Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Buchsbaumzünsler frisst Hecken kahl
Marburg Buchsbaumzünsler frisst Hecken kahl
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:00 13.08.2019
Buchsbaumzünsler auf dem Friedhof in Wehrshausen werden ­immer mehr zur Plage. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Borkenkäfer, Eichenprozessionsspinner und jetzt auch noch der Buchsbaumzünsler. Viele Hecken, vor allem die an Friedhöfen, sind ihm in und um Marburg schon zum Opfer gefallen. Ein OP-Leser informierte, dass es am Friedhof in Wehrshausen ganz schlimm wäre.

Das bestätigte auf Nachfrage­ die dort tätige Gärtnerei Link aus Marburg. „Ja, es ist schon ein heftiger Befall dort“, hat ­Inhaberin Christina Höll festgestellt. „Die Raupen fressen die Hecken komplett kahl. Manchmal erholt sich der Buchsbaum, aber dann kommt der Winter und gibt ihm den Rest“, berichtet sie. „Der Befall ist wirklich grenzwertig. Bei manchen Hecken hilft nur noch rausreißen“, ergänzt sie noch.

Vermutlich über ein Containerschiff eingeschleppt

Das wird wahrscheinlich auch in Wehrshausen die letzte Möglichkeit sein. Buchsbaumzünsler plagen ­aktuell viele Hobbygärtner. Die Raupen fressen sich durch die gleichnamigen immergrünen Hecken und Formgehölze und vernichten alles – wenn man sie nicht schnell genug entfernt.

Das Problem: Der Befall ist anfangs nur schwer zu erkennen, denn die grün-gelben, etwa fünf Zentimeter langen Raupen fressen sich erst mal tief im Inneren des Gehölzes satt – und den Buchsbaum von innen her kahl. Vermutlich wurde der Buchsbaumzünsler aus Ostasien über ein Containerschiff nach Deutschland eingeschleppt. Mittlerweile hat sich der Schädling bis nach Österreich und in die Schweiz verbreitet.

Die bis zu fünf Zentimeter langen Raupen sind gelbgrün bis dunkelgrün. Sie tragen schwarze und weiße Streifen und schwarze Flecken, der Kopf ist ebenfalls schwarz. Der Hobbygärtner kann auch Gespinste finden, an denen Kotkrümel haften. Es gibt zwei bis drei Generationen des Buchsbaumzünslers im Jahr.

Hintergrund

Der Buchsbaumzünsler ist ein ostasiatischer Kleinschmetterling, der zu Beginn des 21. Jahrhunderts nach Mitteleuropa eingeschleppt wurde und sich heute zur invasiven Spezies entwickelt hat. Die Raupen sind bis zu fünf Zentimeter lang, gelbgrün bis dunkelgrün sowie schwarz und weiß gestreift, mit schwarzen Punkten, weißen Borsten und schwarzer Kopfkapsel. Der Falter erreicht eine Flügelspannweite von etwa 40 bis 45 Millimetern. Die Vorderflügel sind zumeist seidig weiß gefärbt und mit einem breiten braunen Band am Vorderrand sowie am Saum versehen. Auffällig sind eine kleine, braun gefärbte Ausbuchtung in das Mittelfeld sowie ein daneben befindlicher halbmondförmiger, weißer Fleck. Quelle: Wikipedia

Die Bekämpfung des Buchsbaumzünslers mit Pflanzenschutzmitteln – auch biologischen – ist Christina Höll zufolge sehr aufwendig. „Für uns als Friedhofsgärtnerei gibt es ein komplettes Verbot von Spritzmitteln“, so die Inhaberin. Einzig die Stadt dürfte hier aktiv werden, oder eben die Privatpersonen.

Da es aber kein wirksames Mittel geben würde, wären diese es leid, mehrfach im Jahr ihre Pflanzen spritzen zu müssen. Experten raten, die Raupen abzusammeln und zu vernichten. „Allerdings“, so Christina Höll, „ist es wirklich schwierig die eng verzweigten Äste zu kommen und die Raupen abzusammeln. Selbst den Vögeln ist das zu aufwändig“, hat sie festgestellt. Es gäbe weder Nester in Buchsbaumhecken, noch würden sie nach Schädlingen suchen.

Das Problem seien auch nicht nur die Raupen, sondern auch die Falter selbst. Denn sobald diese fliegen können, setzen sie ihre Eier in den nächsten Baum. „Der Befall ist gerade auf Friedhöfen viel zu groß, als dass wir der Lage Herr werden könnten“, bestätigt Andrea Hille, Mitarbeiterin im Blumenhaus Link.

"Nadelgehölze sind nicht so anfällig"

„Auf Privatgrundstücken kann man den Befall einfacher im Rahmen halten, weil es da oft nicht so große Hecken gibt“, erklärt die Gärtnerin, die von einem pestizidfreien Spritzmittel weiß, welches aber ganz oft angewendet werden muss. Das ist vielen Hobbygärtnern einfach viel zu aufwändig.

Als letztes Mittel, um vielleicht noch nicht befallene Buchsbäume zu retten, ist die Entfernung der befallenen Heckenteile. Eibe oder Lebensbäume könnten stattdessen gepflanzt werden. „Nadelgehölze sind nicht so anfällig, und die ätherischen Öle halten Schädlinge fern“, erklärt Christina Höll.

Sie kämpft seit zwei Jahren mit dem Phänomen Buchsbaumzünsler. „Es wird immer mehr“, hat sie festgestellt und ist sich sicher: „Der Klimawandel tut sein Übriges. Durch die milden Winter gehen die Eier nicht ­kaputt.“ Experten gehen davon aus, dass der Buchsbaumzünsler in Deutschland nicht mehr auszurotten ist und daher jedes Jahr aufs Neue bekämpft werden muss.

von Katja Peters