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Marburg Ein Industriedenkmal wandelt sich
Marburg Ein Industriedenkmal wandelt sich
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11:56 25.10.2019
So sieht der Lokschuppen mittlerweile von Innen aus.  Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Einmalige Einblicke in eine der interessantesten Baustellen Marburgs erhielten rund 40 Teilnehmer einer Führung, die auf Einladung des Projektes „Industriekultur Mittelhessen“ des Regionalmanagements Mittelhessen stattfand. Die Rede ist von dem Areal des Lokschuppens, für dessen Sanierung Investor Gunter Schneider in einem Ausschreibungsverfahren Ende 2017 den Zuschlag bekommen hatte.

Im Inneren ist das Industriedenkmal noch nahezu im Rohzustand, allerdings ist die Dachkonstruktion bis auf wenige tragende Elemente völlig freigelegt und bietet nahezu in einer 360-Grad-Rundumsicht faszinierende Blicke in die nähere und weitere Umgebung.Während der rund einstündigen Baustellenführung fuhren mehrmals Güter- und Personenzüge direkt an dem ehemaligen Lokschuppen vorbei und erinnerten somit direkt an die frühere Nutzung des Geländes. Schneider erläuterte im Gespräch mit der OP, dass die Baugenehmigung nach längeren Verzögerungen bereits seit Juni dieses Jahres vorliege. Seitdem ist auf der Baustelle viel passiert.

Das betrifft vor allem die Dachkonstruktion. So stehen jetzt nur noch die Dachbalken und die sie stützenden Tragekonstruktionen. Die Verantwortlichen für die Sanierung des Areals kündigten an, dass möglichst bis zum Ende dieses Jahres das neue Dach geschlossen werden soll.

Oberste Priorität habe in Ansprache mit den Denkmalschutzbehörden die möglichst weitgehende Erhaltung der Bausubstanz, betonte Architekt Bernward Paulick bei der Vorstellung des Projektes.

So solle beispielsweise das Ziegel-Mauerwerk für die Außenmauern des ehemaligen Lokschuppens weitgehend erhalten bleiben und keine Zusatzdämmung erhalten. Allerdings sollen teilweise Bodenplatten eingesetzt werden und in Kombination mit der Dämmung durch das neue Dach für eine bessere Energiebilanz sorgen. In Absprache mit der Stadt Marburg und den Stadtwerken soll künftig die Energieversorgung für das gesamte Areal und auch die angrenzende Waggonhalle durch Fernwärme erfolgen. Auch für die Nutzung der ehemaligen Zug-Drehscheibe, die sich außerhalb des Lokschuppens auf der Fläche Richtung Bahngleise befindet, habe sich nach zähen Verhandlungen eine Lösung ergeben. Demnach dürfen rund drei Viertel der Drehscheibe durch die Lokschuppen-Investoren nach der Inbetriebnahme für Freiluft-Events genutzt werden.

Gunther Schneider stellte den interessierten Zuhörern auch noch einmal das grobe Konzept für die künftige Nutzung des Areals dar: Es wird dreigeteilt in eine Event-Arena mit Platz für bis zu 1 000 Gäste, einen Gastronomiebereich sowie ein Gründerzentrum, in dem im speziellen Industrie-Flair Start-up-Unternehmen ihren Platz finden können.

Schneider hofft, dass alle Arbeiten am ehemaligen Lokschuppen Ende kommenden Jahres ihren Abschluss finden werden, so dass dann dort die Eröffnung stattfinden kann. Das hänge allerdings davon ob, ob im Zuge der Sanierung noch Überraschungen auftreten.

von Manfred Hitzeroth