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Marburg Praller Musical-Abend
Marburg Praller Musical-Abend
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20:00 01.01.2020
Schillernde Kostüme und tolle Stimmen faszinierten 500 Zuschauer. Quelle: Melanie Weiershäuser
Marburg

Am Ende tanzten 500 Menschen im Saal den „Time Warp“ aus der „Rocky-Horror-Picture-Show“ und mochten das vierzehnköpfige Ensemble der „Nacht der Musicals“ gar nicht mehr gehen lassen. Wer Tickets gekauft oder zu Weihnachten verschenkt hatte, hat auf jeden Fall alles richtig gemacht.

Mit großartigen, exzellent ausgebildeten Stimmen wartete der Veranstalter, die ASA Event GmbH, auf. Die eingesetzten Solisten können allesamt Erfolge auf großen Musicalbühnen vorweisen. So auch der Publikumsliebling des Abends, Daniel Tejeda. Die Rolle des Judas aus Andrew Lloyd Webbers Rockoper „Jesus Christ Superstar“ war dem charmanten, langhaarigen Bartträger wie auf den Leib geschneidert – und das nicht nur optisch.

Im schwarzen, langen Mantel mit silbernem Kreuz auf dem Rücken, aalte er sich in der Rolle des rebellischen Jüngers, umgeben von Engeln in roten Lackmiedern, schwarzen Overknees und weißen Flügeln. Um seine Mission rüberzubringen, sprang er ins Publikum, sang sich durch die Reihen, kletterte auf einen Sitz der ersten Reihe und verkündete: „Jesus, Alter, wir haben 2019 und Du bist immer noch in!“, wofür er tosenden Applaus erntete.

Neongitarren duellierten sich mit uniformierten Maschinengewehrträgern

In Lindenbergs „Hinterm Horizont“ bewies er sein Talent zum Komischen. Seine Darstellung des jungen Udo, mit viel zu großem Anzug, schief gezogenem Schmollmund und dem obligatorischen Hut erzeugte so manchen Lacher. Die Botschaft des Panik-Rockers war aber klar zu verstehen: Neongitarren duellierten sich mit uniformierten Maschinengewehrträgern.

Fünf Videoleinwände im Großformat sowie ein ausgefeiltes Licht- und Soundkonzept machten es möglich, die auf der Bühne präsentierten Stories effektvoll zu bebildern und das hervorragend ausgebildete Tanzensemble in seiner Darstellung zu unterstützen.

Blutrote Gräberstimmung untermalte den „Tanz der Vampire“, eine Schulglocke entführte in das High-School-Szenario der 50er aus dem Musical „Grease“. Das furchteinflößende Schattenland aus „König der Löwen“ war Kulisse eines kraftvollen, Gänsehaut erzeugenden Solos von Catherine Joos.

Zwischenmoderator in Lack und Leder

Immer wieder ließen die aufwendigen, detailreichen Kostüme die Atmosphäre des New Yorker Broadway und des Londoner West End eindrucksvoll aufleben. Lack und Leder kleideten Martin Markert stilecht für seine schlüpfrige Zwischenmoderation.

Im Duett mit Elvira Maria Kalev als Elisabeth zeigten beide Künstler, dass sie absolute Profis und auf den Bühnen der Welt zu Hause sind. Die besten Stücke aus „Tanz der Vampire“, „Rocky“, „Queen“ oder dem Broadway-Verkaufsrenner „The Greatest Showman“ fehlten ebenso wenig, wie die weltberühmte Hymne „Memories“ aus „Cats“.

Beim Medley aus „Mamma Mia“ wurde es noch einmal knallig bunt, ehe die Musical-Komödie „Ich war noch niemals in New York“ dann doch noch die Kitschgrenze ankratzte. Das Publikum erwies sich als textsicher und konnte die Hits von Udo Jürgens allesamt mitsingen. Es wurde geklatscht, gewippt und geschnippt – alle amüsierten sich während der über zweistündigen Show prächtig.     

von Ina Velte