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Marburg Vorzeigewohngebiet soll entstehen
Marburg Vorzeigewohngebiet soll entstehen
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10:00 24.10.2019
Das mit einer gestrichelten Linie gekennzeichnete Gebiet soll Baugebiet werden. Quelle: Archivfoto
Marburg

Die Präsentation der Workshop-Ergebnisse fand mit rund 100 Teilnehmern in den Räumen der Stadtteilinitiative­ IKJG mitten im Stadtwald-Quartier statt. Am Rande dieses Stadtviertels soll in fünf bis sechs Jahren der Startschuss für den Bau eines neuen Quartiers mit 300 bis 350 Wohnungen fallen (die OP berichtete).

Und die Politik will die Bürger dieses Mal noch stärker als bisher ins Boot holen. Der komplette hauptamtliche Magistrat war am Dienstag bei der Ergebnis-Vorstellung mit dabei. Im Vorfeld des geplanten städtebaulichen Wettbewerbs gab es vier Bürgerrunden zu den Themen „Wohnen“, „Infrastruktur und Soziales“, „Erschließung“ sowie „Umwelt, Natur und Landschaft“.

Daran beteiligten sich rund 200 Bürger, davon die Hälfte direkt aus dem Stadtwald-Viertel. Fast 750 Ideen und Anregungen für die künftige ­Gestaltung der Wohnsiedlung kamen dabei zusammen, wie Stadtplanungsamts-Chef Reinhold Kulle bei der Präsentation erläuterte. Das Team der Stadtplanung, zu dem noch federführend Monika Brüning und Manuela Klug gehörten, nahm alle Anregungen auf und bündelte sie dann nach inhaltlichen Schwerpunkten.

Es soll das verträglichste Baugebiet entstehen

Das übergreifende Ziel ist, dass die Ideen der Bürger in den Text einfließen, mit dem Städteplaner zu dem Wettbewerb aufgefordert werden. Zwei Bürger mit Rederecht, aber ohne Stimmrecht sollen der Jury für diesen Wettbewerb angehören, fünf Kandidaten meldeten sich für diese Aufgabe.

Und das sollen den Bürger-Anregungen zufolge die Kernziele bei der Entwicklung des neuen Wohngebietes sein:

  • ein hoher Anteil an gefördertem, preiswertem Wohnungsbau (mindestens 30 Prozent);
  • eine gute Durchgrünung des Wohnquartiers;
  • klimagerechter Städtebau;
  • die Vernetzung mit dem bestehenden Quartier Stadtwald;
  • ein innovatives Verkehrskonzept sowie
  • die Schaffung von Begegnungsräumen.

„Wir versuchen, alle Anregungen ernst zu nehmen und in den weiteren Prozess mit einzubeziehen“, versprach Stadtplaner Kulle. Es solle schließlich das verträglichste Baugebiet entstehen, das je in Marburg gebaut wurde. Ein Teil des Wohngebiets könnte auch für experimentelle Wohnformen genutzt werden.

Kita-Standort könnte geplant werden

Die Palette der Ideen dafür reichte von „Tiny Houses“ oder Mehrgenerationen-Wohngemeinschaften und einem ­Wagenplatz als Begegnungszentrum bis hin zur Einrichtung ­eines Campingplatzes. Einen neuen Schulstandort soll es nach Abstimmung mit den zuständigen Fachbehörden allerdings wohl nicht am Stadtwald geben, berichtete Manuela­ Klug.

Denn die erforderliche Jahrgangsbreite dafür würde wohl auch nicht mit dem neuen Wohngebiet erreicht,­ ­fügte OB Spies an. Ein Kita-Standort allerdings könnte durchaus ­geplant werden. Diese und weitere ganz konkrete Fragen wie beispielsweise die Frage nach zusätzlichen Bushaltestellen sollen allerdings erst im späteren Planungsprozess für das Wohngebiet auf die Agenda kommen.

Auch der Erwerb der Grundstücke durch die Stadt soll jetzt durch die Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) vorangetrieben werden. So gebe es bereits erste Kontakte mit den Landwirten, die die Grundstücke besitzen, erläuterte Reinhold Kulle. Ein unabhängiger Gutachterausschuss erstellt derzeit ein Verkehrswertgutachten, um Richtwerte für mögliche Grundstückspreise festzulegen.

Die von vielen Bürgern geäußerten Befürchtungen in Sachen Klimaschutz sollen bei der gesamten Planung vordringlich behandelt werden. „Die Stadt Marburg hat den Klimanotstand ausgerufen. Es wird jetzt nicht Beton mit Ölheizung gebaut“, machte Oberbürgermeister Spies deutlich. Zudem soll einer der vier Messpunkte für das stadtweite Klimagutachten am Hasenkopf eingerichtet ­werden.

von Manfred Hitzeroth