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Marburg Marbach feiert erst in zehn Jahren
Marburg Marbach feiert erst in zehn Jahren
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17:57 01.12.2020
Ortsvorsteher Jürgen Muth steht mit einem historischen Ortsschild vor einer Wand mit alten Fotos im Bürgerhaus Marbach. Bis zur Gebietsreform 1974 war Marbach noch selbstständig.
Ortsvorsteher Jürgen Muth steht mit einem historischen Ortsschild vor einer Wand mit alten Fotos im Bürgerhaus Marbach. Bis zur Gebietsreform 1974 war Marbach noch selbstständig. Quelle: Thorsten Richter
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Marbach

Eigentlich sollte im Marburger Stadtteil Marbach im Jahr 2022 das 750-jährige Bestehen gefeiert werden, und somit im selben Jahr wie die 800-Jahrfeier der Stadt Marburg. Die Duplizität dieser Feiern hat gute Tradition.

Denn schon im Jahr 1972 beging die bis zur Eingemeindung nach Marburg im Zuge der Gebietsreform 1974 noch selbstständige Gemeinde Marbach die 700-Jahrfeier, als die Stadt Marburg den 750. Geburtstag feierte.

Der Marbacher Ortsvorsteher Jürgen Muth erinnert sich sogar noch persönlich, dass damals in Marbach die Hauptfeier schon im Juni über die Bühne ging, und die Stadt Marburg erst kurz darauf nachzog.

Doch nachdem Dr. Hans-Peter Lachmann, pensionierter Archivdirektor des Hessischen Staatsarchivs, genauer im Archiv nachgeforscht hat, stellt sich die Situation mittlerweile anders dar.

Ortsverwechslung?

Denn demnach kann die Urkunde, die bislang als Beleg für die Ersterwähnung Marbachs herangezogen worden war und die auf den 12. August 1272 datiert ist, nicht länger für die Datierung herangezogen werden. In diesem aus dem Archiv der Grafschaft Ziegenhain stammenden Schriftstück ist von einem Dienstmann der Grafen namens Syboto de Marpach die Rede.

Doch nach eingehendem Studium der Urkunde und weiterer Überlieferungen im Staatsarchiv Marburg ist sich Lachmann sicher, dass es sich in diesem Fall um das Marbach in der Nähe von Fulda handeln muss. Dort ist zudem bereits im Jahr 1225 ein Siboto von Marbach aktenkundig.

Ersatzweise kommen somit für die Ersterwähnung von Marbach bei Marburg zwei Urkunden aus dem Jahr 1280 in Frage, was wiederum die 750-Jahrfeier um acht Jahre in die Zukunft verschieben würde. Es ging damals im Streit zwischen Landgraf Heinrich I. sowie dem Deutschordenshaus Marburg um gegenseitige Rechtsansprüche und Besitzungen, unter anderem um die Gerichtsbarkeit im Dorfe Marbach. Gleich zwei Urkunden der beiden Parteien vom 2. Juni 1280 gehen darauf ein.

Auskunft aus den Staatsarchiv

Aufgrund der aktuellen Archiv-Nachforschungen hatten auch die Marbacher Verantwortlichen bisher mit den Jubiläumsplanungen für 2022 noch gewartet. „Wir hatten noch nichts geplant und wollten erst ganz sichergehen“, sagte Ortsvorsteher Muth auf OP-Anfrage.

Denn unter anderem ging es darum, ob und wann an Marbach die Freiherr-vom-Stein-Ehrenurkunde verliehen werden kann. Um dieses hieb- und stichfest zu machen, erkundigte sich nun nach Bitten aus Marbach Lothar Sprenger vom Büro zur Unterstützung der kommunalen Gremien der Stadtverwaltung Marburg beim Staatsarchiv nach der Sachlage in diesem Fall. Er erhielt beim Archiv die Auskunft, dass das neuerliche Datum der Ersterwähnung Marbachs – das Jahr 1280 – seine Richtigkeit habe, teilte Sprenger der OP nun auf Anfrage mit.

Ortsbeirat stimmt ab

Ortsvorsteher Muth will jetzt handeln und das Stadtteiljubiläum verschieben. „Voraussichtlich werden wir im Jahr 2030 feiern“, sagte er der OP. Er zeigte sich allerdings noch vorsichtig, weil er sicherheitshalber erst ein Votum des Marbacher Ortsbeirates abwarten möchte. Doch es deutet alles darauf hin, dass sich die Wege von Marburg und Marbach zumindest jubiläumsmäßig demnächst trennen werden.

Und wie wollten die Marbacher eigentlich ihre 750-Jahrfeier begehen? Die Grobplanung sah bisher eine Art Grenzgang mit einer anschließenden Feier an der Grillhütte vor. Also alles eine Nummer kleiner als die Stadt Marburg, die sich bekanntlich unter dem Motto „MR 800“ eine opulente Jubiläumsplanung für 2022 auf ihre Fahnen geschrieben hat. Aber einen Vorteil würde eine Festverschiebung für Marbach auf jeden Fall haben. Das Jubiläumsjahr 2030 hätte der Marburger Stadtteil dann exklusiv für sich.

Von Manfred Hitzeroth

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