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Marburg Willkommen im Lehrstellen-Paradies
Marburg Willkommen im Lehrstellen-Paradies
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12:00 02.08.2022
Während einige Lehrstellen gefragt sind, gibt es in anderen Zweigen mehr freie Ausbildungsplätze als Bewerber. Insgesamt standen im Landkreis Marburg-Biedenkopf 616 unbesetzten Ausbildungsstellen 384 Bewerberinnen und Bewerbern gegenüber, sagt Dr. Heike Beber, Pressesprecherin der Arbeitsagentur.
Während einige Lehrstellen gefragt sind, gibt es in anderen Zweigen mehr freie Ausbildungsplätze als Bewerber. Insgesamt standen im Landkreis Marburg-Biedenkopf 616 unbesetzten Ausbildungsstellen 384 Bewerberinnen und Bewerbern gegenüber, sagt Dr. Heike Beber, Pressesprecherin der Arbeitsagentur. Quelle: Symbolfoto: Thomas Frey/dpa
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Marburg

Lehrjahre sind keine Herrenjahre, hieß es früher, doch die Zeiten haben sich geändert. Mittlerweile sehen sich Betriebe vieler Berufszweige schon in der Situation, um Auszubildende buhlen zu müssen. Das zeigt auch die Statistik der Arbeitsagentur Ende Juli. „Es sind 42 Prozent der freien Ausbildungsstellen nicht besetzt“, sagt Pressesprecherin Dr. Heike Beber. In Zahlen bedeutete dies zum Monatsende: 616 unbesetzten Ausbildungsstellen standen 384 Bewerberinnen und Bewerbern gegenüber. „Rein rechnerisch hat also jeder Bewerber 1,6 Stellen zur Verfügung. Die Zeiten für Ausbildungssuchende sind so günstig wie nie“, folgert Volker Breustedt, Leiter der Arbeitsagentur Marburg.

2018 erstmals mehr freie Stellen als Bewerber

Zu kippen begann das Verhältnis zum Ausbildungsjahr 2016/2017, als es letztmalig mehr Suchende als Ausbildungsstellen gab. Seitdem wandelte sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage bis zum heutigen Rekordstand.

Doch was nutzt den Ausbildungsplatzsuchenden diese Auswahl, wenn es offensichtlich nicht die Stellen in ihren Traumberufen sind? Gefragt sind Verkäuferinnen, Pharmazeutisch-Kaufmännische Angestellte oder Einzelhandelskaufleute, selbst bei Lageristen und Augenoptikern sind noch ausreichend Stellen in Sicht. Etwas entspannter ist die Lage bei Elektronikern, Industriemechanikern oder Mechatronikern. Die Firma Optima pharma GmbH, die im Interkommunalen Gewerbegebiet Salzbödetal eine Produktionsstätte für den Sondermaschinenbau hat, besetzte zum 1. August alle vier Lehrstellen.

Top-Ten der Stellenangebote

Die Top 10 der unbesetzten Berufsausbildungsstellen zum 31. Juli 2022 im Landkreis:

  • Verkäufer/in: 74
  • Kaufmann/-frau im Einzelhandel: 71
  • Fachverkäufer/in Lebensmittel: 51
  • Pflegefachkraft: 45
  • Handelsfachwirt/in: 28
  • Sport- und Fitness­kaufmann/-frau: 16
  • Zahnmedizinische ­Fachangestellte/r: 16
  • Medizinische ­Fachangestellte/r: 15
  • Kraftfahrzeug-mechatroniker/in: 15
  • Fachlagerist/in: 15

„Die Arbeitgeber müssen sich etwas einfallen lassen“

Doch was in der Vergangenheit kaum Probleme bereitete, erschwerte die Corona-Pandemie. Das Unternehmen konnte keinen Kontakt zu Schulen halten, Teilnahmen an Ausbildungsmessen waren nicht möglich und Werksbesichtigungen fanden nicht statt, ebenso Berufserkundungs-Praktika oder Ferienjobs.

Die Corona-Pandemie hat den Druck auf die Arbeitgeber zusätzlich zu der seit Jahren festzustellenden Tendenz von Schülern und auch deren Eltern zu weiterführenden, höheren Schulausbildungen noch verstärkt, bestätigt Beber. Der Ausbildungsmarkt habe sich von einem Bewerber zum Angebotsmarkt gewandelt, und das bedeutet: „Die Arbeitgeber müssen sich etwas einfallen lassen.“ Diesen Weg beschreiten wohl schon einige Arbeitgeber: Ein Wochenende mit dem Firmenwagen oder eine Kinokarte für guten Einsatz – Prämien sind durchaus schon möglich.

Mit KI auf Azubi-Suche

Noch heute setzen viele Unternehmen auf konventionelle Methoden zur Personalgewinnung. Um Auszubildende zu gewinnen, vertrauen viele Firmen weiter auf Stellenportale, Zeitungsannoncen oder Flyer. Immer häufiger allerdings ohne den gewünschten Erfolg. Weil die junge Generation immer schlechter über herkömmliche Methoden erreicht wird, geht etwa der Hamburger Personaldienstleister „Leantree“ bei der Suche nach Auszubildenden einen anderen Weg. Mit Hilfe KI-gestützter Recruiting-Methoden forscht das Unternehmen über Social Media nach qualifizierten Azubis. Vor allem Netzwerke wie TikTok oder YouTube werden dabei genutzt, weil diese bei Schulabgängern besonders beliebt sind. Moderne Arbeitgeber haben das erkannt. Sie bespielen diese Kanäle, um über Berufe zu informieren und gezielt um Nachwuchs zu werben.

Von Gianfranco Fain

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