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Marburg Darum bläst die MPG die Altenheim-Pläne ab
Marburg Darum bläst die MPG die Altenheim-Pläne ab
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18:15 08.12.2019
So hätte das Seniorenwohnheim am Afföller aussehen sollen, das die Marburger Gesellschaft für Projektförderung (MPG) in Marburgs Norden realisieren wollte. Nun will die Firma die Fläche von der Stadt nicht mehr kaufen. Quelle: artec-Architekten Marburg
Marburg

Die Entscheidung sei am Freitag (6. Dezember) auf einer Routinesitzung gefallen, sagte Stephan Bretz von der MPG am Freitag im Gespräch mit der OP. Bretz sagte, der Verzicht auf den Kauf des Afföllergeländes sei „losgelöst von anderen Projekten zu sehen“. Aktuell gebe es bei der MPG keine anderen Pläne für den Afföller.

Aus der Pressemitteilung des Unternehmens wird aber ebenfalls deutlich, dass die MPG-Entscheidung auch auf die Proteste der vergangenen Monate zurückzuführen ist. Das Unternehmen reagiere „auf die Diskussionen der vergangenen Monate“, schreibt die MPG in ihrer Stellungnahme.

Zwischen der Stadt Marburg und der Marburger Gesellschaft für Projektförderung war der Bau eines Seniorenheims sowie eines Parkhauses Gegenstand der Gespräche.

Die Pläne waren offiziell im März vorgestellt worden, nachdem die Stadt noch wenige Tage zuvor auf OP-Anfrage gesagt hatte, dass es keine Überlegungen für Verkaufsverhandlungen gebe. Das Marburger Stadtparlament hatte den Verkaufsverhandlungen zugestimmt, daran aber die Bedingung geknüpft, dass die Kulturbetriebe auf dem Afföllergelände dadurch keine Nachteile erleiden dürften.

Zuletzt hatte die Marburger SPD auf ihrem Parteitag gefordert, der Magistrat möge die Verhandlungen mit der MPG beenden. Im Verlauf der politischen Debatte war Bürgermeister und Baudezernent Wieland Stötzel (CDU) unter anderem von den Linken vorgeworfen worden, er führe „Verhandlungen im Hinterzimmer“.

Das ursprüngliche Anliegen von Andreas Pohl und Reinfried Pohl sei gewesen, „mit dem Seniorenheim einen weiteren Beitrag für die Infrastruktur und soziale Stadtentwicklung zu leisten“, teilte die MPG mit. Damit verbunden waren Pläne für die Schaffung von 75 Plätzen für Seniorinnen und Senioren sowie über 200 Parkplätzen. 

Bürgermeister Wieland Stötzel (CDU) bedauerte die Entscheidung der MPG, äußerte aber auch Verständnis. „Das wäre ein schönes Projekt für Marburg gewesen“, sagte der Baudezernent. Seniorenwohnungen werden in Marburg noch gesucht, und die parkenden Autos von der Schotterfläche in ein Parkhaus zu packen, würde weniger Fläche verbrauchen – und das Ganze noch finanziert von einem Investor, „von dem man weiß, dass er die Sachen, die er anpackt, ordentlich macht“, reagierte Stötzel auf die Nachricht vom „Aus“ für das Projekt. Er respektiere aber, dass die MPG angesichts der Gesamtlage von dem Projekt Abstand nehme. „Wir waren in guten Gesprächen und hätten in der kommenden Woche den nächsten Termin gehabt“, sagte er.

Aufatmen beim Bündnis „Afföller retten“: Es sei eine „sehr schöne Entwicklung, aber nur der erste Schritt, den wir bei unseren Protesten gefordert haben. Jetzt muss als nächster Schritt die Erstellung eines Entwicklungskonzepts für dieses Gebiet folgen“, sagt Christian Kirscht, Bündnis-Sprecher, am Freitag auf OP-Anfrage. Man sei für „vieles aufgeschlossen“, speziell ein Kulturprojekt – der Neubau des Hessischen Landestheaters kristallisierte sich zuletzt als realistische Möglichkeit heraus – sei denkbar. 

Aber ebenso ein Jugendzentrum für die Nordstadt sei bereits intern diskutiert worden. Auch das von der SPD vorgeschlagene Nachhaltigkeits-Haus sei zwar „ominös und vage“, aber eine „mögliche Denkrichtung“. Die Grünen hatten vorgeschlagen, die Afföllerwiesen zu einem Verkehrsknoten auszubauen, von dem unter anderem eine Seilbahn zu den Firmen an den Behring-Standorten gehen könne.

von Till Conrad und Björn Wisker