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Marburg Das Wetter spielt mit
Marburg Das Wetter spielt mit
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00:17 01.06.2019
Das Foto zeigt eine Szene mit Ben Knob und Lisa Grosche. Im Hintergrund ist die Live-Band zu sehen. Quelle: Jan Bosch
Marburg

Leicht bewölkt, tagsüber 24 Grad, meldet „wetter.com“ für Samstag. „Wetter.de“ ist noch optimistischer: Heiter, tagsüber bis zu 27 Grad, abends um 20 Uhr 24 Grad. Da steht – zumindest vonseiten des Wetters – einem Besuch der Open-Air-Komödie „Leonce und Lena“ des hessischen Dichters und Dramatikers Georg Büchner (1813 bis 1837) auf der Marburger Freilichtbühne im Schlosspark nichts im Wege.

Und die Gäste der Vorstellung für OP-Abonnenten am Sonntagabend um 21 Uhr rechnen einfach noch mal 2 Grad drauf. Für beide Vorstellungen gibt es noch Karten. Vermutlich, weil das lange Zeit wechselhafte Wetter viele Theaterfreunde ein wenig abgeschreckt hat.

Was erwartet die Besucher auf der großen Freilichtbühne, die von den neuen Intendantinnen des Landestheaters, Eva Lange und Carola Unser, nach vielen Jahren als Spielstätte des Theater reaktiviert wurde? „Leonce und Lena“ ist die einzige Komödie des Dichters, der in nur wenigen Jahren bis zu seinem frühen Tod im Alter von nur 23 Jahren ein bemerkenswertes Werk hinterließ: „Dantons Tod“ und das fragmentarisch überlieferte Drama „Woyzeck“ sind seine bekanntesten Stücke.

Einzige Komödie Büchners

Berühmt wurde er durch den Hessischen Landboten, den er 1834 in Gießen schrieb und in dem er unter dem Schlagwort „Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“ die in weiten Teilen völlig verarmte hessische Landbevölkerung zur Revolution gegen die Unterdrückung aufrief.

„Leonce und Lena“ aus dem Jahr 1936 ist Büchners einzige Komödie. Es ist einerseits eine romantische Komödie, wie man sie heute aus Hollywood kennt, und andererseits eine Satire auf den politisch rückständigen und geistlosen Adel seiner Zeit.

Prinz Leonce gibt sich dem Müßiggang hin. Er ist ein etwas melancholischer Träumer, der die Zeit totschlägt mit Gesang, dem Beobachten der Wolken. Sein Diener Valerio ist ebenfalls ein bekennender Meister auf dem Gebiet des Nichtstuns.

Peter, der König des kleinen Reiches Popo, hat keine rechte Lust mehr zu regieren. Er befiehlt aber noch die Heirat seines Sohne Leonce mit Prinzessin Lena von Pipi. Die beiden Königskinder aber haben darauf so gar keine Lust. Beide türmen, Leonce begleitet vom frechen Valerio und Lena begleitet von ihrer burschikosen Gouvernante.

Feine Sprache und zeitkritischer Humor

Wie es so schön kommt: Leonce und Lena laufen sich auf ihrer Flucht vor der Hochzeit nichtsahnend über den Weg und verlieben sich natürlich ineinander. Am Schluss wird sogar noch geheiratet. „Eine Komödie mitten im Sommer, mitten in Hessen, im Herzen der Stadt mit viel Musik und vielen Hochzeitsgästen“ verspricht das hessische Landestheater.

Das Stück richte sich an „alle Menschen ab 14 Jahren, die an lauen Sommerabenden unter freiem Himmel verweilen und dabei nicht auf Theater verzichten wollen. Für alle, die die großartig feine Sprache und der zeitkritische Humor Büchners begeistert und die aus Liebe zum Dasein das Leben feiern wollen.

Für Artur Molin ist es die letzte große Rolle am Hessischen Landestheater. Der beliebte Schauspieler und tolle Sänger wird das Ensemble im Sommer verlassen. Für ihn kommt Ben Knob, den Marburger Theaterfans bereits als großartigen Conferencier in „Cabaret“ erleben konnten.

Regie führt Intendantin Eva Lange. Neben Molin und Knob spielen Saskia Boden-Dilling, Mechthild Grabner, Lisa Grosche, Jürgen Helmut Keuchel und Victoria Schmidt. Die musikalische Leitung hat Michael Lohmann, der mit den Musikern Andreas Jamin, Christian Keul, Olaf Roth und Holger Schwarzer jede Menge Songs für die Komödie vorbereitet hat.

Tipps und Termine

  • „Leonce und Lena“ hat am Samstag, 1.Juni, um 21 Uhr Premiere. Bis zum 22. Juni sind 12 Vorstellungen geplant. Für alle gibt es noch Karten. Sie kosten zwischen 21 und 26 Euro.
  • Am Sonntag, 2. Juni, präsentiert die Oberhessische Presse eine exklusive Vorstellung zum Sonderpreis für ihre Abonnenten. OP-Abonnenten zahlen in den OP-Geschäftsstellen für die Vorstellung 15 Euro pro Karte. Die Einnahmen spendet die OP komplett an das Hessische Landestheater für dessen Kinder- und Jugendtheaterarbeit. Auch für diese Vorstellung gibt es noch Karten.
  • Rund um den Schlosspark gibt es nur wenige Parkplätze. Für den Fußweg hinauf zur Freilichtbühne sollte man gut 30 Minuten einplanen. Es empfiehlt sich auch, Sitzkissen und Decken einzupacken. Das Landestheater hat einen Shuttle-Service für Menschen eingerichtet, die Probleme haben, die Freilichtbühne zu Fuß zu erreichen. Eine Anmeldung an der Theaterkassse im Erwin-Piscator-Haus ist dafür unbedingt nötig. Die Fahrt hin und zurück kostet zusätzlich 7 Euro. Es können pro Vorstellung maximal 60 Besucher transportiert werden.

von Uwe Badouin