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Marburg Mit dem Fahrrad quer durch Afrika
Marburg Mit dem Fahrrad quer durch Afrika
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00:18 03.02.2019
Anselm Pahnke wird in Malawi von Kindern begrüßt. Quelle: Avalia Studios
Marburg

Er trat 40.000 Kilometer lang in die Pedale und durchquerte mehr als 40 Länder, um sich selbst zu finden: Anselm Nathanael Pahnke, Regisseur von „Anderswo. Allein in Afrika“. Seine Definition vom Alleinsein, die so gefundene neue Sicht aufs Leben und die in Afrika gemachten Erfahrungen, beschäftigen seit einigen Wochen Medien und ein interessiertes Publikum in ganz Deutschland.

Was mit einem spontanen Vorschlag von Freunden begann wurde bitterer Ernst, als die Realität ihn einholte. Der Hamburger beschloss, nach seinem Universitätsabschluss mit Freunden durch Afrika zu reisen, eigentlich nur ein paar Wochen. Doch schon zu Anfang seiner Reise blieb ihm nur noch das Fahrrad, die Kamera und die Entscheidung: „Mach ich allein weiter und wenn ja, wie?“

Die raue Landschaft, Angst vor dem Alleinsein sowie die natürliche körperliche Grenze begegneten ihm auf seinem Weg, doch sie hielten ihn nicht davon ab, weiter zu machen. Pahnke war über ein Jahr lang unterwegs. Die Überwindung seiner eigenen Ängste und Barrieren habe ihm neue Erkenntnisse über sich selbst und seinen neuen Weg im Leben gegeben, sagt er. Sein Film handelt daher nicht nur vom Reisen, sondern auch von Menschlichkeit und einer friedlichen Auseinandersetzung mit aktuellen Problemen unserer Gesellschaft.

Routenwahl brachte viele Überraschungen

Bis er 16 war, hatte er selbst keinen Fernseher. Deshalb habe er den afrikanischen Kontinent mit seinen eigenen Augen sehen und erkunden wollen. Der Weg des Filmemachers führte schließlich von Kapstadt über Namibia, Simbabwe, Sambia, Malawi, Tansania, Burundi, Ruanda bis nach Ägypten. Die etwas chaotische Routenwahl über den gigantischen Kontinent, brachte viele Überraschungen mit sich: Grenzübergänge wurden erschwert, das Wasser war öfters knapp und der Körper machte nicht immer mit.

Doch vor allem die positiven Eindrücke seiner Reise trieben Anselm Pahnke an, weiter in die Pedale zu treten. Die Freude und Hilfsbereitschaft, denen er begegnet sei, der unglaubliche Reichtum der Natur, aber auch die ernsthafte Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit hätten ihm immer wieder neue Wege und Möglichkeiten eröffnet.

Auf authentische Art und Weise erzählt der angehende Geophysiker in seinem Film von seinem Weg, auf dem die Aufmerksamkeit anderer Menschen und das Urteilen über sich selbst keine Rolle mehr spielen. „Irgendwann hatte man nicht mal mehr einen Namen“, sagt Anselm Pahnke.

Aus Banalität wird Realität

Die Generation Y (oder die Millennials, wie sie auch genannt wird) wird oft mit der Abhängigkeit von sozialen Medien, wie Facebook, Twitter und Instagram in Verbindung gebracht. Nicht zu unrecht. Das Bild der „Anderen“ von der eigenen Persönlichkeit wird oft auf Selfies, Lifestyle und Likes reduziert.

Jeder will das schönste Essen, den besten Urlaub und den schönsten Hintern haben und stellt dies in sozialen Medien zur Schau. Aus Banalität wird Realität und bald auch bitterer Ernst, denn Ignoranz und Überheblichkeit stehen mittlerweile ganz oben auf der Tagesordnung der heutigen Jugend.

Ist das ein Weg aus oder in die Krise hinein? Zumindest gibt es auch Menschen, wie Greta Thunberg und Anselm Pahnke, die ihr Social Network zum Zwecke des Klimaschutzes und Gesellschaftsdiskurses einsetzen und damit Menschen begeistern. Dazu will Pehnke beitragen.

von Valerija Levin