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Marburg Die Marburger Stadtgeschichte in Objekten
Marburg Die Marburger Stadtgeschichte in Objekten
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12:17 25.05.2022
Die Marching Band „The Small Easy“ zog in den Schlosshof ein.
Die Marching Band „The Small Easy“ zog in den Schlosshof ein. Quelle: Manfred Hitzeroth
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Marburg

Der Sonntag (24. April) stand anlässlich des Jubiläumsjahrs „Marburg 800“ ganz im Zeichen der Stadtgeschichte. Zunächst wurde im Rathaus die „Jahrhundertgalerie“ eröffnet. Auf zwei Stockwerken prangen dort 60 Bilder von Zeitzeugnissen und Dokumenten aus der Zeit von der Ersterwähnung Marburgs als Stadt im Jahr 1222 bis zur Milleniumsfeier im Jahr 1999. „Außerdem haben wir dazu die Wände neu gestrichen und die Treppen in Ordnung gebracht“, betonte der Marburger Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) in seiner Eröffnungsrede am Marktplatz.

Zudem wies er auch auf den zweiten Baustein der dreigeteilten Ausstellung „Stadtgeschichten“ hin, der sich in der Brüder-Grimm-Stube am Markt 23 unweit des Rathauses befindet. Dort befindet sich eine Art „virtuelles Museum“, in dem vor allem mit den Mitteln der digitalen Techniken und im Bildformat acht Objekte aus der Alltagsgeschichte aus acht Jahrhunderten inszeniert werden.

Eine bunte Palette von Gegenständen

Geschichte solle in Geschichten inszeniert werden, erläuterte OB Spies. Mehr als 100 Menschen hätten sich in einer kombinierten Arbeitsgruppe aus dem städtischen Fachdienst Kultur sowie dem Uni-Museum für die Ausstellung zusammengetan. Zu Fuß oder per E-Bus ging es anschließend hoch aufs Landgrafenschlosses, wo in einem Saal im Südflügel Hauptteil der Ausstellung angesiedelt ist. Der ursprüngliche Plan einer Entdeckungstour durch das Schloss sei zwar gestrichen worden, sagte Dr. Christoph Otterbeck, der Direktor des Uni-Museums. Dennoch sei er froh, dass jetzt im Jubiläumsjahr diese Ausstellung im Schloss stattfinden könne.

Das Konzept sei es gewesen, anhand von 40 Objekten die Marburger Geschichte wie in einer Art „Blitzlicht-Gewitter“ Revue passieren zu lassen. Dabei sei auch ein Schwerpunkt auf Alltagsobjekte gelegt worden. Denn Stadtgeschichte bestehe nicht nur aus Stolz und weihevoller Zurschaustellung, sondern zeuge auch von den Konflikten, die sich abgespielt hätten.

Und so gibt es eine bunte Palette von Gegenständen zu sehen: Das beginnt beim Konradschild, dem Schild des Landgrafen Konrads von Thüringen aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Das jüngste Objekt der Stadtgeschichte ist ein Megaphon, das zusammen mit einer Flugblattsammlung an die Zeit der Studentenunruhen um 1968 erinnert. Vier unterschiedliche Kleidungsstücke – ein studentischer Parka, ein Professoren-Talar, eine Tracht sowie die Jacke eines Kriegsgefangenen – sollen zudem verdeutlichen, dass es nicht immer nur strahlende Geschichte gab.

Ein besonders prunkvolles Ausstellungsstück ist der Marburger Wandteppich vom verlorenen Sohn, der in acht Hauptfeldern das Gleichnis vom verlorenen Sohn aus dem Lukas-Evangelium bildlich nacherzählt. Dr. Christoph Becker berichtete am Sonntag aber auch darüber, dass der eigentlich schon seit dem 16. Jahrhundert in der Elisabethkirche aufbewahrte Wandteppich vom Jahr 1919 gestohlen wurde und erst einige Jahre später dank detektivischen Spürsinns eines ehemaligen Marburger Studenten wieder entdeckt wurde und – vermutlich gegen ein Lösegeld – wieder nach Marburg zurückgebracht wurde.

Zwei zur Schau gestellte Exponate erinnern vor allem an die städtische Geschichte. Das ist zunächst die Wetterfahne vom Marburger Rathaus aus dem Jahr 1663. Das schmiedeeiserne Kunstwerk, das sich einst am Rathaus nach dem Wind drehte, zeigt einen Reiter auf einem Pferd, der wahrscheinlich eine Pike mit abgebrochener Spitze als Waffe zückt.

Modell des Schäferschen Hauses 1956 angefertigt

Noch weiter zurückverweist das eindrucksvolle Modell des Schäferschen Hauses, das den Aufbau des einst ältesten Marburger Fachwerkhauses zeigt, das nach dem Stadtbrand von 1319 in der Oberstadt errichtet wurde und erst im Jahr 1875 abgerissen wurde. Der damalige Universitätsarchitekt Carl Schäfer nutzte die Gelegenheit des Abrisses, um die noch vorhandene Bausubstanz zu dokumentieren. So kam der Name „Schäfersches Haus“ zustande. Im Jahr 1956 wurde nach Schäfers Angaben das Modell angefertigt.

Geschichten zu diesen und allen anderen Objekten sind in dem reichhaltig bebilderten Buch „Marburg Stadtgeschichten 1222 – 2022“ nachzulesen, das im Wallstein-Verlag erhältlich ist. Es umfasst 144 Seiten und kostet 14 Euro.

Von Manfred Hitzeroth

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