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Marburg Luftreiniger: Kampf dem Virus im Klassenzimmer
Marburg Luftreiniger: Kampf dem Virus im Klassenzimmer
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20:25 05.11.2020
Lothar Schneider, Geschäftsführer von Aludo, mit den Luftreinigern des Unternehmens. Auf dem Gerät das Hepa-14-Filterelement. Quelle: Foto: Andreas Schmidt
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Wie können Schüler in den Klassen vor einer Ansteckung mit Corona geschützt werden? Nun, zum einen gilt mittlerweile an Schulen im Landkreis für Schüler ab der fünften Klasse eine generelle Maskenpflicht im Unterricht. Und: Auch das regelmäßige Lüften spielt in den Konzepten eine große Rolle. Allerdings geht Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, davon aus, dass in etwa 100 000 Klassenräumen nicht richtig gelüftet werden kann – etwa, weil die Räume keine Fenster hätten, erläuterte der Präsident kürzlich bei der ARD. Die Folge: Schulen müssten diese Räume sperren. Oder man benötige zusätzliche Möglichkeiten, die Luft rein zu halten – mit Luftreinigern.

Doch können diese Geräte tatsächlich dafür sorgen, dass die Ansteckungsgefahr im Klassenzimmer sinkt? Das haben Forscher der Goethe-Universität Frankfurt untersucht – und herausgefunden, dass Luftreiniger der Filterklasse HEPA H13 die Aerosolkonzentration in einem Klassenzimmer in einer halben Stunde um 90 Prozent senken können. Weil damit das Risiko einer Aerosolinfektion mit dem Corona-Virus deutlich verringert wird, empfehlen die Wissenschaftler das Aufstellen entsprechender Luftreiniger in Klassenräumen. Die Lärmbelastung durch den Reiniger beurteilten Schüler und Lehrer überwiegend als nicht störend.

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Joachim Curtius, Professor für Experimentelle Atmosphärenforschung, erläutert: „Auf Basis unserer Messdaten haben wir eine Modellrechnung angestellt, anhand der sich abschätzen lässt: Ein Luftreiniger reduziert die Menge an Aerosolen so stark, dass in einem geschlossenen Raum auch die Ansteckungsgefahr durch eine hoch infektiöse Person, einen Superspreader, sehr deutlich reduziert würde.“

Die Geräte gibt es nicht nur bei großen Herstellern: Mit der Firma Aludo stellt auch ein heimischer Produzent hochwertige Luftfilter her – bis hin zu hochwirksamen HEPA H14-Filterelementen, die laut Unternehmen 99,995 Prozent der Aerosole entfernen.

Lothar Schneider gründete das Unternehmen 2015, damals noch unter dem Namen CL.AIR. Der Diplom-­Ingenieur beschäftigt sich bereits seit gut 20 Jahren intensiv mit Lüftungstechnik und war unter anderem maßgeblich an der Entwicklung von Passivhäusern beteiligt. Er entwickelte für Schüco einen Luftreiniger, der in den Fensterrahmen integriert ist (die OP berichtete). Mittlerweile ist das Unternehmen ins Hinterland umgezogen, hat dort mehr Platz zur Verfügung. Denn Schneiders Frau Christina Tettinger-Schneider ist ebenfalls ins Geschäft mit eingestiegen, hat einen Web-Shop rund um Luftfilter, Schutzmasken & Co. aufgebaut.

Lothar Schneider treibt es um, dass die Verbraucher bei den Luftreinigern häufig zu den großen Markennamen greifen, weil sie denken, dass sie damit auch gleichzeitig die hochwertigsten Geräte erwerben. Das müsse aber nicht automatisch der Fall sein, sagt er selbstbewusst, denn er kenne die Geräte. „Die Unternehmen können leider Millionen ins Marketing investieren“, erklärt er. Selbstbewusst fügt der Unternehmer hinzu: „Kein Luftreiniger verbraucht weniger Energie und keiner ist bei gleichem Volumenstrom leiser als unsere Aludo-Geräte.“ Die würfelförmigen Geräte kommen hochwertig aus stabilem, lackierten Blech daher und besitzen ein von Schneider und seinem Team selbst entwickeltes Filtersystem. Man setze auf die Kombination bester Komponenten von Europas innovativsten Herstellern, es kämen große Ventilatoren zum Einsatz, die besonders leise und effizient arbeiten würden. Und: Das Filterpaket sei so entwickelt, dass es für eine besonders gute Reinigung der durchströmenden Luft sorge. Ja, der Aludo-Reiniger besitze einen Volumenluftstrom von 800 Kubikmetern je Stunde – die Wettbewerber würden mit 1 600 Kubikmetern werben. „Aber diese Leistungsstufe würde man im Praxisbetrieb in der Schule niemals verwenden, weil es dann viel zu laut wäre“, ist sich der Ingenieur sicher. „Zwei von unseren Luftreinigern sind absolut ausreichend, um einen Klassenraum ausgiebig zu säubern“, sagt Schneider, ausgehend von einem 70 Quadratmeter großen Klassenraum mit 2,5 Metern Deckenhöhe. Die 175 Kubikmeter würden also zweimal pro Stunde ausgetauscht, „mit zwei Reinigern entsprechend viermal pro Stunde – bei nur 35 Dezibel, was die Richtlinie für den Innenschalldruckpegel ist, bei dem man noch lernen kann“.

Die Kosten für die Aludo-Luftreiniger liegen – je nach Filterklasse – zwischen gut 1 300 bis knapp 1 700 Euro. Und: Sie sind modular aufgebaut. Das heißt: Wer jetzt etwa ein Gerät mit HEPA13-Filter kaufe, könne den Filter auch später gegen HEPA14 austauschen. Oder man kann später auch noch mit Aktivkohle nachrüsten, „um flüchtige organische Verbindungen auszufiltern“. Auch gebe es Filter mit Natriumpermanganat gegen organische Gase wie etwa Formaldehyd oder Stickoxide. Das sei für die Schulen wahrscheinlich überdimensioniert – „aber es ist immer gut, wenn man alle Optionen wählen kann“, so Schneider.

Doch wie sieht das Lüftungskonzept an den heimischen Schulen aus? Der Landkreis erläutert auf OP-Anfrage, dass man die Vorgaben des „Hygieneplans 6.0“ des Kultusministeriums umsetze. Dort ist unter anderem das Lüften als Stoß- oder Querlüften alle 20 Minuten für die Dauer von drei bis fünf Minuten vorgesehen.

Luftreiniger spielten in dem Konzept keine Rolle. Dennoch habe der Landkreis bereits Geräte beschafft. „Sie kommen aber nur in wenigen Fällen zum Einsatz, wo es innenliegende Räume ohne Anschluss an eine geeignete, zentrale Lüftungsanlage gibt und dieser Raum zwingend für den laufenden Unterricht genutzt werden muss“, erläutert auf OP-Anfrage Landkreis-Pressesprecher Stephan Schienbein. „Wir sammeln aktuell Erfahrungen mit diesen Geräten.“ In diesem Zusammenhang habe man auch „bei einem heimischen Anbieter“ Geräte vorbestellt. Denn: Aludo geht es wie vielen Herstellern, „wir sind derzeit ausverkauft – aber in spätestens zwei Wochen wieder lieferfähig“, erläutert Lothar Schneider.

Von Andreas Schmidt

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