Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Instrumente als Weihnachtsgeschenk
Marburg Instrumente als Weihnachtsgeschenk
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:00 15.12.2020
Michael Hüther vom Musikhaus am Biegen vor seinem Gitarrensortiment. Er sagt: „Eine Geige für 50 Euro ist keine Geige.“
Michael Hüther vom Musikhaus am Biegen vor seinem Gitarrensortiment. Er sagt: „Eine Geige für 50 Euro ist keine Geige.“ Quelle: Thorsten Richter
Anzeige
Marburg

Glaubt man den Statistikern, werden in diesem Jahr in Deutschland 377 Millionen Euro für Musikinstrumente ausgegeben. Klingt erst einmal ganz beeindruckend, fällt aber weit zurück hinter den 1,6 Milliarden, die die Bundesbürger im vergangenen Jahr für Katzenfutter ausgegeben haben oder den 64,6 Milliarden Euro, die 2019 in der Bekleidungsbranche umgesetzt wurden.

Der Sohn oder die Tochter, die ein Instrument lernen wollen oder sollen, der Partner oder die Partnerin, denen noch die 23. Gitarre in der bereits stattlichen Sammlung fehlt, der Bandsaxofonist, der sich ein höherwertiges Instrument wünscht – sie alle brauchen das richtige Handwerkszeug. Wer zu Weihnachten seine Lieben mit Musikinstrumenten oder Zubehör überraschen will, fährt gut damit, auf den Rat von Fachleuten zu hören. Eugen Anderer ist Leiter der Musikschule Marburg, und er hat einen ganz wichtigen Tipp für Mütter und Väter: „Man sollte Kinder dabei beobachten, was sie mögen – ist das ein eher lauter Typ, der trommeln möchte oder eher ein leises Kind, das es vielleicht gern mit der Geige probieren würde? Wenn’s dann wirklich ein Schlagzeug sein soll oder eine E-Gitarre mit dazugehörigem Verstärker, taucht ein nicht zu unterschätzendes Problem auf: Was werden die Nachbarn sagen, wenn der Filius morgens um sieben die Drumsticks schwingt?

Im Krabbelalter geht’s schon los

Anderer und sein Team arbeiten in der musikalischen Früherziehung bereits mit Kleinkindern, die schon im Krabbelalter mit ihren Eltern kommen und mit vier oder fünf Jahren zunächst an Orff-Instrumente herangeführt werden – Xylophone etwa oder einfache Rhythmusinstrumente. „Erst danach trennen sich die Interessen“, erklärt der Musikschul-Leiter. Ein Angebot der Musikschule, das Corona-bedingt zurzeit nicht stattfinden kann, ist das sogenannte Instrumentenkarussell: „Dabei durchlaufen die Kinder ein Jahr lang einen Zyklus mit fünf Stunden Cello, fünf Stunden Schlagzeug, Gitarre, Blasinstrumenten und anderen Optionen.“

Kinder probieren gern Neues aus

Das klingt spannend, Kinder probieren gern Neues aus, verlieren aber auch ebenso schnell wieder das Interesse. Was also tun, wenn Larissa und Tom sich riesig über die Ukulele und das Cajon gefreut haben, die Instrumente nach zwei Wochen aber schon wieder ungenutzt in einer Ecke des Kinderzimmers verschwinden? Eltern sollten die musikalische Ausbildung ihrer Kinder behutsam begleiten, sagt Anderer: „Das verlangt Müttern und Vätern viel Geduld ab.“ Lassen die Jungen und Mädchen ihre Instrumente links liegen, sollten sich die Eltern fragen: Was steht dem Kind im Weg? Steht es unter Leistungsdruck? Spürt das Kind, dass sich die Familie eigentlich gar nicht für die Musik interessiert? Anderer: „Man sollte nicht beharren, aber auch nicht bei der ersten Motivationskrise gleich nachgeben.“

Der Ratschlag des Musikpädagogen zum eigentlichen Instrumentenkauf: „Wer billig kauft, kauft zweimal.“

Diese Einschätzung teilt Michael Hüther voll und ganz. Der Inhaber des Marburger Musikhauses am Biegen sagt: „Wer ein Instrument kaufen will, sollte immer ins Fachgeschäft gehen – der Kunde muss sich auf den Händler verlassen können.“ Eine Geige, die im Internet 50 Euro koste, sei keine Geige, sagt Hüther kategorisch: „Neben der reinen Qualität spielt da auch eine Rolle, ob sich etwa Giftstoffe in den Instrumenten verstecken – wie bei Spielzeug.“ In Billiggeigen zum Beispiel seien Stoffe wie Asbest und Formaldehyd entdeckt worden. Der Musikalienhändler nennt ein weiteres Problem von Instrumenten aus dem Discount-Sektor: „Keyboards für 299 Euro sind Einwegprodukte.“ Darauf gebe es zwar zwei Jahre Garantie, und wenn in dieser Zeit etwas passiere, würden die Instrumente ausgetauscht: „Aber Ersatzteile gibt es nicht – ist etwas defekt, wandern diese Keyboards auf den Müll.“

Nicht schwer zu erraten für die sechsjährige Marlene Richter: Quelle: Thorsten Richter

Viele Kunden bringen ihre Kinder mit, damit sie sich umschauen und sich etwas aussuchen können, berichtet der Fachmann aus der Biegenstraße: „Es gibt aber auch Kunden, die sagen: Ich möchte meinem Partner eine Gitarre schenken, weiß aber nicht, was für eine.“ In solchen Fällen verabredet Hüther mit dem Kunden einen Preiskorridor, er empfiehlt ein Produkt, und wenn das dann so gar nicht den Geschmack des Beschenkten trifft, kann er es gegen ein gleichwertiges Instrument umtauschen: „Bei Mundharmonikas geht das natürlich nicht, das habe ich schon vor Corona aus Hygienegründen ausgeschlossen.“

Weil Instrumentenkauf im Fachhandel beratungsintensiv sei, habe Hüther eine Zeit lang sogar eine Gebühr dafür erhoben, die dann beim Kauf verrechnet wurde. „Das war in der Zeit, als Leute kamen, die sich alle Preise bei mir im Laden notiert haben, von mir beraten wurden und die dann letztlich doch online gekauft haben“, sagt der Marburger Händler und ergänzt: „Mittlerweile beobachte ich aber wieder den Trend, dass vermehrt Kunden im stationären Handel kaufen.“

Alles, was scheppert und Krach macht

Und was sind die Renner vor Weihnachten? Ukulelen und darüber hinaus, alles, was scheppert und Krach macht – also Cajons, Shaker und solche Sachen. Na dann: Fröhliche, laute Weihnachten!

von Carsten Beckmann

Marburg Corona-Fallzahlen - Vier weitere Todesfälle
15.12.2020
15.12.2020
Marburg Lockdown steht bevor - Haare schneiden im Akkord
15.12.2020