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Marburg Aus für Afföller-Pläne: Das sagen Politiker
Marburg Aus für Afföller-Pläne: Das sagen Politiker
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14:00 11.12.2019
Ein Seniorenheim wird es nach dem Rückzug der Firma MPG auf dem Afföllergelände nicht geben. Jetzt beginnt die politische Diskussion, was stattdessen in der Nordstadt passieren soll. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Jubel über die Entwicklung herrscht bei den Linken, die den Protest des Af­föller-Bündnisses als zentralen Grund für die Entwicklung sehen: „Es wurde verhindert, dass ein Großinvestor der Stadt seinen Stempel aufdrückt“, sagt Renate Bastian, Fraktionschefin auf OP-Anfrage. Statt politischer Verdrossenheit habe sich ein Gestaltungswillen Bahn gebrochen, den es nun zu nutzen gelte.

Und zwar sowohl auf einer Bürgerversammlung als auch als weiteren Punkt auf der städtischen Vorhabenliste. Einen Neubau des Hessischen Landestheaters ist indes das von den Linken vorgeschlagene Projekt. Auch die Grünen werten die Entwicklung gestern als „großen Erfolg der Zivilgesellschaft“, speziell des Afföller-Bündnisses, wie Parteichef Christian Schmidt sagt.

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Was trotz der Grünen- und Linken-Initiativen parlamentarisch nicht erreicht werden konnte, habe offensichtlich „der Druck aus der Bevölkerung bewirkt“, sagt Fraktionschef Dietmar Göttling. Man selbst favorisiere für das Gelände einen „Verkehrsknoten Nord“, um die ­Innenstadt wirksam vom Autoverkehr zu entlasten – was aber letztlich passiere, müsse unter­ Bürgerbeteiligung entschieden werden.

Und die SPD, die das Privatinvestoren-Projekt nicht zuletzt mit ihrem jüngsten Parteitagsbeschluss kippte, nimmt nach eigenen Angaben die MPG-Entscheidung „wohlwollend zur Kenntnis“. Nüchterne Reaktion bei der CDU: „Das Gelände, dieser Schotterplatz war und ist nicht in Ordnung, da muss man etwas hinbekommen. Jetzt, da der Entwicklungsvorschlag mit dem privaten Seniorenheim nichts wird, gehört die Sache in den Beteiligungsbeirat, auf die Vorhabenliste“, sagt Jens Seipp, Fraktionschef.

"Gezielt im Regen stehen gelassen"

Die für die nächsten Wochen geplante Afföller-Bürgerversammlung zum Thema mache dafür aber „nicht mehr viel Sinn“. Grundsätzlich: „Der Umgang mit Investoren in dieser Stadt sucht seinesgleichen. Es wird immer etwas Schlechtes gewittert, Schaden für die ­Allgemeinheit heraufbeschworen. Machen wir hier so weiter, investiert hier irgendwann niemand mehr.“

Es sind Erfahrungen, über die in den vergangenen Jahren nicht nur die DVAG oder Immobilien-Unternehmer Karsten Schreyer berichteten – auch Lokschuppen-Käufer Gunther Schneider und Hauptpost-Investor Ulrich Burk sind ähnlichen Vorwürfen ausgesetzt (OP berichtete).

Die Liberalen halten ein öffentliches Parkdeck, einen gut angebundenen Pendlerparkplatz für „bedenkenswert und sinnvoll“. Die SPD habe ihren ZIMT-Regierungspartner CDU und Bürgermeister Wieland Stötzel „gezielt im Regen stehen gelassen“ und blockiere die Flächen-Entwicklung, sagt FDP-Parteichef Christoph Ditschler.

Das Aktionsbündnis „Afföller retten“ will jedenfalls am Mittwoch, 18. Dezember, (18 Uhr im Café Trauma) bei einem weiteren Bündnistreffen die Alternativ-Vorschläge zur Afföller-Nutzung beraten. Neben dem Neubau des Hessischen Landestheaters und der Errichtung eines Hauses der Nachhaltigkeit – ein Treffpunkt für sozialökologische Initiativen – stehen laut Aktivistengruppe vor allem Ideen etwa für ein Jugend- oder Queer-Zentrum, also einen Treffpunkt für Schwule, Lesben und Transsexuelle sowie der Verkehrsknoten – womit unter anderem die von den Grünen geforderte Seilbahn-Verbindung zu den Behringwerken gemeint ist – im Fokus.   

von Björn Wisker  

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