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Marburg Am Samstag kann der Handel wieder öffnen
Marburg Am Samstag kann der Handel wieder öffnen
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21:22 04.05.2021
Am 8. März konnten die Geschäfte in der Oberstadt nach dem Lockdown öffnen - wie hier das Atelier 10 von Vanessa Briel in der Barfüßerstraße. Am Samstag kann der Handel mit "click & meet" öffnen – wenn die Infektionszahlen nicht wieder steigen.
Am 8. März konnten die Geschäfte in der Oberstadt nach dem Lockdown öffnen - wie hier das Atelier 10 von Vanessa Briel in der Barfüßerstraße. Am Samstag kann der Handel mit "click & meet" öffnen – wenn die Infektionszahlen nicht wieder steigen. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Marburg

Einzelhandel und Gastronomie leiden seit rund einem halben Jahr unter den Schließungen aufgrund der Corona-Pandemie. „Wir brauchen zuverlässige Öffnungsperspektiven“, fordert daher nicht nur Marburgs Stadtmarketing-Chef Jan-Bernd Röllmann. Und: „Die Entscheidungen müssen sowohl für die Unternehmer als auch für die Bürger nachvollziehbar sein.“ Derzeit gelte im Handel die Regelung „click & collect“ – heißt: Der Kunde kann per Internet oder Anruf seine Ware bestellen und diese dann vor Ort abholen.

„Mehr ist derzeit nicht möglich“, so Röllmann. Doch er sieht einen Hoffnungsschimmer: Laut seinen Berechnungen – auf der Basis, dass die Inzidenz im Landkreis auch weiterhin unter 150 bleibt – könnten die Läden am Samstag bereits auf das Modell „click & meet“ umstellen – also das Shopping nach Terminvereinbarung. Wie kommt Röllmann darauf? „Die Regelung besagt: Wenn die Inzidenz fünf Werktage am Stück unter 150 lag, ist die Öffnung am übernächsten Tag möglich.“

Handel darf öffnen

Der Stadtmarketing-Geschäftsführer rechnet vor: „Der erste Tag mit einer Inzidenz unter 150 war Freitag, 30. April. Samstag und Sonntag waren keine Werktage – der fünfte in Folge wäre also der Donnerstag, 6. Mai.“ Hieße in der Konsequenz: Zwei Tage später – also am Samstag, 8. Mai, dürfe der Handel für „click & meet“ öffnen. Das wäre schon mal eine ganz deutliche Verbesserung: Die Kunden können in die Läden kommen, die Ware begutachten – das ist wieder ein echtes Shopping-Erlebnis.“

Zuständig für diese Regelung ist jedoch nicht der Landkreis, wie Pressesprecher Stephan Schienbein auf Anfrage der OP erläutert: „Die Schwellenwerte und die daraus folgende Maßnahmen legt das Land fest und gibt sie bekannt. Das Land entscheidet auch über die Aufhebung und gibt auch dies bekannt.

Landkreis ist nicht zuständig

Basis dafür seien die Regelungen des Infektionsschutzgesetzes und die Inzidenzwerte des RKI. „Der Landkreis hat hier vor dem Hintergrund der bundesgesetzlichen Regelungen leider keine Zuständigkeit bei diesen Entscheidungen“, so Schienbein. Zuständig ist also das Sozialministerium. „Und das hat mir bestätigt, dass die Berechnung stimmt und ab Samstag ,click & meet’ wieder möglich ist“, sagt Jan-Bernd Röllmann.

Der Hessische Industrie- und Handelskammertag (HIHK), der DEHOGA Hessen und der Handelsverband Hessen fordern indes in einem gemeinsamen Aufruf, dass Hessen nun verantwortbare Öffnungsschritte für den Handel und die Gastronomie festlegen solle.

Öffnungsplan kann vorgelegt werden

Man habe der Landesregierung bereits vor Tagen einen Öffnungsplan vorgelegt. Darin fordern die Verbände die Öffnung der Außengastronomie mit Terminvereinbarungen sowie weitere Erleichterungen für den Einzelhandel, sofern der Landkreis eine stabile Inzidenz von unter 100 aufweise. Auch touristische Übernachtungen sollen laut den Forderungen wieder möglich sein. Insgesamt gelte es, Testen und Öffnen stärker miteinander zu verzahnen.

„Hessens Wirtschaft schöpft Hoffnung angesichts sinkender Inzidenzen und steigender Impfzahlen. Umfangreiches Testen in Verbindung mit Masken, Abstand und Hygienekonzepten gibt größtmögliche Sicherheit. Das haben auch die sehr positiven Erfahrungen aus der Pilotkommune Alsfeld gezeigt“, sagt der Biedenkopfer Unternehmer Eberhard Flammer, Präsident des HIHK. Jetzt gelte es, auf Landesebene die Weichen für Öffnungen zu stellen, nicht nur für vollständig Geimpfte. Auch, weil die hessische Corona-Verordnung am 9. Mai auslaufe, sei nun der richtige Zeitpunkt.

„Nachbarn sind weiter“

Das sieht auch Jochen Ruths, Präsident des Handelsverbands Hessen, so: „Die Hessische Landesregierung muss in den Landkreisen mit einer Inzidenz unter 100 ,click & meet’ – ohne Test ermöglichen“, fordert er.

Schaue man in die Nachbarbundesländer, sei man dort weiter als in Hessen. Überall – außer in Thüringen – sei das Einkaufen mit Termin in Landkreisen unter der Inzidenz von 100 ohne Test möglich und werde auch bereits heute schon angewendet. „Hessen muss endlich erwachen“, so Ruths. Darüber hinaus müssten bereits heute weitere konkrete Öffnungsschritte in der neuen Verordnung festgeschrieben werden.

Eine Zerreißprobe

Eberhard Flammer konkretisiert: „Jeder verantwortbare Öffnungsschritt ist praktische Wirtschaftshilfe. Zudem reduziert er die Belastung der öffentlichen Kassen. Weder die öffentlichen Haushalte noch die betroffenen Unternehmen können endlos mit Hilfsprogrammen leben.“ Für ihn steht fest: „Die betroffenen Händler und Gastronomen dürfen seit fast einem halben Jahr kaum auskömmlich wirtschaften.

Für sie ist es ein Dauer-Lockdown. Eine Zerreißprobe, wirtschaftlich und emotional.“ Dabei wollten sie endlich wieder aus eigener Kraft über die Runden kommen. „Das gäbe Perspektive und käme allen in Hessen zugute. Denn diese Betriebe bieten Beschäftigung, bilden häufig aus und sorgen für Steuereinnahmen“, so Eberhard Flammer.

Von Andreas Schmidt

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