. Der Uni-Spitze wollen die Studierenden deswegen keinen direkten Vorwurf machen. Aber: „Wir würden uns wünschen, dass wir gemeinsam politisch aktiv werden – in der Öffentlichkeit passiert zu wenig“, sagte Müller. Der studentische Senator Oliver Platt erklärte laut Mitteilung, dass „außerparlamentarische Formen erwogen werden sollten, um Land und Bund zur ausreichenden Finanzierung von Universitäten zu bewegen“. Geht es nach dem Asta, sollten Professorinnen und Professoren sowie alle anderen Mitglieder der Universität gemeinsam mit Studierenden auf die Straße gehen – wie vor Jahren beim Protest gegen Studiengebühren.

Das Uni-Präsidium nahm zu der Forderung nach öffentlichen Protesten auf OP-Anfrage nicht direkt Stellung, setzt aber nach Auskunft der Uni-Pressestelle auf einen „konstruktiven Dialog“. Auch die Uni-Spitze räumt ein, dass die Universität mehr finanzielle Mittel braucht, insbesondere für die Unterhaltung der Gebäude. „Das Präsidium steht hierzu in einem dauerhaften und intensiven Austausch mit der Landesregierung, um die geschilderte Situation zu lindern und die vorhandene Entwicklungsplanung für die Liegenschaften der Philipps-Universität umzusetzen“, erklärte die Universität.

Von Stefan Dietrich