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Notaufnahme in Not
Notaufnahme in Not
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08:00 26.07.2022
Dr. Andreas Jerrentrupp an der Notfallzufahrt am UKGM in Marburg.
Dr. Andreas Jerrentrupp an der Notfallzufahrt am UKGM in Marburg.  Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Das geschieht, wenn die Notaufnahme oder die für die Erkrankung eines Patienten spezialisierte Abteilung ausgelastet ist.
„Am Freitag waren zeitweise fast alle Krankenhäuser in Hessen zu“, berichtet Dr. Andreas Jerrentrup vom derzeitigen Zustand an den Kliniken. Laut des Chefarztes der Notaufnahme am UKGM-Standort auf den Lahnbergen geschieht der Transport in andere Häuser, damit Patienten schnell und bestmöglich versorgt werden können.

Für das Steuern des Verteilens der Patienten bedienen sich die Kliniken und Rettungsleitstellen eines webbasierten Steuerungssystems namens Ivena. Neben Hessen wenden mittlerweile auch Bayern und Niedersachsen dieses System an. Die Disponenten in den Rettungsleitstellen können am Bildschirm sehen, wohin ein Patient je nach Diagnose gebracht werden kann, wenn die benötigte Abteilung des nächstliegenden Krankenhauses „zu“ ist.

Notaufnahmen: 13,9 Prozent mehr im ersten Halbjahr

Was „zu“ ist, zum Beispiel die Notaufnahme, wegen des Andrangs oder einzelne Abteilungen in den Häusern, weil keine Betten mehr frei sind, melden die Kliniken an das System. Ursache des Notstandes sind nicht nur die erhöhten Infektionszahlen unter den Klinik-Mitarbeitern. Laut Jerrentrup ist die „Belastung extrem hoch“, weil im ersten Halbjahr 13,9 Prozent Patienten mehr in der Notaufnahme eintrafen. Die Gründe für diesen sprunghaften Anstieg sind noch unklar, sollen aber ermittelt werden. Dennoch gilt auf den Lahnbergen: „Wir können die Notfallversorgung zum Glück noch aufrechterhalten“, sagt Jerrentrup. Er versichert, dass fußläufige Patienten, also solche, die Verwandte, Freunde oder Bekannte zur Notaufnahme bringen, immer aufgenommen werden.

Besucherzugang bleibt frei

Eingeschränkte Besuchszeiten oder gar eine komplette Zugangssperre für Besucher, wie sie seit vergangener Woche einige hessische Krankenhäuser praktizieren, sind im Landkreis noch nicht in Sicht – weder in Marburg noch in Biedenkopf. Ob sich die Lage ändert, weiß niemand, es könne aber schnell reagiert werden. Am UKGM tage dazu wöchentlich ein Krisenstab, bei Bedarf auch öfter und kurzfristig, erklärt Pressesprecher Frank Steibli. Bisher ist der Zugang mit einer FFP2-Maske und aktuellem negativen Test – in manchen Häusern auch nur zu bestimmten Zeiten – möglich. Im Süden Hessens schlossen Kliniken die Besucher aus. Wie der Hessische Rundfunk berichtete, geschah dies aufgrund der angestiegenen Inzidenz, dem Krankenstand des Personals und wegen Disziplinlosigkeit der Besucher beim Maskentragen.

Von Gianfranco Fain

Pflege noch nicht gefährdet

Als eine der wenigen Pflegeeinrichtungen verzeichnet die Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Marburg-Biedenkopf keinen Personal-Engpass. „Momentan haben wir ausreichend Personal, wobei auch immer wieder Engpässe entstehen können“, sagt Pressesprecherin Sigrid Wieder. Die AWO betreibt drei Altenpflegeheime in Stadtallendorf, Lohra und Gladenbach. Hinzu kommt ein mobiler Pflegedienst in Stadtallendorf.

Ähnlich steht es auch um die Personalsituation in der Altenpflegeeinrichtung am Alten Botanischen Garten. Der Träger der Einrichtung ist die DRK-Schwesternschaft in Marburg. Pflegedienstleiter und Geschäftsführer Manuel Gaul bestätigt zwar den Trend, dass es zu wenige Kräfte in der Pflege gibt, seine Einrichtung hingegen verzeichnet momentan keinen Personalengpass. „Natürlich befinden wir uns in der Urlaubszeit, und Corona spielt auch immer wieder eine zentrale Rolle. Aber zur Zeit befinden wir uns in einer Phase nach der Personalausfall-Welle im April.“ Die Befürchtung, dass ein solcher Personalausfall wiederkehrt sei dennoch da. Bisher hätten die Engpässe gut kompensiert werden können.

Von Larissa Pitzen 

ÖPNV: Ersatzverkehr nicht immer möglich

Stark steigende Corona-Infektionsrate und ein erhöhter Krankenstand stellen aktuell auch die Verkehrsunternehmen im RMV vor Probleme. Dadurch kommt es zu Engpässen beim Personal, die teilweise nicht kompensiert werden können. Der RMV verweist zwar darauf, dass „in einzelnen Fällen“ Not- und Ersatzverkehr eingerichtet werde. Dies sei allerdings nicht immer möglich.

Auch die Deutsche Bahn kämpft derzeit mit einem akuten Personalmangel in nahezu allen Dienstleistungsbereichen. „Wie überall ist auch die Deutsche Bahn derzeit von erhöhten Krankenständen betroffen, was kurzfristig regional zu Personalengpässen führen kann. Wir entschuldigen uns bei unseren Reisenden für die Unannehmlichkeiten und bitten um Verständnis“, sagt eine Sprecherin der Bahn.