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Marburg Macher der AfD-Fraktion treten nicht an
Marburg Macher der AfD-Fraktion treten nicht an
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13:52 11.02.2021
Der stellvertretende AfD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Eric Markert aus Kirchhain, tritt nicht mehr an.
Der stellvertretende AfD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Eric Markert aus Kirchhain, tritt nicht mehr an. Quelle: Foto: Nadine Weigel
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Marburg

Die AfD kandidiert nach 2016 ein zweites Mal für den Kreistag Marburg-Biedenkopf. Aber nur vier der derzeit acht Fraktionsmitglieder stehen wieder auf der Liste für die Wahl am 14. März.

Für das Verständnis: Eigentlich zog die AfD 2016 mit zehn Mandatsträgern als drittstärkste Fraktion in den Kreistag ein. Allerdings kam es schon recht bald dazu, dass zwei Mitglieder aus der AfD austraten, aber ihr Mandat behielten und sich den Freien Wählern anschlossen. Seither war die AfD nur noch mit acht Personen vertreten.

Wer die letzten Sitzungen des Kreistages beobachtet hat, stellte fest, dass die AfD dort nicht mehr so stark vertreten war. Zwei, die bislang praktisch immer dabei waren, der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Eric Markert und Fraktionsgeschäftsführerin Ulrike Markert, stehen nicht mehr auf der Liste zur möglichen Wiederwahl. Beide betonen, dass sie die fünf Jahre Kreispolitik sehr genossen haben, dass die Zeit für sie sehr lehrreich war und es ihnen eine gewisse Freude bereitete, Themen per Antrag angestoßen zu haben, bei denen die Koalition nicht umhingekommen sei, mit einem eigenen Antrag zu reagieren, weil es das Thema bedingte, aber man nicht einem AfD-Antrag zustimmen wollte. Als einen großen Erfolg werten Eric und dessen Mutter Ulrike Markert den einstimmigen Beschluss im Mai 2017, als es darum ging, eine Resolution gegen politisch motivierte Gewalt zu verurteilen. Dabei bekannte sich auch die AfD-Fraktion zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung, zur Meinungs- und Versammlungsfreiheit mit der Distanzierung von Extremismus von links wie auch von rechts. So weit sie die Arbeit mitgestalteten, hätten sie immer versucht, ihre Themen ohne Populismus zu setzen, Sachpolitik zu betreiben, ohne provozieren zu wollen. Sie fanden auch, es sei okay, in der Sache zu streiten, doch habe man nie etwas auf eine persönliche Ebene ziehen wollen. Verschiedene Entwicklungen in der AfD sehen die beiden aber durchaus kritisch.

Eine rechte Sicht der Dinge, so Eric Markert, sei noch lange keine rechtsextreme Sicht. Aber alles, wofür der Nationalsozialismus im Dritten Reich stand, sei abzulehnen und dürfe sich nicht wiederholen, sagt der bisherige Fraktions-Vize. Mit Menschen, die sich nicht von Nazi-Gedankengut distanzieren, könne er keine Politik machen. Eric Markert wird den Landkreis verlassen, kandidiert allein deswegen nicht mehr für den Kreistag. Er wird für den heimischen AfD-Landtagsabgeordneten Hermann Bolldorf, der derzeit auch Fraktionsvorsitzender der AfD im Kreistag ist, arbeiten. Ulrike Markert sagt schlicht, dass sie sich ins Private zurückziehen möchte und mittelfristig sich auch einen Umzug nach Österreich vorstellen kann. Hermann Bolldorf, der als Spitzenkandidat ins Rennen geht, bedauert die Entscheidungen. Natürlich freut er sich, dass Eric Markert weiterhin sein Büroleiter in Wiesbaden ist, aber im Kreistag werde er ihn vermissen wie auch Ulrike Markert, „die als Geschäftsführerin hervorragende Arbeit geleistet hat“.

Er selbst steht dieses Mal an der Spitze der Liste. Vor fünf Jahren wurde er von Platz 16 auf Eins vorgewählt. Dieses Ergebnis hat er als Auftrag verstanden. Denn die Leute, die ihn wählen, wüssten sehr genau, hebt Bolldorf selbst hervor, dass er als ehemaliger CDU-Bürgermeister von Biedenkopf mit Rechtsextremismus nichts am Hut habe.

Von Götz Schaub