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Marburg Straßenschäden zwingen zu Tempo 30
Marburg Straßenschäden zwingen zu Tempo 30
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10:57 11.07.2020
Die Tempobeschränkung in der Frankfurter Straße haben viele noch gar nicht bemerkt, wie sie gegenüber der OP zugaben. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Seit dieser Woche gilt in der Frankfurter Straße Tempo 30. Die entsprechenden Schilder, die die Tempobegrenzung anzeigen, sind aufgestellt.

Es handelt sich nach Auskunft der Stadtverwaltung aber nicht, wie sonst im Südviertel, um eine Tempo-30-Zone, denn diese darf sich nicht auf Straßen des überörtlichen Verkehrs, also Bundes-, Landes- und Kreisstraßen, erstrecken. Die Frankfurter Straße ist eine klassifizierte Kreisstraße. Eigentlich darf die Stadtverwaltung hier deswegen kein Tempo 30 anordnen.

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Der Streit darum ging jahrelang, bis die Stadt auf eine einfache Lösung kam: die Verkehrssicherheit. Aufgrund der Straßenschäden in der Frankfurter Straße ist diese nach Einschätzung der Stadtverwaltung über eine längere Strecke eingeschränkt, sodass die Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h notwendig geworden sei.

Im Unterschied zu den Tempo-30-Zonen der angrenzenden Straßen gilt damit für die Frankfurter Straße jedoch nicht die Verkehrsregelung „rechts vor links“.

Forderung zunächst erfüllt

Damit ist zumindest vorübergehend eine dringende Forderung von Verkehrsinitiativen erfüllt. Auch der Ortsbeirat Südviertel und das Kinder- und Jugendparlament fordern seit Langem Tempo 30. Seit Jahren beklagen Ortsbeirat, Anlieger und Verkehrsinitiativen die „Buckelpiste“ Frankfurter Straße, die schließlich die Entscheidung des OB ausgelöst hat.

Die Stadt hat allerdings kein Interesse daran, die Straße zur Gemeindestraße herabstufen zu lassen. Das würde bedeuten, dass sie auch Baulastträger und für die Verkehrssicherheit der Straße zuständig ist.

„Die Begrenzung auf 30 Kilometer in der Stunde ist mehr als angebracht“, sagt Tatjana Knauf. Sie arbeitet in dem Lebensmittelladen gegenüber der Apotheke und hat von der neuen Beschilderung noch gar nichts mitbekommen. „Im Berufsverkehr wird hier immer nur gehupt und gebremst“, erzählt sie, und ihre Kollegin Rebecka Stroh ergänzt kopfschüttelnd: „Wenn der Bus hält, dann wird noch schnell überholt, man könnte ja ein paar Sekunden verlieren.“

Schild „noch nicht aufgefallen“

Aufgefallen sind den beiden die Schilder noch nicht, und vielen anderen Autofahrern offenbar auch nicht. Denn beim Vor-Ort-Besuch der OP hält sich niemand an die 30er-Begrenzung. „Ein Blitzer müsste her, nein mehrere“, fordert Tatjana Knauf regelmäßige Geschwindigkeitsbegrenzungen.

Katja Brunke ist ehrlich: „In meiner Brust schlagen zwei Herzen“, gibt sie im OP-Gespräch zu. „Als Autofahrer ist Tempo 30 echt lästig. Aber als Fußgängerin befürworte ich die Reduzierung natürlich.“ Auch ihr war die neue Beschilderung noch nicht aufgefallen. Genauso erging es auch Jörg Klinge. Der Michelbacher fährt regelmäßig durch die Frankfurter Straße und findet es als Autofahrer eher beschwerlich, die 30 Kilometer in der Stunde einzuhalten.

Debatte hat lange Geschichte

Unbestritten ist unter Verkehrsexperten: Die Geschwindigkeitsreduzierung auf Tempo 30 bringt ein Mehr an Sicherheit vor allem für Radfahrer und Fußgänger.

Der Versuch, auf der Frankfurter Straße Tempo 30 einzuführen, hat eine lange Vorgeschichte: Schon im Jahr 2013 wollte die Stadt in der Frankfurter Straße auf Anregung aus einem Bürgerbeteiligungsverfahren die Geschwindigkeit begrenzen. Im Frühjahr 2017 hatte das Stadtparlament den Magistrat beauftragt zu prüfen, ob Tempo 30 in der Frankfurter Straße eingerichtet werden kann.

Von Till Conrad und Katja Peters

Tempo 30 für immer?

Nach der Abschaffung der Anwohner-Straßenbeiträge durch die Stadtverordnetenversammlung will die Stadt nun in einer Prioritätenliste festlegen, welche Straßen wann instandgesetzt wird. Die Frankfurter Straße wird laut Spies nicht unter den ersten Straßen sein, die gemacht werden. Das Land würde nach gegenwärtigem Recht Zuschüsse für die Umgestaltung des Straßenraums zahlen, so dass Tempo 30 dauerhaft realistisch wäre.

10.07.2020
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