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Marburg Zahl der Arbeitslosen steigt kräftig an
Marburg Zahl der Arbeitslosen steigt kräftig an
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18:59 30.06.2022
Die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis ist kräftig gestiegen.
Die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis ist kräftig gestiegen. Quelle: Uwe Anspach
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Marburg

Der Arbeitsmarkt im Landkreis präsentiert sich trotz zahlreicher Krisen weiter stabil. Und dennoch ist die Zahl der Arbeitslosen kräftig angestiegen. Was paradox klingt, macht bei der Marburger Arbeitsagentur jedoch niemanden nervös. Denn: Es ist ein statistischer Effekt, weil die Ukraine-Flüchtlinge jetzt über das Kreisjobcenter erfasst werden – und diese damit erstmals in der Statistik auftauchen.

Im Juni waren im Landkreis 5 .757 Personen arbeitslos – 11 Prozent oder 572 Menschen mehr als vor einem Jahr. Im Vergleich zum Mai stieg die Zahl der Arbeitslosen gar um 1 .026 Personen – ein Plus von knapp 22 Prozent. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich binnen Jahresfrist um 0,4 Zähler auf 4,3 Prozent.

958 ukrainische Geflüchtete vom Kreisjobcenter betreut

„Der große Anstieg erklärt sich aufgrund des großen Anstiegs der Kunden im Kreisjobcenter“, erläutert Bereichsleiterin Daniela Blüder. Denn während in der Zuständigkeit der Arbeitsagentur die Zahl der Arbeitslosen binnen Jahresfrist um 19 Prozent oder 423 Personen sank, stieg sie beim Kreisjobcenter um 995 Menschen an – ein Plus von rund 34 Prozent. Und im Vergleich zum Mai verzeichnet das Kreisjobcenter gar einen Anstieg um 1 113 Personen oder 39,4 Prozent. „Von diesen Personen waren 958 ukrainische Geflüchtete“, erläutert Blüder. Diese werden seit 1. Juni vom Kreisjobcenter (KJC) betreut, tauchen also nun erstmals in der Statistik auf. Und: „Weil hauptsächlich Frauen aus der Ukraine flüchten, ist die Zahl der arbeitslosen Frauen ebenfalls kräftig angestiegen.“

Insgesamt sind beim KJC 3. 936 Personen als arbeitslos registriert. „Der deutliche Anstieg der Zahl der Arbeitslosen im SGB II kommt für uns nicht überraschend. Wir haben den Wechsel von geflüchteten Menschen aus der Ukraine vom Bereich Asyl in die Grundsicherung für Arbeitssuchende in den vergangenen Wochen intensiv begleitet und sind darauf vorbereitet“, erläutert der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (CDU). „Wir sind in einer guten Ausgangssituation, der Arbeitsmarkt im Landkreis Marburg-Biedenkopf hat sich im vergangenen halben Jahr erholen können. Nun geht es daran, die geflüchteten Menschen bei der Integration in den Arbeitsmarkt zu unterstützen. Auch, um ihnen ein Stück Normalität zu ermöglichen“, so Zachow.

Der Arbeitsmarkt sei aufnahmefähig

Für die Geflüchteten aus der Ukraine biete der Wechsel in das SGB II durch die Unterstützung durch das KJC bei der Integration in den Arbeitsmarkt mehr Perspektiven, sich ein Leben hier aufzubauen. Dies sei besonders für diejenigen wichtig, die in der nächsten Zeit wegen des Krieges und des Ausmaßes der Zerstörung nicht in ihre Heimat werden zurückkehren können, so Zachow.

Dass der Arbeitsmarkt weiterhin aufnahmefähig ist, bestätigt auch Daniela Blüder. „Die Zahl macht uns nicht nervös, es gibt keinen Grund zur Sorge.“ Pressesprecherin Dr. Heike Beber fügt hinzu, dass der Juni traditionell ein eher verhaltener Monat sei, was die Zahl neu gemeldeter Stellen angehe. Das seien im Juni 570 gewesen – und damit 200 weniger, als vor einem Jahr. „Noch dazu war der Mai in Bezug auf neue Stellen sehr stark – und immer, wenn wir einen starken Monat haben, dann ist der nächste meist nicht so stark“, erläutert Beber. „Die Auftragslage bei den heimischen Unternehmen ist aber weiterhin gut, es gibt weiter eine hohe Nachfrage vor allem nach qualifiziertem Personal.“ Dennoch seien einige Arbeitgeber „bei all den Krisen ein wenig in einer abwartenden Situation“.

Kurzarbeit werde auch weiterhin eine Rolle spielen

Gestützt werde der Arbeitsmarkt auch weiterhin durch Kurzarbeit. So gab es im Februar – dem letzten statistisch greifbaren Monat – in 195 Betrieben Kurzarbeit, betroffen davon waren 1. 373 Personen. Im Januar war die Kurzarbeit in 179 Betrieben realisiert worden – mit 1. 107 Betroffenen. „Kurzarbeit wird auch weiterhin eine Rolle spielen“, ist sich Daniela Blüder sicher – auch vor dem Hintergrund wieder steigender Corona-Zahlen. Im Juni meldeten sich 2 .125 Personen arbeitslos – 1 .127 oder rund 113 Prozent mehr als im Vorjahr. Gegenüber Mai waren es gar 1. 163 Personen oder rund 121 Prozent mehr. Parallel dazu meldeten sich 1 086 Personen aus der Arbeitslosigkeit ab, das waren 183 oder 14,4 Prozent weniger als vor einem Jahr und 56 Personen oder rund fünf Prozent weniger als im Vormonat Mai.

Bewegung gibt es auch auf dem Ausbildungsmarkt: Es gibt 1. 136 gemeldete Bewerber für Berufsausbildungsstellen, das sind 99 Jugendliche oder 8 Prozent weniger als vor einem Jahr. Ihnen stehen bis jetzt 1. 431 Berufsausbildungsstellen zur Verfügung – 38 Stellen oder 2,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Jeder potenzielle Bewerber hat also rechnerisch 1,3 Stellen zur Auswahl. „Dort hat ein Paradigmenwechsel stattgefunden – die Unternehmen müssen sich quasi bei den Azubis bewerben“, sagt Blüder. Zurzeit gibt es 432 nicht versorgte Bewerber und 692 unbesetzte Ausbildungsstellen im Landkreis.

Von Andreas Schmidt

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