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Marburg "Herr der Mineralien" geht in Ruhestand
Marburg "Herr der Mineralien" geht in Ruhestand
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09:00 30.11.2019
Professor Peter Masberg steht zwischen zwei Vitrinen im Mineralogischen Museum. Quelle: Tobias Hirsch
Marburg

Der Mineraloge Professor Peter Masberg ist der letzte verbliebene Hochschullehrer des vor einigen Jahren abgewickelten Fachbereichs Geowissenschaften. Jetzt geht auch er in den Ruhestand. Doch er verlässt die Universität ohne Bitterkeit, wie er im Gespräch mit der OP erläuterte.

Dazu beigetragen haben wohl vor allem zwei Dinge: Einerseits hat er am Fachbereich Geographie bis zuletzt immer noch Lehrveranstaltungen wie eine Einführung in die Geochemie und Vorlesungen zur Vulkanologie gehalten. Zudem war er seit dem Jahr 2004 der Leiter des Mineralogischen Museums der Universität.

Und vor allem als Museumsdirektor gerieten Masbergs Aktivitäten auch in das Licht der Öffentlichkeit. Unterstützt von einem rührigen Freundeskreis und engagierten Sammlern wie dem Marburger Reinhard Balzer schaffte es Masberg, in den zurückliegenden 15 Jahren das Museum und die darin enthaltenen Sammlungen mit viel Engagement und Leidenschaft zu präsentieren.

Spürbare Begeisterung und eine Menge Fachwissen

„Es ist ein besonderes Kleinod in Hessen“, meint Masberg über das 1790 auf Initiative von Landgraf Wilhelm IX. gegründete Museum, in dem ursprünglich die „schönsten Merkwürdigkeiten der Mineralienkabinette“ zu sehen sein sollten. Seit dem Jubiläum „450 Jahre Universität“ im Jahr 1977 sind die Exponate in dem Gebäude des ehemaligen Kornspeichers des Deutschen Ordens am Firmaneiplatz untergebracht.

Und wenn Masberg im Gespräch auf die Mineralien und Steine in „seinem Museum“ angesprochen wird, dann beginnt er mit leuchtenden Augen, spürbarer Begeisterung und einer Menge Fachwissen zu erzählen.

Ob nun die einst geraubten Diamanten des Elisabeth-Reliquiars, der Meteorit von Treysa oder die globalen Goldvorkommen: Es gibt kein Thema aus der Mineralien- und Gesteinskunde, zu dem Masberg nicht aus dem Stand interessante Hintergrundwissen parat hat.

Aufgewachsen ist der Mineraloge übrigens in der Eifel, also in einer aus Gesteins-Sicht hochinteressanten deutschen Region. So hat sich Masberg schon als Jugendlicher mit dem vulkanischen Ursprung seiner Heimatregion befasst. Besonders spannend findet er in diesem Zusammenhang den Laacher See.

Von Schulklassen bis hin zu Rentnergruppen

Der Ausbruch des dortigen Vulkans vor rund 13.000 Jahren war einst so heftig, dass Partikel aus der Aschewolke europaweit verbreitet wurden und sich beispielsweise auf den Lahnbergen in einer Schicht von zehn Zentimetern ablagerten, erläutert Masberg.

Als anschauliches Beispiel für die weltweite Verbreitung der Vulkane ist übrigens in einem der Sammlungsräume ein Vulkanmodell aufgebaut, bei dem ein Ausbruch mit Rauch simuliert werden kann. Die möglichst öffentlichkeitswirksame Präsentation der einzelnen Sammlungen war Masberg stets ein Anliegen.

Und gerne hat er die Erkenntnisse seiner Fachdisziplin anhand der praktischen Beispiele in den Vitrinen an Interessenten weitervermittelt – von Schulklassen bis hin zu Rentnergruppen.

Rund 2.500 Exponate sind in den Ausstellungsräumen zu sehen, fast 50.000 Stücke befinden sich noch im Fundus. Doch davon sind nicht unbedingt alle ausstellenswert. Befragt nach seinem Lieblingsgestein muss Masberg doch länger nachdenken. Denn eigentlich empfindet er jeden Neuzugang als besonders eindrucksvoll.

Bergkristalle: schlichte Schönheit

Doch schließlich nennt er im Gespräch mit der OP die Bergkristalle, die er in ihrer schlichten Schönheit besonders beeindruckend findet. Altersbedingt ist der 65-Jährige jetzt in den Ruhestand gegangen. Dass die Stelle durch die Uni-Leitung nachbesetzt werden soll, freut ihn sehr.

Das Besetzungsverfahren ist bereits im Gang, teilte Uni-Pressesprecherin Dr. Gabriele Neumann der OP auf Anfrage mit. Mit einer Wiederbesetzung der Leitungsstelle im Mineralogischen Museum sei Anfang des nächsten Jahres zu rechnen.

Die Position solle auch weiterhin mit Aufgaben der Lehre verbunden sein. Diese Aufgaben sollen jedoch so reduziert werden, dass die Stelle insgesamt als Dreiviertelstelle ausgeschrieben wurde.

von Manfred Hitzeroth