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Marburg In der Mensa steigen die Preise
Marburg In der Mensa steigen die Preise
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19:50 05.05.2022
In der Marburger Mensa wird das Essen teurer.
In der Marburger Mensa wird das Essen teurer. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Auch das Mensa-Essen wird teurer, und das vor allem wegen der auch aufgrund des Ukraine-Krieges gestiegenen Lebensmittelpreise. Der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) hat jetzt in einem Newsletter Alarm geschlagen, weil das Studentenwerk Marburg zum 1. Mai die Preise für die Mensagerichte um 25 Prozent erhöht hat.

Noch am Freitag vergangener Woche wurde unmittelbar vor einer Sitzung des Verwaltungsrates eine Unterschriftenaktion gestartet. Dort hatten am Mittwoch nach Angaben der Studierendenvertretung bereits mehr als 2 900 Menschen unterschrieben. „Bezahlbares Essen in der Mensa. Inflation nicht auf Studis abwälzen“, das war die Überschrift über der Petition. Sie hatte allerdings keinen unmittelbaren Erfolg. Denn der Verwaltungsrat des Studentenwerks beschloss die Preisanhebung Ende vergangener Woche nach einer anderthalbstündigen Sitzung.

Kanzler wirbt um Verständnis für Studentenwerk

Dies erläuterte der Verwaltungsratsvorsitzende, Uni-Kanzler Dr. Thoralf Held, am Mittwoch im Uni-Senat. Das Studentenwerk habe den Verwaltungsrat darum gebeten, der geplanten Erhöhung der Mensapreise zuzustimmen. Beschlossen worden sei eine Erhöhung der Preise um durchschnittlich 25 Prozent. Das sei deutlich höher als die Anhebungen der Preise für die Mensa-Essen von jeweils zwei oder drei Prozent im Abstand von einigen Jahren, betonte Held.

Nach OP-Informationen stimmten die studentischen Vertreter im Verwaltungsrat gegen den Beschluss. „Es ist nachvollziehbar, dass Studierende dagegen protestieren“, betonte der Kanzler. Er warb aber auch um Verständnis für das Studentenwerk, das sich in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage befinde. Denn mehr als 50 Prozent der Kosten für die Mensa-Essen beträfen die Zutaten für die Zubereitung der Speisen – und das vor dem Hintergrund der stark gestiegenen Lebensmittelpreise. Bereits zu Beginn des Jahres hätten die Vertreter aller hessischen Studentenwerke deswegen bei der Landesregierung um zusätzliche finanzielle Unterstützung gebeten, die jedoch nicht bewilligt worden sei.

„Wir müssen jetzt die Preise für das Mensa-Essen erhöhen, weil uns die Lebensmittelpreise weglaufen“, sagte Mensa-Chef Martin Baumgarten im Gespräch mit der OP und verwies auf enorme Preissteigerungen bei den Lieferanten, vor allem seit Ende Februar nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs. Vor allem die Preise für das Tagesgericht seien nicht mehr zu halten gewesen. Und diese sind jetzt am deutlichsten angehoben worden. Statt zuvor bei 2,80 Euro liegt die maximale Preishöhe dafür jetzt bei 3,50 Euro. So kostet beispielsweise eine Currywurst mit Pommes frites in der kommenden Woche 3,15 Euro.

Preise und Angebote

Die Angebote in den Uni-Mensen sind sehr unterschiedlich strukturiert, ein Preisvergleich ist daher nur bedingt möglich. Im Folgenden werden nur die Preise für die Studierenden genannt, Bedienstete und Gäste zahlen jeweils mehr. In der Marburger Mensa gab es gestern als billigstes Angebot das Tagesgericht Hühnerpilaw mit Currysauce plus Eisbergsalat (plus eine Beilage) für 2,80 Euro. Menü 1 war das Schweinegyros mit Joghurt-Knoblauch-Dip und drei Beilagen (3,45 Euro) und Menü 2 die mediterrane Gemüsepfanne mit roten Linsen und drei Beilagen (3,15 Euro).
Zum Vergleich: In Gießen gab es beispielsweise eine „Feel-good-Bowl“ mit Reis, Ananas und diversen Gemüsen für den Preis von 3,20 Euro oder ein mariniertes Putensteak mit Kräuterbutter und Pommes frites für 3,10 Euro. In Frankfurt reichte die Palette der vergleichbaren Gerichte vom Paprika-Kartoffelauflauf für 1,90 Euro bis zur Geflügelbratwurst für 3,60 Euro. Und in Tübingen kostete das vegetarische Tagesangebot (Tagliatelle mit Soja-Bolognese und Blattsalat) 2,65 Euro. Jede vegetarische Beilage kostete 95 Cent.

Die Preise für die beiden Menüs sowie verschiedene andere Tellergerichte wie den „Wochenhit“ oder „Mensa Vital“, die jeweils alle teurer als das billigste Gericht sind, wurden nur um jeweils 15 Cent angehoben. Baumgarten betonte jedoch, dass es beispielsweise beim Tagesgericht nun eine mögliche Preisspanne zwischen 2,50 Euro und 3,50 Euro gebe und das Studentenwerk die Preise demnach auch wieder nach unten korrigieren könne, falls es die Liefersituation zulasse.

Die Studierendenvertretung ist nicht erfreut über die Preiserhöhungen. Die aktuelle finanzielle Lage der Studierenden lasse keine Erhöhung zu und führe ihrer Meinung nach sogar zu einem Ausweichverhalten der Studierenden von der Mensa hin zu örtlichen Bäckereien oder Supermärkten, heißt es im Newsletter.

Bei einer Umfrage der OP unter Studierenden vor der Mensa gab es hingegen ein differenziertes Stimmungsbild. Vanessa Breitbarth ist beispielsweise eine begeisterte Mensa-Gängerin, vor allem wegen der ausgewogenen Ernährung. „Es wird aber schwieriger, wenn man mehr Geld dafür ausgeben muss“, sagte sie.

Florian Heideloff Quelle: Manfred Hitzeroth

„Ich finde die Preiserhöhung nicht so cool“, sagt Florian Heideloff. Denn schließlich würden die Lebenshaltungskosten für alle Studierenden sowieso schon höher.

Niklas Klag Quelle: Manfred Hitzeroth

„Die Preiserhöhung ist nicht berauschend“, meint auch Niklas Klag. Denn als Studierender habe man sowieso schon nicht so viel Geld. Aber er äußerte auch Verständnis für die Preiserhöhung, weil die Mensaleitung damit auch auf die gestiegenen Einkaufskosten reagieren müsse. Und er will auch weiterhin in die Mensa gehen, weil es ihm immer gut schmecke.

Yannick Rösner Quelle: Manfred Hitzeroth

So ähnlich sieht das auch Yannick Rösner. Und sein Fazit lautet: „In der Mensa zu essen ist immer noch günstiger, als selbst zu kochen.“

Von Manfred Hitzeroth

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