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Marburg Manfred Hoim macht Schluss mit der Politik
Marburg Manfred Hoim macht Schluss mit der Politik
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15:00 13.07.2021
Manfred Hoim geht in den politischen Ruhestand.
Manfred Hoim geht in den politischen Ruhestand. Quelle: Silke Pfeifer-Sternke
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Michelbach

Zwei Drittel seines Lebens hat sich Manfred Hoim der Kreisverwaltung und der Kommunalpolitik verschrieben – mit 78 Jahren fährt er seine politischen Aktivitäten jetzt auf Null zurück. Sein Terminkalender ist nur noch gefüllt mit privaten Terminen. Das ist noch gewöhnungsbedürftig.

Als Kommunalpolitiker hat er nach der Maxime gehandelt „Ehrlich währt am Längsten“. „Der Bürger merkt, wenn man ein Versprechen nicht einhält“, sagt Hoim. Drei Legislaturperioden hat er die Geschicke der Ostkreiskommune Neustadt geleitet – zwei Mal davon wurde er in einer Direktwahl im Amt bestätigt. Der Start als Bürgermeister war für ihn alles andere als einfach. Er wurde zwar von der Stadtverordnetenversammlung gewählt und musste nicht die Mehrheit der Neustädter Wähler von seinen Qualitäten als Stadtoberhaupt überzeugen. Jedoch hatte die CDU Fraktion, die ihn im Januar 1989 gewählt hatte, bei der im März stattgefundenen Kommunalwahl ihre Mehrheit verloren. Der Start ins Amt am 1. Juni 1989 war deshalb etwas schwieriger als erwartet. Es schoss ihm manchmal durch den Kopf: „Welcher Teufel hat dich geritten ...“ So hat er relativ schnell erkannt, dass es nur miteinander geht.

Ein Kommunalpolitiker muss überzeugen

Hoim kam ins Gespräch als Bürgermeister, weil er sich in Marburg als Stadtverordneter einen Namen gemacht hat. In Neustadt überzeugte er mit seinem Handeln. In der Summe war er dort 18 Jahre Rathauschef. Was den Verwaltungsmensch Hoim heute am meisten stört: Bürgermeisterkandidaten müssen keine besonderen Anforderungen für das Amt erfüllen.

Mit 18 Jahre flüchtet Hoim aus der DDR in den Westen – ein halbes Jahr vor dem Mauerbau. Als Betriebsschlosser in Frankfurt fing er an, sich eine Existenz aufzubauen. 1964 hat er seine drei Jahre jüngere Frau Sybille geheiratet, die er am 13. August 1961 am Tag des Mauerbaues – vor 60 Jahren – kennengelernt hatte. Dann folgte die Bundeswehrzeit und schließlich begann Hoims politisch vorgezeichneter Weg mit der ersten Verwaltungsprüfung 1967 und der zweiten Verwaltungsprüfung für den gehobenen Dienst in 1974.

Politischer Werdegang

Manfred Hoim blickt auf eine langjährige kommunalpolitische Karriere zurück. Er war von

1985 bis 1989: Stadtverordneter in Marburg

1989 bis 1995: Bürgermeister von Neustadt

1995 bis 2001: Bürgermeister von Neustadt (Direktwahl)

2001 bis 2007: Bürgermeister von Neustadt (Direktwahl)

1993-2021: Mitglied im Kreistag (14 Jahre) und Mitglied im Kreisausschuss (14 Jahre)

Es war Hoim immer wichtig, dass er als Christdemokrat ein Bürgermeister für alle ist, auch wenn er sich damit auch nicht immer Freunde gemacht hat. Sein Weg bestand stets darin, Probleme in Gesprächen zu lösen. Man könne ruhig unterschiedlicher Meinung sein, und wenn man nicht auf einen Nenner kommt, ist das aus Hoims Sicht durchaus „akzeptabel“. Die Aufgabe eines Kommunalpolitikers sieht er darin, die Bürger davon zu überzeugen, was notwendig und was wichtig ist.

In seiner ersten Amtsperiode als Bürgermeister hat sich Hoim voll und ganz auf das Amt konzentriert. Erst nach vier Jahren – im März 1993 – übernahm er mit dem bei der Kommunalwahl erworbenen Mandat als Kreistagsabgeordneter eine weitere politische Verpflichtung. Dies führte zuweilen dazu, dass Hoim den Stadtverordneten „Zuhause“ sein Abstimmungsverhalten im Kreistag begründen musste. Ein Diener zweier Herren zu sein, sei immer schwierig – vor allem wenn man in der Regierungsverantwortung steht, sagt er.

14 Jahre war Hoim im Kreistag, anschließend noch 14 Jahre im Kreisausschuss – sozusagen in der Kreisregierung. Zählt man alle seine politischen Ämter und seine Beschäftigung bei der Kreisverwaltung (18 Jahre) und die ersten vier Jahre als Bürgermeister zusammen, war Hoim am 30. Juni 2021 50 Jahre direkt beziehungsweise indirekt für den Kreis tätig. Seinen letzten „Arbeitstag“ hatte der 78-jährige am 2. Juli, einen Tag zuvor war offiziell sein 50-jähriges „Dienstjubiläum“.

Noch vermisst er seine politischen Aufgaben nicht, aber er muss sich noch daran gewöhnen, dass er nicht mehr termingetrieben ist. Manfred Hoim und seine drei Jahre jüngere Ehefrau Sybille freuen sich auf das, was kommt. Sie haben viel Abwechslung durch ihre Verpflichtung als Großeltern von sechs Enkelkindern und zwei Urenkeln. Und überhaupt findet Hoim, dass er nun in einem Alter ist, in dem es reicht mit der Politik. Zumal es im Kreistag auch nicht einfacher werde. Anfangs mussten nur vier oder fünf Fraktionen unter einen Hut gebracht werden, mittlerweile gibt es acht Fraktionen und zwei Einzelkämpfer.

Auf das Ehepaar Hoim wartet viel Abwechslung

Eine richtig schwere Zeit hatten Hoims Anfang des Jahres: Das Ehepaar hatte sich mit Corona infiziert. „Ein Tiefschlag“, blickt Manfred Hoim auf die Zeit in der Quarantäne zurück. Vor allem weil tagtäglich Corona-Meldungen über die schweren Verläufe der Covid-Erkrankung und die Folgeschäden durch die Medien geisterten. Seit vergangener Woche gehört die Sorge um die Gesundheit nun der Vergangenheit an – das Ehepaar ist geimpft. Ein halbes Jahr haben sie als Genesene auf den langersehnten Picks warten müssen.

Wenn sich die Situation in den kommenden Wochen stabilisiert, will das Paar zur Erholung nach Bad Füssing fahren, einem Kurort im Niederbayerischen Bäderdreieck. 28 Mal waren sie bereits dort, doch wenn die Inzidenzen wieder steigen, bleiben Hoims in Michelbach: „Was nicht geht, geht es nicht“, sagt der politische Pensionär, der die Kommunalpolitik ad acta gelegt hat.

Von Silke Pfeifer-Sternke