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Marburg Stadt findet keinen Roller-Verleiher
Marburg Stadt findet keinen Roller-Verleiher
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08:00 26.09.2019
Die OP testete im Juni E-Tretroller in Cappel. Ein Verleihsystem wird es bis auf Weiteres in Marburg nicht geben.  Quelle: Tobias Hirsch
Marburg

Die Stadtverwaltung war nach eigenen Angaben bezüglich der vom Stadtparlament im Juni angeregten Einführung eines E-Tretroller-Verleihs bisher mit Nextbike – dem seit Jahren in der Stadt aktiven Leihrad­anbieter – im Gespräch. Doch das Unternehmen habe „derzeit kein Interesse daran, ein Leihsystem für E-Tretroller in Marburg anzubieten“, heißt es auf OP-Anfrage.

Das gelte auch für weitere am Markt agierende Verleiher: kein Interesse. Dabei versprachen sich SPD und CDU von den E-Tretrollern im Sommer noch „eine Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr und eine zusätzliche Alternative zum Auto“. In Gießen hat zuletzt ein erster Anbieter grundsätzliches Interesse am Verleih geäußert, konkret geplant ist laut Gießener 
Stadtspitze aber noch nichts.

Das Umweltbundesamt stellte­ Anfang dieses Monats – also ein Vierteljahr nach der Verkehrsfreigabe – allerdings fest: „Die gefahrenen Strecken sind meist sehr kurz und können regelmäßig auch zu Fuß, mit Bus, Bahn oder Fahrrad ­bewältigt werden.“

Hintergrund

Zulassungsfähig sind Elektroroller bis maximal 20 km/h, für das Fahren ist kein Führerschein, keine Prüfung, aber ein Mindestalter von 14 Jahren erforderlich. Es besteht die Pflicht auf Fahrradwegen oder -streifen zu fahren. Sind diese nicht vorhanden, muss der Rollerfahrer die Fahrbahn benutzen. Das Fahren auf Gehwegen ist verboten, eine Helmpflicht gibt es nicht.
Seitdem die Roller zugelassen sind, wird immer wieder vor der hohen Unfallgefahr ­gewarnt. Während es seit 
Mitte Juni in deutschen Großstädten – oft von Betrunkenen verursacht – regelmäßig entsprechende Meldungen gibt, sind im Landkreis Marburg-Biedenkopf Unfälle bisher kaum bekannt. In Oberdieten, einem Ortsteil von Breidenbach, fuhr Anfang Juli ein 
junger Mann mit einem nicht zugelassenen Roller ein Mädchen an, das sich Schürfwunden zuzog.     

Ergo: Vor allem in Innenstädten ersetzen E-Tretroller nicht Auto-, ­sondern Fuß- und Radverkehr. Nach ersten­ Zahlen aus Berlin werden die Roller – die im Verleih etwa 
20 Cent pro Minute kosten – vor allem für Wege von bis zu zwei Kilometern genutzt.

Dennoch: Nicht nur laut ­
Sören Heine, Inhaber der Cappeler Elektromobilitäts-Firma „Mobile Stromer“ sind Tretroller gerade für Pendler, für den Arbeitsweg innerhalb der bergigen Universitätsstadt ein geeignetes Gefährt, gerade in Kombination mit Nutzung der Stadtbusse. Denn im Gegensatz zu Fahrrädern sei die Mitnahme problemlos. „Für die letzte 
Meile ist das ideal“, sagte er im OP-Gespräch.

Viele Städte haben die ­Einführung von E-Roller-­Mietangeboten anfangs ­positiv gesehen und erhofften sich von der Verwendung auch eine Verringerung des Autoverkehrs und damit 
eine Entlastung der angespannten Verkehrssituation und der Parkplatznot. In Frankfurt, wo es bereits Hunderte Leih-Roller gibt, beklagen sich seit Wochen viele Bewohner vor allem wegen der vielen falsch, wild in der Gegend abgestellten Fahrzeuge, die beispielsweise Gehwege blockieren. 

von Björn Wisker