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Marburg Kaputte Straße? Bewohner widersprechen
Marburg Kaputte Straße? Bewohner widersprechen
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12:00 06.11.2019
Die laufenden Bauarbeiten im Oberweg hätten ursprünglich der Kanalerneuerung dienen sollen. Die Stadt hat aber auch erhebliche Straßenschäden festgestellt. Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Schritt für Schritt schreitet einer der Oberweg-Bewohner die Straße ab. Er richtet die Handy-Kamera auf den Boden und dokumentiert den Straßenzustand, bevor sie Anfang Oktober flächendeckend aufgerissen wird. Das Video der Handy-Kamera wackelt, aber auf den Bewegt-Bildern will keiner aus der Oberweg-Nachbarschaft jene „erheblichen Schäden“ erkennen, die von Bürgermeister Wieland Stötzel (CDU) auf OP-Anfrage als Grund für die laufenden Straßenbauarbeiten, die ­angekündigten Anliegergebühren genannt werden. „Furchen ja, Rillen ja, aber doch nichts Dramatisches“, sagt der junge Mann, der die Sequenzen gedreht hat.

„Wenn der Oberweg der Maßstab für kaputte Straßen sein soll, müsste erst die halbe Stadt repariert werden. Alleine jeder einzelne Meter der Frankfurter Straße im Südviertel ist in einem übleren Zustand als die schlechteste Stelle hier bei uns“, sagt ein Anwohner, der sich das anschaut und auch die jüngste Ortsbeiratssitzung, den Gremiums-Beschluss, der vom Magistrat einen Gebühren-Verzicht verlangt, verfolgte.

Stadtverordneter kündigt Parlaments-Antrag an

Ortsvorsteher Dirk Vaupel (CDU) sieht das genauso wie die Oberweg-Nachbarschaft: „Wenn ich überlege, wie lange wir schon auf die nötige Sanierung von anderen Straßen im Stadtteil oder der Innenstadt warten, fehlt mir das Verständnis, wieso jetzt ausgerechnet dieser Bereich dran sein muss.“

Die Stadtspitze verweist auf OP-Anfrage auf den Straßenunterbau, der nach Auswertung von Probebohrungen „ungenügend“ sei. Resultat: „vollständiger Neuaufbau der Fahrbahn nötig“. Die Straße – die täglich nicht nur von Anwohnern, sondern auch von Diakonie-Patienten und Besuchern der Evangeliumshalle genutzt wird – würde ansonsten dem Verkehr „nicht lange standhalten“.

Der CDU-Stadtverordnete, der Ex-Fraktionschef Roger Pfalz kündigte jedoch bereits für die Novembersitzung des Parlaments einen Antrag an, der die strittige Gebührenfrage – es handelt sich laut den Kritikern um eine Kanalerneuerung und Wiederherstellung der Straße, nicht um eine grundhafte Sanierung – thematisieren wird.

von Björn Wisker