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Marburg Krebsmedikament kann Corona-Patienten helfen
Marburg Krebsmedikament kann Corona-Patienten helfen
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21:29 18.06.2020
Professor Andreas Neubauer hat durch eine Medikamentengabe Corona-Patienten geheilt. Quelle: Torsten Fricke / Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung
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Marburg

Der Krebsmediziner Professor Andreas Neubauer und seine Kolleginnen und Kollegen berichten über ihren Behandlungserfolg in der Fachzeitschrift „Leukemia“.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte genehmigte eine klinische Studie, in der die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Einsatz von Ruxolitinib gegen Covid-19-assoziiertes Lungenversagen weiter untersuchen wollen.

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Auch wenn das grassierende Coronavirus Sars-CoV-2 meist nur milde Atembeschwerden hervorruft, so verläuft die Covid-19-Erkrankung doch bei etwa fünf Prozent der Betroffenen so schwer, dass es zu einem Lungenversagen kommen kann.

„Die Sterblichkeit ist in diesen Fällen hoch“, sagt Dr. Thomas Wiesmann, der die Patientin gemeinsam mit dem Team der Intensivstation in der Klinik für Anästhesie und Intensivtherapie des Universitätsklinikums Marburg betreute.

Überreaktion der körpereigenen Abwehr

Die Patientin ist eine 65-jährige Frau ohne Vorerkrankungen, die wegen fortschreitender Atemnot und Fieber eingeliefert wurde. Ihre Atemnot verschlimmerte sich rapide, sodass sie drei Stunden nach der Einlieferung intubiert werden musste, um künstlich beatmet zu werden. Ein Test bestätigte, dass eine Infektion mit Sars-CoV-2 vorlag. Die Gesamtprognose der Patientin wurde aufgrund weiterer Organschädigungen als sehr schlecht eingeschätzt.

„Aus chinesischen Publikationen wussten wir, dass die Patienten mit einem schweren und sogar tödlichen Verlauf durch einen sogenannten Zytokinsturm charakterisiert sind“, sagt Neubauer. „Dabei handelt es sich um eine Überschwemmung des Körpers mit Substanzen, die das Immunsystem stimulieren.“ Diese Überreaktion der körpereigenen Abwehr schädigt das Gewebe – umso leichter verbreitet sich das eingedrungene Virus.

Verbesserung von Atmung und Herzfunktion

Neubauer vermutete, dass die Betroffene auf das Medikament Ruxolitinib ansprechen könnte. Das Mittel hemmt Enzyme im Körper, die an überschießenden Entzündungsreaktionen beteiligt sind. „Wir standen vor einer schweren Entscheidung“, so Professor Dr. Hinnerk Wulf, Direktor der Klinik für Anästhesie und Intensivtherapie: „Denn ob die Theorie auch in der Praxis funktioniert, war ungewiss; mit der versuchsweisen Behandlung war eben auch ein Risiko verbunden.“

Tatsächlich besserte sich der Zustand der Marburger Patientin, nachdem ihr Ruxolitinib verabreicht worden war: Das Behandlungsteam konstatierte eine klinische Stabilisierung sowie eine rasche Verbesserung von Atmung und Herzfunktion. Vom zehnten Tag ihres Klinikaufenthalts an konnte die Patientin schrittweise vom Beatmungsgerät entwöhnt werden. Auch die Virusvermehrung war während der Verabreichung des Krebsmedikaments herabgesetzt.

Allen Patienten mit positivem Verlauf

Offenbar handelt es sich bei dem Behandlungserfolg nicht um einen Einzelfall: Das Marburger Team verabreichte das Krebsmedikament noch mehreren anderen Patienten, um den schweren Krankheitsverlauf bei ihnen in den Griff zu bekommen. „Bei allen, denen das Mittel länger als eine Woche verabreicht worden ist, ist es am Ende gut geworden“, erklärt Neubauer.

„Der zeitliche Zusammenhang zwischen dem Beginn der Ruxolitinib-Gabe und der gesundheitlichen Besserung ist so eng, dass die Vermutung naheliegt, die Hemmung könne zu dem günstigen klinischen Verlauf beigetragen haben“, legt Neubauer dar.

  • Originalveröffentlichung: Andreas Neubauer & al.: Ruxolitinib for the treatment of SARS-CoV-2 induced acute respiratory distress syndrome (ARDS), Leukemia 2020, DOI: https://doi.org/10.1038/s41375-020-0907-9

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