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Marburg Konjunktur kühlt sich spürbar ab
Marburg Konjunktur kühlt sich spürbar ab
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12:00 31.05.2019
Vor allem die vom Export abhängige Industrie im IHK-Bezirk bewertet ihre Zukunftsaussichten wenig positiv. Quelle: Christian Charisius
Marburg

In der aktuellen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg berichten die Betriebe­ aus Industrie, Handel und Dienstleistungen in der Summe von verhaltenen Aussichten für die Zukunft. Das teilte die IHK gestern mit. Die Einschätzung der aktuellen Lage sei demnach jedoch immer noch gut.

Der IHK-Klimaindex, für den Lagebeurteilung und Erwartungen miteinander verrechnet werden, liegt mit 114,2 Punkten – und somit 12,5 Punkte unter dem Vorjahreswert. „Zur Einordnung müssen wir allerdings sehen, wo wir herkommen“, kommentiert IHK-Präsident Jörg Ludwig Jordan die Umfrageergebnisse.

„Eine lange Phase mit steilen Wachstumsraten ist zu Ende gegangen. Zu Jahresbeginn mussten wir einen ersten Abwärtstrend verzeichnen, ausgehend von einem überdurchschnittlich hohen Niveau. Dieser Trend ist jetzt gestoppt, trotzdem kann von Rezession keine Rede sein.“

Laut Befragung äußerten sich weiterhin 93,5 Prozent der Betriebe insgesamt zufrieden mit der derzeitigen Geschäftslage, bewerten diese also gut oder zumindest befriedigend. 6,5 Prozent der befragten 400 Unternehmen berichten indes von einer aktuell schlechten Geschäftslage.

Als Wachstumsbremse für die nordhessische und Marburger Wirtschaft macht der IHK-Präsident das schwächelnde Exportgeschäft aus – dies sei traditionell ein starkes Standbein für die gerade im IHK-Bezirk wichtige Industrie. Niedrige Zinsen, steigende Einkommen und eine sehr niedrige Arbeitslosigkeit stabilisierten in der Region den privaten Konsum. Profiteur davon sei in der aktuellen Umfrage das Gastgewerbe.

Heimische Betriebe sind "verhalten optimistisch"

Die Kehrseite der geringen ­Arbeitslosenquote sei jedoch ein nahezu leergefegter Arbeitsmarkt, argumentiert Jordan. ­Eine Erhöhung der Mitarbeiterzahl sei vor allem aufgrund fehlender Fachkräfte schwer möglich und die weniger optimistischen Aussichten bezüglich auf die zukünftigen Erwartungen machten sich im Hinblick auf den Beschäftigungsaufbau ebenso bemerkbar. 

Auf die Investitionsabsichten schlägt die Konjunkturabkühlung laut IHK hingegen noch nicht spürbar durch: 31,6 Prozent wollen demnach zukünftig mehr Geld in Anlagen und Gebäude stecken. Für kräftigen Rückenwind sorgen dabei die nach wie vor guten Finanzierungsbedingungen. Gut die Hälfte der befragten Unternehmer bewertet diese als gut beziehungsweise befriedigend, sechs Prozent haben allerdings Schwierigkeiten, Kredite zu erhalten.

„Für die kommenden zwölf Monate sind die nordhessischen und Marburger Betriebe verhalten optimistisch gestimmt“, fasst der IHK-Präsident zusammen. 18,4 Prozent rechnen demnach mit einer nochmaligen Verbesserung, 20,3 Prozent der Unternehmer in Marburg und Nordhessen erwarten eine Verschlechterung.

„Die schwächeren Exportaussichten trüben die Stimmung. Wir haben es mit schwierigen internationalen Bedingungen zu tun“, so Jordan. Die Umfrage zeige aber auch, dass der Standort Deutschland und die politischen Rahmenbedingungen zunehmend in den Fokus gerieten. „Wenn alle G7-Staaten außer Deutschland Steuerentlastungen ankündigen oder durchführen und Deutschland perspektivisch die höchste Steuerlast hat, dann ist das ein gravierender Wettbewerbsnachteil“, so der IHK-Präsident.