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Marburg Kurzfilme in rauen Mengen
Marburg Kurzfilme in rauen Mengen
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20:00 05.08.2019
Das OpenEyes-Festival bietet mit seinen Open-Air-Vorführungen schon seit vielen Jahren eine ganz besondere Atmosphäre.  Quelle: Florian Gaertner
Marburg

Auf dem Gelände des G-Werks gab es nämlich 107 Filme aus 22 Ländern, die in vier Wettbewerbskategorien gegeneinander antraten – welches die besten waren, konnte das Publikum entscheiden. In einem umfangreichen Rahmenprogramm hatten Besucher außerdem die Möglichkeit, sich interaktiv mit den Festivalschwerpunkten Reflexion und Standbild auseinanderzusetzen.

Außerdem gab es die bewährten Themenblöcke zu den Wettbewerbskategorien Spiel-, Animations-, Dokumentar- und Experimentalfilm. Im Anschluss an jeden Themenblock konnten die Besucher direkt mit Filmemachern ins Gespräch kommen. Unter den 107 gezeigten Filmen waren nicht nur europäische, sondern auch Filme aus Südamerika, Russland, Asien und Afrika, manche davon waren vorher noch auf keinem Festival zu sehen gewesen.

OpenEyes hat sich einen guten Ruf erarbeitet: Etwa 1. 000 Filme wurden eingereicht. Tagsüber fanden die Filmvorstellungen im Theater neben dem Turm statt, abends ab 22 Uhr wurden die Filme dann ­unter freiem Himmel gezeigt – diesmal bei lauschigen Temperaturen. Und weil das Programm in der Regel ausverkauft ist sorgten die Veranstalter im Garten des G-Werk-Geländes auf kreative Weise für neue Sitzmöglichkeiten.

Mit Bänken, Strandstühlen und Kissen konnten sich die Besucher gemütlich einrichten und bequem bei ­einem kleinen Snack die ­Filme auf sich wirken lassen. Abends sorgten viele bunte Lichter und Musik für echtes Festival-Feeling. Für den Fall, dass es regnet – was am letzten Abend auch in den allerletzten Festivalstunden passierte – oder zu kalt wurde, lagen Decken und Regencapes bereit.

Filmemacher suchen den Dialog mit dem Publikum

Mit einer ganzen Reihe von Workshops und Installationen konnten sich die Besucher mit den Schwerpunktthemen auseinandersetzen. Das Garagenkino war außerdem ein Mini-Festival im Festival, das abseits der offiziellen Einreichungen unentdeckten Talenten die Chance bot, ihre Filme auf die Leinwand zu bringen. Im sogenannten StoryboardPitch konnten dieses Jahr erstmals noch nicht fertiggestellte Filmideen erkundet werden.

Filmschaffende aus aller Welt stellten zudem ihre Filme vor und gingen in die direkte Auseinandersetzung mit dem Publikum. „Es ist spannend, seinen Film in einer solchen Umgebung zu reflektieren“, sagte Filmemacher Benjamin Junghans, der seinen Film „Keim­zelle“ ins Rennen schickte. Dabei sei vor allem das direkte Feedback des Publikums von Bedeutung. ­Warum er in seinem Film soviel Fleisch verwendet habe, wurde Junghans gefragt und entgegnete prompt: „Die Protagonisten waren alle Vegetarier. In der Pfanne war Sojageschnetzeltes.“

Super-8-Filmemacher Stefan Möckel meinte: „Das Programm ist durch das Kurzfilmformat sehr durchgemischt und abwechslungsreich, was den spontanen und kreativen Austausch ungemein fördert.“ Er muss es wissen, denn der Produzent von über 440 Super-8 Filmen ist seit 1985 auf Filmfestivals in der ganzen Welt unterwegs.

Am letzten Tag des Festivals wurden erstmals Filme gezeigt, die in der Vorauswahl besonders kontrovers diskutiert wurden. Festivalleiter Sebastian Spors betont: „Wir sind kein einfaches Wohlfühl-Festival, sondern suchen explizit den Diskurs über die Filme mit dem Publikum.“

von Maximilan Paolucci