Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Enttäuschung über Hasenkopf-Hängepartie
Marburg Enttäuschung über Hasenkopf-Hängepartie
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:00 09.07.2021
Hasenkopf im Marburger Stadtwald: Platz für bis zu 900 Neu-Bewohner.
Hasenkopf im Marburger Stadtwald: Platz für bis zu 900 Neu-Bewohner. Quelle: Thorsten Richter
Anzeige
Marburg

Wie geht es am Hasenkopf weiter, wie viel, wo genau und wie wird wann gebaut? Darauf erhofften sich sowohl der Ortsbeirat Ockershausen als auch Stadtteilbewohner Antworten. Doch kurzfristig platzte die geplante Präsentation der Ergebnisse des Ende vergangener Woche abgeschlossenen städtebaulichen Wettbewerbs.

Formalitäten rund um das Protokoll verhinderten die Veröffentlichung der Architekten-Planungsideen durch die Stadtplanung offenbar. Resultat: Die Öffentlichkeit soll erst in zwei Monaten, im September, Details über das Projekt erfahren. Dabei zog das Großprojekt jüngst wieder verstärkt Kritik einer Bürgerinitiative auf sich (die OP berichtete). „Verkehrsauswirkungen in ganz Alt-Ockershausen, Folgen für die Frischluftzufuhr in der Stadt: Es gibt so viel mehr offene Fragen und Streitpunkte als das, um was sich der Wettbewerb dreht“, sagt Jürgen Kluge, der als Anwohner die Gremiumssitzung besuchte. „Virulenter“ als etwa die nun zumindest verwaltungsintern wohl klare Bau- und Stadtviertelgestaltung seien Gutachten, Abschätzungen und Gestaltungsmöglichkeiten des Verhaltens der bis zu 900 Neu-Bewohner auf dem Bergkamm am Stadtwald, die aber „tief ins Tal wirken“ würden. Vanessa Kersten, Teil der neuen BI „Wir sind Hasenkopf“, sieht das ähnlich: „Man kann ja nicht ernsthaft den Menschen, die dort oben in Wohnungen einziehen werden, das Autofahren und ihre Mobilität verbieten.“ Und weil das so sei, das Viertel nun mal eher abseits der Stadt liege, werde man seitens der Stadtverwaltung das Problem der Hunderten Zu- und Abfahrten pro Tag lösen müssen; und das gehe nicht nur mit Bus-Takten und Radwegen. Zumal der „Heilige Grund“ laut Ortsbeirat unantastbar ist.

Dieser Stillstand „irritiert und enttäuscht“ Maximilian Walz, der als Grünen-Stadtverordneter die Sitzung besuchte. Rund drei Jahre nach der Festlegung und etwa drei Jahre vor dem avisierten Baustart auf den Flächen gebe es trotz des mit Grundstückskäufen durch die SEG vorangetriebenen Projekts weiterhin zu wenige Rahmendaten etwa zur tatsächlichen Baugebietsgröße, Folge-Analysen und grundsätzliche Informationen.

Ortsvorsteher: „Wir hängen völlig in der Luft“

„Wir hängen völlig in der Luft“, sagt Ortsvorsteher Ludwig Schneider (GLO) und erinnert an die zehn Bedingungen, die der Ortsbeirat vor etwa drei Jahren an seine Hasenkopf-Zustimmung knüpfte. Zu vielem, gerade den entscheidenden Verkehrs- und Naturschutzfragen gebe es weiter „keine Resultate“.

Nach einer Kleinen Anfrage von Isabella Aberle (Klimaliste) an den Magistrat ist klar: Das Bearbeitungsgebiet umfasst laut Magistrat rund 9,4 Hektar zur Bebauung vorgesehene Fläche sowie weitere 6 Hektar von Randbereichen, „die in erster Linie der Einbindung der künftigen Siedlung in die Landschaft dienen sollen“, wie es heißt. Zielvorgabe seien – vorerst – nicht 900, sondern 350 Wohnungen. Eine Umweltprüfung wird es laut Stadtspitze für das Gebiet geben, eine detaillierte Umweltverträglichkeitsprüfung allerdings nicht.

Renate Bastian (Linke) warb indes für Vertrauen in die Bürgerbeteiligung, die Ergebnisse der Workshops von einst und will sich erst nach der September-Sitzung, wenn die Ergebnisse des städtebaulichen Wettbewerbs offiziell im Gremium vorgestellt werden, äußern.

Von Björn Wisker