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Marburg Hellerer Asphalt für besseres Stadtklima
Marburg Hellerer Asphalt für besseres Stadtklima
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17:00 21.07.2019
An der Baustelle am Marburger Rudolphsplatz wird derzeit der neue Straßenbelag aufgebracht. Dass dieser heller ist als die anderen, ist laut Christoph Ditschler von der FDP nicht zu erkennen. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

„Städte müssen durch konkrete Maßnahmen zum Klimaschutz beitragen. Allein das Ausrufen eines Notstands hilft nicht, wenn die Stadt nicht im Rahmen ihrer Möglichkeit alles getan hat, um für die Bewohner als Vorbild in Sachen Klimaschutz zu gelten“, heißt es von der FDP, die als einzige Fraktion die Klimanotstandsentscheidung ablehnte, in einem Antrag an das Stadtparlament.

Konkret verlangen die Liberalen im Nachgang des Klimanotstands, dass die Straßendeckschichten künftig nur noch mit hellem Asphalt ausgestattet werden. Gelten solle das für größere, zusammenhängende Abschnitte, nicht für kleinflächige Ausbesserungsarbeiten. Langfristig sollten alle Straßen mit hellen Asphaltoberdecken ausgestattet werden.

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Im Zuge der ebenfalls Ende Juni beschlossenen Abschaffung der Straßenbeiträge kündigte die ZIMT-Regierung aus SPD, BfM und CDU auch eine Ausweitung der Sanierung von maroden Straßen an (die OP berichtete). Auf OP-Nachfrage informierte die Stadt, dass sie bereits seit 30 Jahren Aufheller im Straßenbau einsetzt. „Bei allen Ausbau- und Sanierungsarbeiten der Stadt wird die Asphaltdeckschicht mit der Zugabe von 20 Prozent Quarzit aufgehellt“, ergänzte sie noch.

Klarsichtbindemittel sorgt für Reflexion

Christoph Ditschler von der FDP reicht das nicht aus. Laut seiner Recherche könnte der Asphalt noch viel heller sein. „Mir ist keine Straße in Marburg bekannt, die einen hellen, reflektierenden Asphalt hat.“ Er führt als Beispiel den Abschnitt am Oberen Rotenberg und die Asphaltierung am Rudolphsplatz an.

In Hessen verwenden bereits mehrere Städte, darunter Fulda, Kassel und Frankfurt, das Material, dem helles Gestein beigemischt wird. Die andere Möglichkeit sei Klarsichtbindemittel, das für Reflektionen sorgt, allerdings auch deutlich teurer sei. Auf sechs bis acht Grad wird der Unterschied auf der Oberfläche geschätzt, weil die Wärme abgestrahlt würde.

Forschern zufolge reflektiert Weiß das Sonnenlicht stärker als dunkle Farben, die Flächen erwärmen sich deshalb weniger. Vor allem deshalb sind Häuser in arabischen Städten oder in Griechenland meist weiß. In Tests haben Wissenschaftler die Temperatur über einem Blechdach gemessen und mit einem direkt danebenliegenden begrünten Dach verglichen. Am Gründach waren es 15 Grad weniger.

Helle Straßendecken führen zu weniger Stauwärme

Nicht ganz so stark, aber ebenfalls deutlich messbar ist der Effekt bei hellen Dächern im Vergleich zu dunklen, heißt es etwa von der Uni Frankfurt, wo entsprechende Forschungen durchgeführt wurden. Helle Straßendecken führen demnach zu weniger Stauwärme, es wird dort spürbar kühler.

„Nachweislich führt der Einsatz von aufgehellten Asphaltdeckschichten zu einer bis zu acht Grad geringeren Erwärmung der Straßenoberflächen“, heißt es von Städten wie Frankfurt oder Köln, die Hell-Asphalt verlegt haben, auf OP-Anfrage.

Allerdings gebe es auch andere Möglichkeiten, der Wärme in den Städten entgegenzuwirken. Mehr bepflanzte Flächen, die Entsiegelung von Hinterhöfen – etwa zugunsten von kleinen Grünflächen und Bäumen. In Marburg unterstützt die Stadtverwaltung beispielsweise das Anlegen von begrünten Dachflächen. Das Antragsformular und weitere Informationen gibt es unter www.marburg.de/gruendachzuschuss2019

von Björn Wisker und Katja Peters