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Marburg Arbeitsmarkt erholt sich
Marburg Arbeitsmarkt erholt sich
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20:43 03.05.2022
Im April waren 4 915 Personen arbeitslos im Landkreis, rund 13 Prozent weniger als vor einem Jahr.
Im April waren 4 915 Personen arbeitslos im Landkreis, rund 13 Prozent weniger als vor einem Jahr. Quelle: Felix Kästle/dpa
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Marburg

Im April waren im Landkreis Marburg-Biedenkopf 4 915 Personen arbeitslos, rund 13 Prozent weniger als vor einem Jahr. Dies sei bei allen Personengruppen angekommen, sowohl beim Vergleich mit dem Vormonat als auch mit dem Vorjahresmonat, sagte am Dienstag Volker Breustedt, Leiter der Marburger Arbeitsagentur.

Die Arbeitslosenquote ging im Landkreis Marburg-Biedenkopf auf 3,7 Prozent zurück, 0,5 Prozentpunkte geringer als ein Jahr zuvor.

„Unter 5 000 Arbeitslose – das ist auf den ersten Blick eine schöne Zahl. Es ist uns gelungen, mehr Menschen in Erwerb zu bringen“, ergänzte Breustedt, fügte allerdings einschränkend hinzu: „Die Zahlen sind im Vergleich mit dem Vorjahr mit Vorsicht zu interpretieren.“ Zum einen habe sich die Pandemielage verändert, andererseits sei vieles abhängig davon, wie sich die Situation in der Ukraine entwickelt. Besonders markant war der Rückgang der Arbeitslosigkeit im Vorjahresvergleich zu beobachten bei den Ausländern (minus 17,2 Prozent) und jungen Menschen zwischen 15 und 25 Jahren (minus rund 24 Prozent).

2 100 Arbeitslose (42,7 Prozent aller arbeitslosen Menschen im Landkreis) gab es in der Versichertengemeinschaft der Agentur für Arbeit, 573 oder 21,4 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Weniger Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vormonat

Im Bereich des Kreisjobcenters Marburg wurden 2 815 Arbeitslose (57,3 Prozent aller arbeitslosen Personen im Landkreis) gezählt, das waren lediglich 180 oder 6 Prozent weniger als im April 2021. „Die Menschen, die dem Kreisjobcenter angesiedelt sind, haben einen anderen Betreuungsschlüssel. Und es ist so, dass der Arbeitsmarkt mehr Menschen annimmt, die leichter zu integrieren sind“, erklärt Breustedt.

Auch im Vergleich zum Vormonat reduzierte sich die Arbeitslosigkeit im Landkreis – es wurden 221 oder 4,3 Prozent weniger arbeitslose Frauen und Männer gezählt. 1 985 Frauen und Männer erhielten Arbeitslosengeld, das waren 463 oder rund 19 Prozent weniger als vor einem Jahr und 138 oder 6,5 Prozent weniger als im März dieses Jahres.

1 119 Personen meldeten sich arbeitslos; das waren 158 oder 12,4 Prozent weniger als im Vormonat März, gegenüber dem Vorjahresmonat waren es 98 oder rund 8 Prozent weniger. Parallel dazu meldeten sich 1 326 Personen aus der Arbeitslosigkeit ab, das waren 128 oder rund 11 Prozent mehr als im März und 187 Personen oder 12,4 Prozent weniger als vor einem Jahr. „Insgesamt gesehen haben wir in unserem Kreis einen gut durchmischten Arbeitsmarkt mit unter anderem der Universität, dem Universitätsklinikum, zahlreichen Produktionsstätten, dem Tourismus und dem Einzelhandel. Ein wirklich guter Mix. Das wirkt sich auch auf die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus, die sich um 26,2 Prozent erhöht hat“, sagt Breustedt.

Von der Energieversorgung „hängt viel ab“

Der Arbeitsmarkt hat sich auch bundesweit und in Hessen erholt: Dank einer weiteren Frühjahrsbelebung sank die Arbeitslosigkeit in Deutschland im April weiter auf 2 309 207 Menschen ohne Job. Das sind rund 53 000 weniger als im März und rund 462 000 weniger als vor einem Jahr. Die Quote sank um 0,1 Punkte auf 5,0 Prozent. Im Vergleich zum April 2021 sank sie sogar um einen kompletten Prozentpunkt.

In Hessen waren zum Stichtag 12. April 156 245 Menschen arbeitslos gemeldet, wie die Regionaldirektion der Arbeitsagentur am Dienstag in Frankfurt berichtete. Das waren gut 2 500 weniger als im März und knapp 32 000 weniger als vor einem Jahr.

Die Arbeitslosenquote sank vom Vormonat um 0,1 Punkte auf 4,5 Prozent. Damit wurde das Vorkrisen-Niveau (4,4 Prozent im April 2019) nahezu erreicht.

Einen Ausblick auf die kommenden Monate will Volker Breustedt nicht wagen: „Das kann im Moment kein Mensch. Viel hängt davon ab, wie sich die Frage der Energieversorgung entwickelt. Was passiert, wenn der Gashahn aufgrund des Kriegs in der Ukraine abgedreht wird? Dies hätte zumindest weitreichende Auswirkungen auf viele Betriebe. Ich bin froh, dass unsere Bundesregierung in dieser Sache bislang besonnen gehandelt hat, sich langsam vom russischen Gas löst, statt sofort alles runterzufahren“, meint Breustedt.

„Keine Auswirkungen durch Teil-Impfpflicht“

Ein weiteres Thema, was vor allem Beschäftigte im Gesundheitswesen umtreibt, ist die einrichtungsbezogene Impfpflicht, auch als Teil-Impfpflicht bezeichnet. „Diese zeigte bislang keine Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt. Eine Mehrung der Stellen aus diesem Grund war nicht zu verzeichnen. Ebenso haben sich lediglich fünf Menschen aus dem hiesigen Landkreis aus diesem Bereich arbeitslos gemeldet“, sagt Breustedt.

Dies liege auch an der hohen Impfquote unter den Beschäftigten im Gesundheitswesen.

Von Michael E. Schmidt