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Marburg Französin Claire Mathon wird ausgezeichnet
Marburg Französin Claire Mathon wird ausgezeichnet
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09:00 04.05.2022
Die französische Kamerafrau Claire Mathon erhält den Marburger Kamerapreis 2022. 
Die französische Kamerafrau Claire Mathon erhält den Marburger Kamerapreis 2022.  Quelle: Privatarchiv Claire Mathon
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Marburg

Am Samstag (7. Mai) wird zum 21. Mal der Marburger Kamerapreis verliehen. Er geht an die französische Kamerafrau Claire Mathon. Der Preis wird um 20 Uhr zum ersten Mal im Cineplex feierlich überreicht. Bisher fanden die Preisverleihungen immer in der Aula der alten Universität statt. Die Laudatio hält der französische Filmregisseur und Schauspieler Thierry de Peretti. Der Eintritt zur Preisverleihung ist frei. Am Freitagabend wird sich Claire Mathon ins Goldene Buch der Stadt Marburg eintragen.

Der Marburger Kamerapreis ist mit 5000 Euro dotiert. Vergeben wird er seit dem Jahr 2000 gemeinsam von der Philipps-Universität und der Universitätsstadt Marburg für herausragende Bildgestaltung in Film und Fernsehen. Der Marburger Kamerapreis würdigt die besondere Leistung von Kameramännern und Kamerafrauen für das Medium Film. Meist stehen ausschließlich die Schauspielerinnen und Schauspieler als Stars sowie die Regisseurinnen und Regisseure im Zentrum der Beachtung. Filmstars und Regisseure kennen Kinobesucher in der Regel, sie sind ein Grund, Filme anzusehen. Kameramänner und -frauen dagegen bleiben oft nahezu unbekannt. Der Beruf gilt als Handwerk. Doch Film ohne Bilder geht nicht und je besser die Bilder, desto besser der Film. So will der Preis dem „Verkennen und Übersehen der Kameraleistung“ entgegenwirken.

Filme von Claire Mathon

2006: Verzeiht mir (Pardonnez-moi)

2009: Handeln = Aktivistinnen (Action = militantes)

2009: Plein Sud – Auf dem Weg nach Süden (Plein sud)

2010: Angèle und Tony (Angèle et Tony)

2010: Ich bin eine Terroristin

2013: Der Fremde am See (L’inconnu du lac)

2015: Mein ein, mein alles (Mon roi)

2016: Haltung bewahren! (Rester vertical)

2019: Atlantique

2019: Porträt einer jungen Frau in Flammen (Portrait de la jeune fille en feu)

2019: Es ist ein Drama (Un film dramatique)

2021: Spencer

2021: Petite Maman – Als wir Kinder waren (Petite maman)

Eingebettet ist die Preisverleihung in die Marburger Bild-Kunst-Kameragespräche, die von Donnerstag bis Samstag im Studio (Capitol-Center in der Biegenstraße) stattfinden. Eröffnet werden die Kameragespräche am Donnerstag um 16.30 Uhr mit dem Film „Petite Maman“, der im März in die deutschen Kinos kam. Um 21.30 Uhr steht am Donnerstag Pablo Larrains hochgelobtes Biopic „Spencer“ mit Kristen Stewart als Lady Di auf dem Programm, dessen Bilder Claire Mathon verantwortete. Die Kameragespräche, zu denen Claire Mathon erwartet wird, richten sich an ein cineastisch interessiertes Publikum.

„So spektakulär wie Claire Mathon ist selten eine Kameraperson in das Bewusstsein einer breiten filminteressierten Öffentlichkeit getreten“, heißt es in der Begründung der Jury. „Wir verleihen ihr den Marburger Kamerapreis daher zum einen für das exzellente und überaus eindrucksvolle Werk der letzten 15 Jahre, zum anderen aber auch als Ermutigung dafür, diesem von ihr so souverän beschrittenen Weg künftig ebenso entschlossen weiter zu folgen.“

Preisträgerinnen und Preisträger

2001: Raoul Coutard (Frankreich)

2002: Frank Griebe (Deutschland)

2003: Robby Müller (Niederlande)

2004: Sławomir Idziak (Polen)

2005: Walter Lassally (Vereinigtes Königreich / Deutschland)

2006: Judith Kaufmann (Deutschland)

2007: Eduardo Serra (Portugal / Frankreich)

2008: Renato Berta (Schweiz)

2009: Wolfgang Thaler (Österreich)

2010: Jost Vacano (Deutschland)

2011: Anthony Dod Mantle (Vereinigtes Königreich)

2012: Agnès Godard (Frankreich)

2013: Reinhold Vorschneider (Deutschland)

2014: Paweł Edelman (Polen)

2015: Edward Lachman (USA)

2016: Jürgen Jürges (Deutschland)

2017: Luca Bigazzi (Italien)

2018: Hélène Louvart (Frankreich)

2019: Thomas Mauch (Deutschland)

2020: Philippe Rousselot (Frankreich)

2022: Claire Mathon (Frankreich)

Claire Mathon wurde am 1. Januar 1975 geboren. Sie studierte an der renommierten, 1926 gegründeten École nationale supérieure Louis-Lumière in Noisy-le-Grand bei Paris, an der Regisseure wie Jean-Jaques Annaud (Der Name der Rose) und Fred Zinnemann (Zwölf Uhr mittags), der Schriftsteller Michel Houellebecq sowie die Marburger Kamerapreisträger Philipp Rousselot und Eduardo Serra studierten. Das Studium schloss sie 1988 ab. Claire Mathon arbeitete anfangs als Kameraassistentin für Film, Fernsehen und Dokumentationen. 2005 war sie eigenständige Kamerafrau für den Kurzfilm „Le petit chevalier“.

Inzwischen zeichnet sie als Kamerafrau verantwortlich für 26 Filme. 2018 wurde die 47-Jährige in die Academy of Motion Picture Arts and Sciences berufen, die jährlich die Oscars vergibt. International bekannt wurde sie insbesondere mit dem Film „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ von Regisseurin Célinne Sciamma, mit der sie häufiger zusammengearbeitet hat, und zuletzt der großen Produktion „Spencer“.

Im vergangenen Jahr wurde wegen der Corona-Pandemie kein Kamerapreis verliehen.

Von Uwe Badouin