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Marburg Dachsanierung startet im April
Marburg Dachsanierung startet im April
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08:00 09.04.2019
So präsentiert sich aktuell das Innere des Lokschuppens nach den vorbereitenden Arbeiten. Die Dachsanierung, die rund vier Monate dauern soll, startet voraussichtlich Mitte des Monats.  Quelle: Schneider Kultur- und Gründerzentrum
Marburg

„Wir würden jetzt gerne endlich loslegen“ , sagte Investor Gunter Schneider am Donnerstag im Bauausschuss, wo er zusammen mit Architekt Bernward Paulick den aktuellen Stand bei der Umsetzung des Vorhabens am alten Lokschuppen auf dem Waggonhallengelände darstellt. Der Termin war aufgrund einer Anfrage der Marburger Linken zustande gekommen, die mehrere Fragen – unter anderem zum Baufortschritt, zur geplanten Baustellensicherung, zu den Ergebnissen der Bodenuntersuchung und der Dachsanierung – gestellt hatten.

Trotz intensiver monatelanger Vorbereitungen fehlt immer noch ein entscheidender Baustein, und zwar die Baugenehmigung. Das sagte Gunter Schneider zu Beginn seiner Präsentation. Ein entscheidender Knackpunkt ist noch eine mögliche Einbindung der Drehscheibe in das Gesamtkonzept.

Die Drehscheibe wurde früher dazu verwendet, dass die Lokomotiven aus dem Lokschuppen heraus auf die anliegenden Bahngleise manövriert werden konnten. Jetzt könnte sich Schneider aber durchaus vorstellen, sie bei künftigen Kulturveranstaltungen zu nutzen. So könne man dort beispielsweise vielleicht auch zusammen mit den Machern des Kulturzentrums Waggonhalle Theater-Aufführungen planen.

Bahn muss Nutzung der Drehscheibe zustimmen

Um die besonders eindrucksvolle Drehscheibe auch in der Gänze nutzen zu können, fehlt aber noch die Einverständniserklärung der Bahn-Verantwortlichen. „Wir sind schon lange daran, das zu klären“, betonte Schneider auf Anfrage der OP.

„Denn eine Hälfte der Drehscheibe gehört der Deutschen Bahn AG“, erläuterte Schneider. Dabei handele es sich um die Hälfte, die direkt an die Bahngleise angrenzt, die noch durch die Deutsche Bahn genutzt werden. Und direkt unterhalb dieser Fläche verlaufe ein Versorgungskabel, das wohl für die Erwärmung der Schienen verantwortlich sei.
Sören Bartol als Vermittler

Nach bisher ergebnislos verlaufenen Verhandlungen mit unterschiedlichen Bahnabteilungen setzt Schneider deswegen auf die Vermittlung durch den heimischen SPD-Bundestagsabgeordneten Sören Bartol, der unter anderem durch seine Tätigkeit im Verkehrsausschuss des Bundestages häufig mit Bahnthemen beschäftigt ist. Am Freitag sagte Schneider auf OP-Anfrage, dass nun auf Bartols Vermittlung hin Ende Mai eine erstmalige gemeinsame Ortsbegehung mit Bahn-Verantwortlichen stattfinden werde.

„Wir gehen davon aus, dass sich alle Beteiligten auf eine sinnvolle Lösung verständigen und können uns nur schwer vorstellen, dass die Bahn am Ende verlangen wird, dass die Drehscheibe zerstört und geteilt werden muss“, sagte am Freitag Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) auf OP-Anfrage.

Wenn die Drehscheiben-Causa geklärt wäre, dann würden einer Baugenehmigung nur noch zwei andere Themen im Wege stehen. So warte die Stadt Marburg noch auf die Entscheidung der Investoren, wie und wo die Parkplätze für das Lokschuppen-Areal gestaltet werden, teilte die städtische Pressestelle auf OP-Anfrage mit. Allerdings seien beide Optionen genehmigungsfähig. Zudem müssten noch Verhandlungen der Bauantragsteller mit der Bahn AG um die Frage, wo Materialien für den Baustellenbetrieb gelagert werden, ein Ergebnis finden.

Wenn alles geklärt sei, dann könne eine Baugenehmigung zügig erteilt werden, teilte Birgit Heimrich von der städtischen Pressestelle auf OP-Anfrage mit.
Unterdessen sollen aber alle vorbereitenden Arbeiten für das Großvorhaben zügig weitergehen, sagte Schneider, der dazu den Ausschussmitgliedern auch einen Zeitplan vorstellte. Demnach sollen bereits Mitte des Monats die Dachsanierungsarbeiten beginnen – ein Part, der noch als Reparatur gilt und für den keine Baugenehmigung benötigt wird.
Grundkonzept bleibt

Ab Sommer soll Sanierung des Mauerwerks beginnen

Vorbehaltlich der Baugenehmigung sollte dann ab dem Sommer auch das zu großen Teilen marode Mauerwerk des ehemaligen Bahn-Lokschuppens überarbeitet werden, wobei teilsaniert werde. Auf eine Dämmung der Außenmauern solle allerdings verzichtet werden. Das Grundkonzept für die Nutzung des Lokschuppen-Areals bleibe wie im August 2018 öffentlich vorgestellt bestehen, sagte Schneider. Dazu zählen eine geteilte Nutzung in einem Event-Bereich für Veranstaltungen und einem Bereich für „Start-up“-Firmen“ in dem Gebäude des Lokschuppens sowie die Errichtung eines Hotels mit einer Kapazität von 80 Betten auf den Gelände daneben (die OP berichtete).

Allerdings könne der Keller des Lokschuppens nicht wie geplant genutzt werden, weil sich dort enorme Erdmengen befänden. So solle nun der gesamte Haustechnikbereich nicht im Keller, sondern im künftigen ersten Stockwerk des Gebäudes eingebaut werden. Eine Einigung wurde nach Angaben Schneiders zwischenzeitlich erzielt über die aufgrund des Hotelbaus notwendig gewordene Verlagerung des Werkstattgebäudes von Thomas Gebauer, das auf dem Waggonhallengelände unter teilweiser Nutzung der bisherigen Bauelemente wie der Fenster oder der Tür wiederaufgebaut werden soll. OB Spies bestätigte, dass die Verhandlungen zwischen Gebauer, der Stadt, der Gewobau und den Investoren erfolgreich verlaufen seien.

von Manfred Hitzeroth