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Marburg Die Fronten sind verhärtet
Marburg Die Fronten sind verhärtet
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21:57 31.08.2020
30 überwiegend junge Menschen kamen zu einer "Mahnwache" vor dem Georg-Gaßmann-Stadion, um ihren Protest gegen den A-49-Weiterbau zum Ausdruck zu bringen.
30 überwiegend junge Menschen kamen zu einer "Mahnwache" vor dem Georg-Gaßmann-Stadion, um ihren Protest gegen den A-49-Weiterbau zum Ausdruck zu bringen. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Die Gegner des Weiterbaus der Autobahn 49 zwischen Stadtallendorf und Homberg (Ohm) verstärken ihren Protest. Am frühen Montagabend (31. August) waren es in Marburg 30 überwiegend junge Menschen, die vor dem Georg-Gaßmann-Stadion ihren Protest in einer „Mahnwache“ zum Ausdruck brachten.

Anlass war die Nominierung des SPD-Bundestagsabgeordneten Sören Bartol zum Wahlkreiskandidaten der SPD Marburg-Biedenkopf für die Bundestagswahl im kommenden Jahr. Bartol hatte sich den Zorn der Autobahngegner zugezogen, weil er sich im OP-Interview für den Weiterbau der A 49 ausgesprochen hatte, obwohl er „hässliche Bilder“ bei der Räumung des Dannenröder Forstes erwartet.

Ein neues "Lärmband" entstehe durch A 49

Christoph Schulze-Gockel von der Schutzgemeinschaft Gleental widersprach dem Gedanken, dass bestehende Bundesstraßen durch den Autobahnbau entlastet werden. Dies sei ein Irrglaube. Ein neues „Lärmband“ entstehe. Schulze-Gockel argumentierte vor allem mit dem notwendigen Schutz des Grundwasserspiegels.

Im dritten Hitzesommer nacheinander sei im Vogelsberg aus manchen Wasserhähnen kein Wasser mehr gekommen, sagte er und schlussfolgerte: „Baurecht ist keine Baupflicht.“ Er warf den Behörden „eklatante Fehlentscheidungen“ vor und sagte, die A 49 sei nach heutigem Recht nicht mehr genehmigungsfähig.

Auch Bosco van Andel von der Fridays-for-future-Gruppe Marburg wiederholte das nun schon mehrfach gehörte Argument, der Autobahnbau werde die Trinkwasserversorgung gefährden. Gewinner des Baus seien vor allem die Firmen Ferrero und Fritz Winter aus Stadtallendorf.

Van Andel kritisierte Bartol und seine Aussagen im OP-Interview scharf, sprach von „widerlicher Propaganda“. Bartol, der sich vor seiner Nominierungsveranstaltung im Innenraum des Georg-Gaßmann-Stadions aufhielt, verzichtete darauf, in den Dialog zu treten – aber das war womöglich auch nicht das Ziel der Demonstranten. Auch nicht das der überwiegenden Mehrzahl der SPD-Mitglieder, die sich an der Mahnwache vorbei ihren Weg zur Nominierungsveranstaltung bahnten. „Lasst uns aus dem Danni einen zweiten Hambi machen“, rief van Andel. Die Proteste werden weitergehen.

von Till Conrad