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Marburg Hohe Spritpreise – auch die Stadt stöhnt
Marburg Hohe Spritpreise – auch die Stadt stöhnt
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12:00 04.05.2022
Busse im Depot der Stadtwerke.
Busse im Depot der Stadtwerke. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Auch die Stadtwerke haben mit höheren Energiekosten zu kämpfen. Im Zeitraum Januar bis März 2022 hat sich für die Stadtwerke der Liter Diesel um rund 30 Prozent verteuert. Das teilte Stadtwerke-Sprecher Jonas Becker der OP auf Anfrage mit. Bei den Treibstoffkosten für den Busverkehr rechnen die Stadtwerke aktuell im ersten Quartal 2022 mit Mehrkosten in Höhe von rund 75 000 Euro im Vergleich zum ersten Quartal 2021. Und das, obwohl die Spritkosten im Januar und der ersten Februarhälfte noch vergleichsweise moderat waren. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und die damit einhergehende Verteuerung der Energiepreise begann am 24. Februar.

Die Stadtwerke gehen derzeit nicht von einer linearen Preissteigerung für Treibstoffe für das gesamte Jahr aus. Steigt der Preis für Diesel aber weiter so wie bisher, werden sich die Mehrkosten im Vergleich zum Jahr 2021 auf eine hohe sechsstellige Summe belaufen – eine halbe Million Euro an Mehrkosten ist nach ersten Überschlägen drin.

Der städtische Fuhrpark

Stadtverwaltung Marburg: 51 Fahrzeuge, davon E-Fahrzeuge: 22 Fahrzeuge (43,14%), davon mit Verbrennungsmotor: 26 Fahrzeuge, davon Hybrid-Fahrzeuge: 3 Fahrzeuge

Fachdienst Brandschutz: 63 Fahrzeuge, davon E-Fahrzeuge: 0 Fahrzeuge (0,0%), davon mit Verbrennungsmotor: 63 Fahrzeuge, davon Hybrid-Fahrzeuge: 0 Fahrzeuge

Dienstleistungsbetrieb der Stadt Marburg: 258 Fahrzeuge, davon E-Fahrzeuge: 5 Fahrzeuge (1,94%), davon mit Verbrennungsmotor: 250 Fahrzeuge, davon Hybrid-Fahrzeuge: 3 Fahrzeuge

Stadtwerke Marburg GmbH: 214 Fahrzeuge, davon E-Fahrzeuge: 11 Fahrzeuge (5,14%), davon mit Verbrennungsmotor: 200 Fahrzeuge, davon Hybrid-Fahrzeuge: 3 Fahrzeuge

Restliche Unternehmen (GeWoBau, MSLT, Marburger Altenhilfe St. Jakob, HLTM, SEG): 34 Fahrzeuge, davon E-Fahrzeuge: 9 Fahrzeuge (26,47%), davon mit Verbrennungsmotor: 25 Fahrzeuge, davon Hybrid-Fahrzeuge: 0
(Stand September 2021)

Der durchschnittliche Tankinhalt von Linienbussen liegt zwischen 300 und 400 Litern. Die Mehrzahl der Stadtwerke-Busse fährt mit Erdgas. „Wegen der langfristigen und vorausschauenden Beschaffung der Stadtwerke“, so nennt es Becker, gibt es für Erdgas in dem Zeitraum bisher keine wesentlichen Preisanstiege zu verzeichnen. Derzeit fahren für den stadteigenen Verkehrsbetrieb 32 Dieselbusse, 49 Erdgasbusse und zwei Elektrobusse im Stadtgebiet.

Bei den Treibstoffkosten für die Entsorgungsfahrzeuge rechnen die Stadtwerke aktuell im ersten Quartal 2022 mit Mehrkosten in Höhe von rund 30 000 Euro im Vergleich zum ersten Quartal 2021. Das entspräche 120 000 Euro im gesamten Jahr – wenn es beim linearen Anstieg bleibt.

Die Stadt Marburg konnte auf Anfrage nicht sagen, welche Auswirkungen die hohe Inflation auf Preise für Sachkosten oder Dienstleistungen hatte. „Da spielen so viele Faktoren rein, dass es unseriös wäre, die gestiegenen Kosten herunter zu rechnen“, sagte Stadtsprecherin Birgit Heimrich.

Hohe Spritkosten und zusätzliche Fahrten

Ähnliches gilt für den DBM. Ja, es gebe eine Kostensteigerung für Sprit in den ersten beiden Monaten des Jahres, also Januar und Februar. Abgeschlossene Abrechnungen über weitere Vergleichsmonate liegen noch nicht vor.

Eine seriöse Auskunft über die Gründe für die Kostensteigerung in einem derart kurzen Zeitraum sei nicht möglich, sagte Heimrich. Zu den Mehrkosten beim DBM trügen neben dem Kraftstoffpreis selbst auch noch andere gewichtige Faktoren bei – wie zum Beispiel die Corona-Pandemie: mehr Spritbedarf wegen Fahrten aufgrund von mehr Müll im öffentlichen Raum, weil sich wieder mehr Menschen in der Öffentlichkeit aufhalten als in den Vergleichsmonaten 2021 (damals: Impfkampagne gerade gestartet, strenge Kontaktbeschränkungen öffentlich und privat, keine Veranstaltungen, geschlossener Einzelhandel und Gastronomie, zeitweise abendliche Ausgangssperre, eingeschränkter Schul- und Kita-Betrieb etc.).

Weitere Gründe für erhöhte Spritkosten könnten außerdem mehr Fahrten für andere Zusatzarbeiten sein, mutmaßt die Stadt – zum Beispiel nach Stürmen (Beseitigung Astbruch), im Winterdienst, in der Reinigung nach Hochwasser und dergleichen – je nachdem, wie stark solche saisonalen Besonderheiten ausfallen und welche Monate im jeweiligen Jahr besonders betroffen sind.

„Deshalb ist ein seriöser Verbrauchs- und Kostenvergleich samt der Analyse von Gründen für gestiegene oder gesunkene Kraftstoff-Gesamtkosten nur im Jahresvergleich möglich und sinnvoll“, sagte Heimrich.

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